Einkaufen in HH
7/2005
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Und wieder mal: Bittere Tränen beim Hamburger Abendblatt

 

Der Hamburger an sich ist ja stolz auf seine Stadt! Er liebt sie geradezu. Die Hamburgerin natürlich ebenso! Die Stadt ist schön. Grün. Kulturell reich. Mit Hafen. Und Reeperbahn.

Das Sprachrohr dieser Hamburg-Verliebten ist eine Zeitung: Das Hamburger Abendblatt. Über allem was man dort im Kultur-, Wirtschaft- und natürlich im Hamburgteil liest, schwingt so ein „unsere tolle tolle Stadt“-Duktus mit.

Und immer, wenn irgendwo in der Republik verlautet „Hamburg ist nicht absolute Spitze“ – dann wird man beim Abendblatt traurig. Zuweilen auch pampig. Sooo weit ging es heute am 1. Juli zwar nicht, aber man gönnte sich schon eine schöne Schlagzeile: „Hamburgs Einkaufsstraßen im Mittelfeld“, um dann in der Unterüberschrift festzustellen, dass die Mönckebergstraße zwar die meistfrequentierte Einkaufsmeile Hamburgs sei, aber „Bundesweit liegt sie nur auf Platz 10.“ Da wird man ja ganz traurig. Nur Zehnter! Sogar Städte, auf die der Hamburger gerne herniederschaut, wie Hannover, Düsseldorf, Dortmund, liegen noch vor Hamburg. Wie beschämend für die tolle Stadt. Es kostet nicht viel Vorstellungskraft, sich die heißen Tränen des Redakteurs beim Schreiben vorzustellen.

Auch die von der Mönckebergstraße abbiegende, ca. 100 m lange Spitalerstraße ist nur auf Platz 11. Der Neue Wall gar nur auf Platz 25!!

Aber warum ist das wohl so? Ein wenig wird versucht, dem nachzugehen. Andere, böse Einkaufszentren ziehen Kundschaft ab – gibt es die in anderen Städten etwa nicht? Manager werden zitiert, man müsse eine „fundierte Standtortanalyse“ vollführen.

Der CityManager kann es sich ganz leicht machen: er muss für seine Standtortanalyse nur mal sein Büro verlassen und in die Einkaufsstraßen gehen! Er würde schnell erkennen: Sie sind grauenhaft!

Die Mönckebergstraße ist tatsächlich was sie verspricht: ein Straße eben. Mit Straßenverkehr. Pausenlos rauscht eine Bus- und Taxikolonne durch die Straße, hin und wieder irgendwelche verirrte Lieferwagen oder Privatwagen, rasante Radfahrer, langsame Rikscha-Fahrer. Bei ruhigem Wetter kann man gegen das Abendlicht in der Mönckebergstraße etwas sehen, was man ansonsten in Hamburg wohl nur noch im Hafen und in Kleingärten (bei Grillwetter!) sehen kann: eine erhebliche Feinstaub- und Abgasglocke!

Die Einkaufenden werden auf zum Teil recht schmale Fußgängerwege gezwängt – für Autos ist zum Teil doppelt so viel Platz, wie für die Käufer. Ist das wohl attraktiv?

Viel Spaß dann beim Einkaufen dort!

Die kurze dort abbiegende Spitalerstraße ist dann tatsächlich Fußgängerzone! Nein, stimmt nicht ganz: seit Jahren eher Großbaustelle für neue Klamottenläden. An die kontinuierlichen Baustellen grenzen große Sitzbereich für Cafés und Imbisse an – im Sommer. Aber natürlich bleibt auch ein schmaler Durchgang für die Käufer!

Viel Spaß dann beim Einkaufen dort!

Der Neue Wall ist dann ja ganz was anderes: dort sind nur Nobelläden für die Pfeffersäcke. In der superschmalen Straßenschlucht reicht die Gehwegbreite von 1,50 bis 2 Metern locker hin, Normalos haben dort eh nix verloren! Und der häufige Stau in der zweispurigen Straße dort kommt ja eh nur von Porsche- und BMW-Fahrern, die gerne direkt vor den Geschäften stehen wollten...

Viel Spaß dann beim Einkaufen dort!

Mögen Sie wirklich gerne so bummeln und einkaufen? Wirklich?

Hm. Hamburg ist neben Bukarest die EINZIGE mir bekannte Stadt, die in ihrer Innenstadt auf eine ausgedehnte Fußgängerzone verzichtet (sieht man von den rund 100 Metern der Baustelle Spitalerstraße mal ab). Das Signal kommt ziemlich deutlich rüber: Menschen sind uns hier eher lästig. Freie Fahrt bitte! Durch jede noch so schmale Straße wird der Autoverkehr gezwängt. Wie grauslig!

Wie schön sind doch die zum Teil ausgedehnten Fußwege in Hannover, Städte wie Wolfenbüttel oder Bad Segeberg haben ausgesprochen gemütliche Fußgängerzonen, die 10- bis 20-mal so groß sind, wie Hamburgs Fußgängerzonen in der Innenstadt. In Stuttgart, Karlruhe oder Essen könnte man sich als Hamburger geradezu verirren in den Fußgängerzonen...

Das einzige, was mich zuweilen in die Mönckebergstraße lockt, ist ein schönes, stilvolles Kino. Vielleicht auch besuche ich nach Feierabend mal schnell ein Buchgeschäft oder einen Elektronikmarkt - liegt ja immerhin direkt auf dem Nach-Hause-Weg. Aber dann auch bitte schnell wieder weg! Ansonsten muss man mir schon fast Gewalt androhen, um dort einzukaufen.

Eigentlich ein Wunder, dass diese Einkaufsstraßen doch immer noch im bundesweiten Mittelfeld liegen und nicht längst schon abgeschlagen sind! Über das Niveau von Bukarest kommt man in Hamburg diesbezüglich bisher jedenfalls kaum hinaus...

Ach ja, erwähnen muss ich wohl noch: Ich bin kein Hamburger. Fühle mich auch nach etlichen Jahren nicht als solcher. Aber das liegt wohl an der kühlen bis eisigen Distanz hier.

 


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