Hafengeburtstag
5/2005
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Hamburg: Ein Geburtstag der besonderen Art

 

Nun wohne ich schon seit sechzehn Jahren in Hamburg - und doch bin ich wohl noch kein richtiger Hamburger. Denn es gibt da einen schweren Mangel in meiner Hamburg-Biografie: ich war noch nie zu einem Hafengeburtstag. Einem der größten und wichtigsten Fest Hamburgs rund um den Hafen und die Landungsbrücke herum. Eigentlich bin ich ja nicht ein großer Freund von solchen Mega-Festen. In diesem Jahr ist dieses Fest gleich vier Tage lang, vom 5. bis zum 8. Mai.

Der Himmelfahrtstag ist ja so ein Tag, den ich leicht mal verträume - auch, wenn ich dieses Jahr quasi im Dienst bin. In Bereitschaft für zu hohe Ozonwerte in Hamburg. Die sind bei diesem Wetter jedoch nicht zu befürchten, also schwinge ich mich nachmittags aufs Rad, um es mir in einem Café schön gemütlich zu machen, etwas lesen, gucken, Kaffee trinken. Doch dann, auf dem Weg, fällt es mir ein: oh, hallo, es fängt ja heute der Hafengeburtstag an - das wäre doch mal eine Gelegenheit, sich dieses bei der sechzehnten Gelegenheit einmal anzuschauen! Heute ist doch die berühmte Einlaufparade!

Also: ab in die U-Bahn und hin zu den Landungsbrücken, um mit meiner Tradition zu brechen, solche Feste zu meiden. Beim Umsteigen in die U3 kommen mir Zweifel ob meiner überraschenden und plötzlichen Entscheidung. Denn: die Bahn ist voll mit Menschen. Wo sollen die an diesem Tag ansonsten schon hin wollen?

Und tatsächlich: alle steigen mit mir zusammen an den Landungsbrücken aus. Kaum habe ich die U-Bahn verlassen, wird mir klar: hier werde ich heute nicht glücklich werden. Aber trotzdem starte ich den Selbstversuch: hinein ins Getümmel! Die Aussicht von der Brücke von der U-Bahn zu den Landungsbrücken ist schön: blauer Himmel, graues Wasser und viele viele schöne Schiffe daruf. Allein: es fehlt ein wenig die Muße, dies zu genießen. In dem großen Gedränge gibt es kaum die Möglichkeit mal die Aussicht zu genießen, ich werde hin und her geschoben.

Richtung Hafen möchte ich, zu den Landungsbrücken. Aber: dies geht nicht, die Menschenmassen stocken. Es geht die Treppen nicht runter, alles ist von Menschen blockiert. Eine Zeitlang hoffe ich, dass es irgendwann doch Schritt für Schritt weiter geht, werde jedoch nur in der wabernden Menschenmasse hin- und her geschoben. Blicke für die Schiffsparade auf der Elbe bleiben da nicht. Ich stecke genauso wie alle um mich herum fest.

Langsam, nach etwa 10 Minuten, fange ich an, mir ob der Menschenmasse auf der Stahlbrücke Gedanken zu machen. Wenn ich mal einen Moment still stehe kann bemerke ich ein deutliches Schwingen - komisch! eigentlich bin ich ja kein Angsthase, aber das ist mir nicht geheuer. Also raus aus der Menschenmenge, zurück zur U-Bahn-Station und dort den anderen Treppenabgang nehmen.

Der ist zwar begehbar und einigermaßen menschenleer - allein: man sieht die Elbe nicht mehr, wenn man unten ist. Dafür muss man auf die andere Straßenseite. Eigentlich kein Problem, die Straße ist ja für Autos gesperrt - aber: man muss eine Fressmeile kreuzen. Aber auch das ist mit ein wenig Geschick und einiger Rücksichtslosigkeit kein Problem.

Aber: die Promenade ist natürlich auch voller Menschen, zwar kein Gequetsche - aber das wohl auch nur, weil die Rickmer Rickmers den Blick auf die Elbe versperrt. Schlendert man ein wenig weiter, dann sind sie alle wieder da. Will man nicht pausenlos anrempelt, angerempelt werden oder jemandem auf die Füße treten, dann muss man sich auf den Weg konzentrieren - kaum ein Blick zum Wasser bleibt...

Irgendwann geht es nicht mehr weiter: der Durchgang am Hafenrestaurant erweist sich als zu schmal. Niemand kommt durch. Ich stecke schon wieder eingezwängt in einer Menschenmenge fest. Der Entschluss liegt nahe: das bringt so keinen Spaß. Der Versuch, seitlich auszubrechen gelingt mit Entschlossenheit und Geduld dann doch verblüffend gut - bringt mich jedoch auf die Budenmeile.

Na gut, denke ich, vielleicht findet sich ja was nettes. Aber nein: außer sich drängelnden Menschenmengen und den vom Dom bekannten Buden mit allem möglichen Junk-Food, Saufbuden, kleine Karussells, Losbuden - ja, ist denn der Dom jetzt am Hafen?

Spaß bringt es mir hier auch nicht. Pausenloses Gerempel, Geschiebe und Geschubse an meinem Rucksack fangen an, meine Geduld zu strapazieren. Also breche ich wieder aus, auf die gesperrte Straße. Dort sind weniger Leute, keinerlei Gedränge. Aber: auch nichts schönes.

Ein wenig schlendere ich dahin, von der Einlaufparade bekomme ich schon längst nichts mehr mit. Am alten Elbtunnel vorbeigehend beobachte ich ein wenig, diese "Activity-Zone" oder so von Lotto, wo Leute sich auf verschiedenste Weisen durchrütteln und -schütteln lassen können. Nun ja, dafür bin ich wohl zu alt.

Etwas weiter die Straße schlendernd, die Sonne scheint ja wunderbar, wenn auch bei recht kaltem Wind, bemerke ich, dass ich hier meine Zeit vertue. Wie schön wäre es in einem netten Café bei einem warmen Milchkaffee, ruhig und entspannt in einer Zeitung oder einer Zeitschrift lesend! Genau so etwas suche ich mir jetzt, der Abschied von diesem Fest fällt mir nicht schwer.

Und zukünftig darf der Hafengeburtstag gerne auch ohne mich stattfinden, für die nächsten Jahre reicht es mir jedenfalls einstweilen - vielen Dank! Fress- und Sauffeste wie dieses können mir gerne erspart bleiben, schade nur, dass die Stadt Hamburg hier eine eigentlich gute Idee völlig in ein jämmerlich stupides Fest verhunzt hat. Aber drin ist man in dieser Stadt ja führend! Aber vielleicht bin ich ja auch einfach nur nicht kompatibel für wahre Feierlichkeit?

Denn, keine Frage: Morgen wird sicher wieder in den Hamburg-verliebten Zeitungen stehen, dass der Hafengeburtstag mit einem grandiosen Fest begann, das alle sehr genossen...

 


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