Radfahren...!
Ilmenauradweg
3. Tag: Uelzen - Hamburg (136 km)

Ein Fahrrad-Reisebericht über eine Radtour im Mai/Juni 2011
  mit 36 Bildern





Ilmenauradweg bei Sankt Dionys

Und plötzlich ist alles traumhaft schön: Nach vielen eher nervigen Kilometern auf dem Ilmenauradweg werden die letzten 30 Kilometer einfach großartig. Auch das Wetter spielt urplötzlich mit und verwöhnt mit Sonne, hier bei der Ortschaft Sankt Dionys.

 

Einige Zeit vor dieser Tour hatte ich schon mal einen Versuch unternommen, den Ilmenauradweg zu fahren - kam aber nur vom Startort Bad Bodenteich bis nach Uelzen. Zu einem Bericht über dieses Desaster geht es hier.

 

Es ist Samstag, der 11. Juni 2011, 8:50 Uhr, Uelzen, Hundertwasser-Bahnhof.
Temperatur: 8 Grad, zunächst leicht bewölkt.

 

Das wirklich überaus jämmerliche Scheitern meiner Tour den Ilmenau-Radweg entlang vor gut drei Wochen hat mir keine rechte Ruhe gelassen (siehe hier den ersten Teil meines Berichtes zum Ilmenau-Radweg, der Etappe von Bad Bodenteich bis nach Uelzen). Der Weg sollte mich von Bad Bodenteich ein Stück in Richtung Hamburg bringen - aber wegen eines schleichenden Reifenschadens und wegen oft misslicher Beschaffenheit des Weges war ich schon genervt, als ich in Uelzen ganz überraschend völlig vom Weg abkam. Da stand dann der Entschluss: Rein in die Bahn - und ab nach Hause!

Aber andererseits ist es ja nicht sooo leicht, mich abzuschütteln! Und immerhin hatte ich mir ja schon einen Radführer gekauft - den sollte ich jetzt doch wohl auch mal nutzen. Es steht ein völlig freies Wochenende bevor, und ich kann für das in zwei Monaten anstehende Cyclassics-Jedermann-Radrennen in Hamburg gut noch einige flotte Fahrrad-Kilometer in den Beinen gebrauchen. Also lag der Entschluss nahe, es doch noch einmal mit dem Ilmenau-Radweg zu versuchen. Mein Fahrrad war jedenfalls mittlerweile mit dem besten Reifen-Material Marke mega-unplattbar-plus ausgestattet.

So also kommt es, dass ich rund drei Wochen nach dem Abbrechen des ersten Teils der Tour, wieder hier in Uelzen, auf dem Hundertwasser-Bahnhof, stehe. Jetzt aber mit weniger Gepäck (diesmal ist es ja keine Dienstreise - aber doch habe ich einiges dabei: 4 l Wasser, Werk- und Flickzeug, ein paar Bananen, Kartenmaterial, Regenklamotten). Obwohl: Die Regenklamotten sind wohl eigentlich überflüssig. Es ist zwar etwas wolkiges, aber trockenes Wetter vorhergesagt worden. Gegen Nachmittag soll es vielleicht sogar etwas auflockern.

Zunächst ist es aber noch recht frisch. Ich behalte meine Jeans an - in kurzer Hose radelt es sich zwar viiiiel angenehmer, aber es ist mir schlicht zu kalt.

Uelzen, Kunst Innenstadt

Kunstvoll bemalte mannshohe Steine in der Innenstadt von Uelzen.

Erstmal geht es quer durch die Uelzener Innenstadt. Dort ist an diesem Samstag Wochenmarkt, durchaus nett! Aber ich habe ja alles, was ich brauche - also geht es flugs zum Ilmenau-Radweg. Allerdings: Ich schlage zunächst die "falsche" Richtung ein, fahre ein Stück zurück in Richtung Bad Bodenteich. Vor drei Wochen hatte ich ja irgendwo den richtigen Weg verloren - und ich wollte schlicht nachschauen, wo und wie mir das widerfahren ist! Was ist passiert?

Uelzen, Celler Straße

Da musste ich doch noch mal schauen, wo ich in der Celler Straße vor drei Wochen den Weg verpasst habe. Und als ich hier stehe, wird mir alles klar: Das Schild da rechts habe ich übersehen. Sehen Sie es?

Okay, zugegeben: Es steht versteckt hinter der Blautanne, ist durchaus groß und umfassend - aber wehe dem Radfahrer, der, vielleicht durch den Straßenverkehr, andere Radler oder Fußgänger hier etwas abgelenkt ist - wie ich vor drei Wochen. Ein Beispiel der oft sonderbaren Beschilderung auf dem Ilmenauradweg.

Und tatsächlich: Nach zwei Kilometern bin ich auf etwas verschlungenen Pfaden auf der Celler Straße angekommen, der ich vor drei Wochen bis zum Zentrum von Uelzen gefolgt war. Und sofort wird mir klar, was mir vor zwei Wochen passiert ist: Man hat ein großes Schild mit dem Hinweis zum Abbiegen direkt hinter einer Tanne platziert. Wenn man als Radler an der Stelle mit mehr, na, sagen wir 15 km/h, ankommt und zudem auf den Weg achtet, vielleicht noch ein Fußgänger quer, hat man nicht den Hauch einer Chance, das große Schild wahrzunehmen. Vielleicht aber war es auch schlicht der erschwerende Umstand, dass ich die Strecke allein fuhr. Und also auf ALLES achten musste. Da kann man Schilder, die auch nur ein wenig abseits des Weges stehen, schon mal übersehen.

Wenn Sie den vorangegangenen Teil meines Berichtes über den Ilmenauradweg gelesen haben, dann wissen Sie, dass es solche Pannen der Beschilderung hier und da auf dem Ilmenauradweg gibt.

Aber jetzt, es ist Viertel nach Neun Uhr, begebe ich mich wieder auf die Strecke des Ilmenau-Radwegs. Ja, zugegeben, es soll vor allem eine Trainingsausfahrt werden - aber man kann ja beides miteinander verbinden: Training und Streckentour.

In Uelzen geht es zunächst auf Feld- und Waldwegen weiter, wieder mache ich an der einen oder anderen Infotafel Gebrauch davon, mir die bereits zuvor von der Homepage der Ilmenau-Radtour heruntergeladenen mp3-Infodateien anzuhören. Eine richtig gute Idee und, soweit mir bekannt, einmalig auf deutschen Radwegen. Warum bloß?

Der Weg durch Uelzen ist, wenn man denn den richtigen Weg gefunden hat, prima! Ziemlich gut gelungen, da bringt das Streckenfahren doch erstmal wieder Spaß. Kurz nach dem Ortsende jedoch geht es auf einem Straßenbegleitenden Radweg weiter, der wohl schon seit Jahrzehnten keine Reparaturen mehr erlebt hat. Auch Radwege können einen Radler durchschütteln und ihm die Gelenke belasten - keine Frage!

Uelzen, Schornstein Zuckerfabrik

Wenn man Uelzen eine Weile verlassen hat, dann sieht man noch eine Weile eines der "Wahrzeichen" der Stadt: Den Schornstein der Zuckerfabrik.

 

 

 

Aber auch das ist nicht von langer Dauer, und bald geht es wieder auf sehr abgelegene, zuweilen schon fast einsame Straßen in Richtung Ripdorf und danach - wieder direkt an den begleitenden Schotterweg am Elbe-Seiten-Kanal... Der Splitt auf diesem Weg hat mir vor drei Wochen wohl schon zweimal den Reifen platt gemacht, diesmal soll es aber gut gehen!

Tut es auch, ein wenig öder finde ich es allerdings auch so, schon wieder an dem Kanal entlang zu fahren - aber viel mehr als zehn Minuten dauert es diesmal nicht. Durch den Wald geht es auf zum Teil sehr hoppeligen Wegen in Richtung Bad Bevensen. Klar bin ich auch, wie ja alle, ein Umweltschützer und es ist irgendwie auch schon wirklich toll, wenn man Radwege "naturbelassen" sein lässt. Aber wenn ich mich mal nicht nur als Umweltschützer sehe, sondern auch noch als Radfahrer, dann sind diese Wege oft eine richtige Qual.

Elbe-Seitenkanal Trogbrücke

So ist mir der Elbe-Seitenkanal dann doch schon lieber: Sehr spektakulär wird es, wenn der Kanal in einer Trogbrücke durch die Landschaft geführt wird und über einem "schwebt". Hier in der Nähe der Ortschaft Jastorf.

Aber es muss ja weiter gehen. Bevor ich Bad Bevensen dann irgendwann erreiche, tut sich noch einiges: So fahre ich ein paar Mal unter einer Trogbrücke hindurch, zuerst mit etwas komischen Gefühl: Die Brücken sind nicht für Fußgänger, Radler, Autos oder Züge, sondern für - Schiffe. Und den Kanal. Auf einigen Stücken hat man den Elbe-Seiten-Kanal in ein großes Metall-Bett gelegt und eine Durchfahrt darunter hindurch gebaut. Beeindruckend finde ich das. Und: Der Kanal hält in diesen Trögen tatsächlich dicht! Mir tropft es nicht auf den Kopf bzw. Helm bei der Durchfahrt unten den verblüffend langen Brücken.

An einem schönen Rastplatz bei Klein Bünstorf, natürlich mitten im Wald mit zum Teil sandigen Wegen, beschließe ich, mich meiner Jeans zu entledigen und mit kurzer Hose weiter zu fahren. Immerhin: Um 20 Minuten nach zehn Uhr Mitte Juni sind solche Temperaturen erreicht, dass man darüber nachdenken kann, sich in kurzer Hose sportlich zu betätigen. Der Sommer hat bestimmt noch Potential.

Ein wenig trinke und esse ich hier noch - dann geht es weiter. Durch den Wald. Meine gute Stimmung des Starts geht so langsam wieder in die Binsen.

Bad Bevensen, Ilmenau

Das ist sie ja mal wieder, die Ilmenau: Am Kurpark in Bad Bevensen. Auf dem Bild kaum zu erkennen sind die runden Kreise auf dem Wasser - es beginnt, zu regnen. Das hat der Wetterdienst so aber nicht gesagt!

 

 

 

Auf den naturbelassenen Wegen geht es weiter, mittlerweile kann ich gar nichts anderes mehr denken als "NATUR-BELASSEN", bis hinein nach Bad Bevensen. Allzu viel sieht man von dem Ort gar nicht, aber man merkt wieder das Bemühen der Strecken-planer, den Radlern einen möglichst grünen und naturbelassenen Weg anzubieten. Kreuz und quer geht es durch den Ort, ich folge schön brav der Beschilderung.

Aber Halt! War das ein Tropfen auf meinem Gesicht? Und da - noch einer? Nein, das kann ja nicht sein - die Regenwahrscheinlichkeit lag ja bei fast null Prozent! denke ich, als ich ein kurzes Stück über original mittelalterlich erhaltenes Kopfsteinpflaster geschüttelt werde.

 

 

 

Gerade mal 18 Kilometer Weg sind es von Uelzen nach Bad Bevensen - und, um es mal positiv auszudrücken: Ich habe schon eine Menge Koordinations-training absolviert auf dieser Strecke! Man sollte den Ilmenauradweg nur mit gut gefederten Mountain-Bikes oder richtig guten und gefederten Trekking-Bikes fahren! Mein (ungefedertes) Trekking-Bike oder auch City-Räder erscheinen mir völlig ungeeignet für den Ilmenauradweg. Rennräder sollte man keinesfalls auf die Strecke loslassen! Zumindest in dem mir bisher bekannten Stück.

Aus den paar Tropfen ist mittlerweile ein formidabler Regenschauer geworden. Immerhin habe ich meine Regenjacke jetzt nicht vergeblich mitgenommen. Und dank der kurzen Hose läuft das kühle Wasser von den Beinen ja direkt ab.

Irgendwo, noch in Bad Bevensen, steht am Straßenrand mal eine Ortskarte - und Karten schaue ich mir auf Radtouren immer an.   Und, siehe da: Sofort und irritiert muss ich feststellen, dass ich am völlig falschen Ende der Stadt bin. Ich habe mich total verfahren! Hatte mich die letzten drei oder vier Kilometer auf dem Weg mit dem losen Sand an einigen Stellen auch schon gewundert, dass es überhaupt keinen Hinweis auf den richtigen Radweg gab. Also fahre ich besser mal zurück, gucken, was das denn passiert ist.

Ilmenauradweg, Schild

Wieder ein Beispiel dafür, dass man die Augen offen halten muss: Hin und wieder gibt es Schilder des Ilmenauradweges, die fast zugewachsen sind.

 

 

 

Den lockeren Sand habe ich jetzt bergauf, und der Regen nimmt weiter zu. Loser Sand und Regen - da kommt beim Radfahren doch so richtig Freude auf. Beim Fahrer, aber viel mehr noch beim Fahrrad. Der Sand bleibt am Reifen kleben, schrubbelt schön am Schutzblech entlang, wirbelt an die Kette, bleibt dort kleben und schmirgelt schön, und wenn man mal bremsen muss, dann scheint das ganze Fahrrad aufzuschreien. Aber dieser sandige Weg ist ja nicht dem Ilmenau-Radweg anzulasten - den habe ich ja verloren, irgendwo. Komischerweise.

Nach etwa drei Kilometern stehe ich wieder vor dem letzten Fahrradhinweisschild, das mir aufgefallen war. Eigentlich stimmt doch alles, und ich bin dem Pfeil gefolgt - aber dann fällt mir auf, dass das Schild nur locker in einem Loch im Boden steht. Man kann es drehen und wenden wie man will, man könnte es auch ganz herausnehmen. Irgendwelche unheimlich witzige Zeitgenossen haben sich offenbar einen Jux daraus gemacht, das Schild um 90 Grad zu drehen. Der Pfeil, dem ich gefolgt war, sollte eigentlich für Fahrten in die Gegenrichtung dahin zeigen, woher ich kam. Unheimlich witzig das! Was habe ich gelacht, hier im Regen. Und das Schild wieder in die richtige Richtung gedreht - auch, wenn's wohl nicht allzu lange vorhalten wird.

Man kann das auch anders etwas schärfer ausdrücken: So etwas ist auch eine Form von Fremdenfeindlichkeit. Fremden, die der Gegend nicht kundig sind, kann man ja nach Lust und Laune *pardon* verarschen. Von Bad Bevensen habe ich mittlerweile die Nase voll. Eigentlich so langsam vom gesamten Ilmenau-Radweg.

Medingen, Wassermühle

Kurz, nachdem ich kilometerlang durch den Regen in die Irre geleitet wurde, entdecke ich ein Stückchen Industriekultur im Norden: Die Wassermühle in Medingen, einem Ortsteil von Bad Bevensen.

Fährt man den richtigen Weg weiter, so steht man recht bald vor der Entscheidung, ob man lieber ein paar hundert Meter des Ilmenau-Radweges über original mittelalterliches Kopfsteinpflaster oder direkt daneben über völlig losen, aber nassen Treibsand fahren möchte. Ich versuch's auf dem teilweise zugewucherten Grünstreifen daneben.

Mensch, bin ich froh, als ich das Ortsausgangsschild von Bad Bevensen passiere. Dies scheint kein guter Ort für Radfahrer.

Sie merken an meiner Darstellung schon, liebe Leserinnen und Leser: Meine Begeisterung über den Ilmenauradweg hält sich wieder in sehr engen Grenzen. Unter genussvollem Fahrradfahren stelle ich mir jedenfalls etwas ganz, ganz anderes vor, liebe Streckenplaner! Trotzdem beschließe ich, noch weiter durchzuhalten. Schließlich kann man bei einer Trainingsfahrt ja nicht einfach so aufhören.

Landschaft bei Bruchtorf

Die landwirtschaftlich genutzte, schöne Landschaft in der Nähe von Bruchtorf versinkt in diesige, feuchte Luft.

Inzwischen regnet es richtig. Wie gut, dass ich, allen Vorhersagen zum Trotz, meine Regenjacke eingesteckt habe. Immerhin geht es über kleine, ruhige Nebenstraßen recht zügig weiter. Immer ein wenig im Zick-Zack. Immer wieder auch über Sandstrecken. Das Wasser fängt schnell an, sich auf den Straßen zu Pfützen zu sammeln.

Es ist eine Seltenheit, aber es freut mich immer, wenn ich mal einen kurzen Blick auf die Namensgeberin der Strecke erhaschen kann - die Ilmenau. Allzu oft ist das leider nicht. Aber man kommt immer wieder durch immer ähnlich aussehende Dörfer. Irgendwann geht es auch durch Bienenbüttel. Zu dem Zeitpunkt der Tour ist dieser 7000-Einwohner-Ort nur wenigen Menschen ein Begriff - aber bereits wenige Tage später im Zuge des großen EHEC-Skandals bereits in aller Munde aufgrund der dort produzierten Sprossen (bzw. hoffentlich nicht!).

Wieder geht es über eine Brücke über die Gleise der stark befahrenen Eisenbahnverbindung Hamburg-Hannover. Diesmal beschließe ich, eine kurze Pause einzuschieben, meine Knochen und Gedanken etwas zu sortieren, eine leer getrunkene Wasserflasche gegen eine volle aus der Satteltasche auszutauschen und mal den nächsten Zug abzuwarten - der Fahrttakt auf der Strecke ist ja sehr hoch. Mit mir selbst schließe ich eine Wette ab, aus welcher Richtung dieser wohl kommen möge...

Ilmenauradweg, Bahnstrecke

Hinter Bienenbüttel ist man eine ganze Weile lang mit der Bahnstrecke Hamburg-Hannover und einem ausgedehnten Waldstück alleine. Die Zugstrecke ich stark befahren und man ist fast auf Tuchfühlung mit den Zügen.

 

 

 

... aber ich verliere zu meiner Überraschung die Wette gegen mich komplett. Denn als erster kommt - kein Zug, sondern von der Seite her über die Brücke ein Trecker. Der Bauer nickt mit seinem kleinen Enkel dem wohl sichtlich genervten Radler freundlich und aufmunternd zu. Ich nicke möglichst freundlich zurück - und ziehe die Regenjacke aus: Der Regen hat glücklicherweise deutlich nachgelassen. Währenddessen donnert unter mir ein riesiger Gütezug hindurch. Aus der Richtung Hannover kommt er.

Meine Hoffnung, dass mit dem inzwischen nachlassenden Regen ja vielleicht auch die Sand- und Steinwege nachlassen, zerschlägt sich bereits nach ca. 100 Metern. Was für eine idiotische Hoffnung auch! Fast ist es so, als würde ich für meine dämlichen Gedanken mit einer besonders schlimmen Strecke bestraft. Ich versuche, mir die Unannehmlichkeiten des Weges durch geradezu artistische Fotoaufnahmen während der Fahrt zu verkürzen.

Irgendwann ist das ruppelig-steinige Stück vorbei, und es folgt loser Sand. Eigentlich wollte ich doch für ein Straßenradrennen üben, nicht für ein Querfeldein-Rennen! Naturbelassene Wege - Pah! Zum Wandern gut geeignet. Und für Mountainbiker. Mehr nicht!

Ilmenauradweg, Rastplatz

Puh! Ein Rastplatz kurz vor Ende des öden Waldstücks bei Deutsch Evern sorgt für eine kurze Erholung. Auch kann man hier seine Knochen wieder ein wenig zurücksortieren. "Naturbelassen" sind die Radwege auf dem Ilmenauradweg oft, mit allen Vor- und Nachteilen.

 

 

 

Der folgende Waldweg lässt mich über Kiefernzapfen hüpfen, bevor es in ein kurzes, matschiges Stück geht. Danach verläuft der Weg direkt neben der Eisenbahn-Hochgeschwin-digkeitsstrecke und ist ein relativ ebener Waldweg. Man sollte diesen aber nicht zu zügig fahren, sonst rasselt man versehentlich noch gehen die Schranke, die plötzlich quer den Weg versperrt. Alle diese Wegstrecken und Hindernisse ziehen sich nicht über unendlich lange Strecken hin - verderben aber den Spaß.

Entnervt habe ich mir vorgenommen, zunächst mal nach Lüneburg zu fahren und mir dort dann neu zu überlegen, ob ich noch weiter auf dieser Strecke bleiben will - oder einfach in den Zug steige. Immerhin halten die Wolken seit geraumer Zeit dicht und die Straßen sind schon fast abgetrocknet.

Schon recht bald komme ich nach Lüneburg, es kündigt sich über die üblichen Informationstafeln des Ilmenau-Radweges an: "Lüneburg und die Ilmenau" oder "Lüneburger Landwehr" - letzterer ein wirklich schöner und interessanter Ort, um kurz zu verweilen und sich die Ilmenau und Gegend etwas anzuschauen. Die langen Waldwege hier sind recht gut zu befahren.

Ilmenauradweg, Waldwege

Na, welchen Weg würden Sie hier einschlagen?? Wenn ich mich recht entsinne, ist es an dieser Stelle egal: Sie sind kurz vor Lüneburg und werden irgendwie schon in die Stadt kommen.

An einem besonders ausgewiesenen Punkt zum beobachten von Eisvögeln verharre ich eine Weile - leider ist es mir aber nicht vergönnt, einen dieser schönen Vögel zu erblicken... Schade!

Um kurz nach 13 Uhr erreiche ich das Zentrum von Lüneburg. Einiges von der Stadt kenne ich noch von früher, nehme mir trotzdem die Zeit, um meine Nerven etwas zu beruhigen und zu Fuß eine kleine Runde durch die schöne Innenstadt zu drehen. Ach, Lüneburg ist toll! Lüneburg ist schön! Unbedingt sehenswert! Von den Ortschaften am Ilmenauradweg sicherlich der absolute Höhepunkt! Hinzu kommt für mich heute: Die finsteren Wolken halten jetzt weiterhin dicht. Gut so!

Lüneburg, Ilmenau

Die Ilmenau an einem ihrer wohl schönsten Orte - in Lüneburg am Altenbrückertor. Der Wasserturm rechts ist übrigens ein schöner Aussichtspunkt.

In Anbetracht meines genervten Zustands beschließe ich, mich im Außenbereich eines der sicherlich teuersten Restaurants der Stadt am schönen Platz "Am Sande" niederzulassen und mir, als Nachschub für meine Kohlenhydratspeicher, eine Portion Pasta zu gönnen. Diese ist ebenso teuer wie köstlich!

Lüneburg, Industrie- und Handelskammer

Details am Gebäude der Industrie- und Handelskammer am Platz Am Sande.

Als ich mich um 14:30 Uhr wieder auf mein Rad schwinge, sind meine Lebens- und Radfahrer-Geister wieder neu belebt. Ich will jetzt doch noch weiter! Kopfsteinpflaster- und Sandwege hindern mich nicht an der Ausfahrt aus der Stadt!

Bis Bardowick geht es fast ausschließlich über befestigte Sandwege, allerdings sind diese von guter Qualität. Und die Strecke selber ist schön, sie gefällt mir - sie führt jetzt einige Kilometer direkt an der Ilmenau entlang. Nach dem Essen bin ich offenbar etwas sanftmütiger und nicht mehr so wütend auf den Weg.

Zumal... Es scheint fast so, als würde über Bardowick der Himmel ein wenig aufreißen zu wollen! Es geht ein Stück durch den Wald, an einer Binnendüne entlang - da entschließt sich der Himmel, vollends aufzureißen. Urplötzlich habe ich prallen Sonnenschein. Was für eine Wohltat!

Es geht in die Gemeinde Barum - und, kaum kann ich es glauben, plötzlich ist alles, alles, alles auf dem Ilmenauradweg gut! Plötzlich rolle ich auf zumeist nahezu perfekten Wegen durch die pralle Sonne. Ein paar Wölkchen am Himmel sind eher für die Optik, um meine Fotos zu verschönern. Plötzlich fühle ich mich pudelwohl auf meinem Fahrrad. Binnen Minuten hat sich alles verändert. Wie toll Fahrradfahren doch sein kann!

zugewachsene Verkehrsschilder

Die Natur benächtigt sich in dieser abgelegenen Region sogar der aufgestellten Verkehrsschilder.

Die flache, ebene Landschaft gefällt mir hier wunderbar, ja, es gibt an dem Deich der Ilmenau (hier ist er offenbar notwendig) fürwahr zauberhafte Plätze. Binnen nicht mal einer halben Stunde bin ich aus einem sehr genervten Zustand direkt in das Radfahrerparadies gelangt. Es lässt sich bestens und flott fahren hier.

Durch Oldershausen, Fahrenholz und Tönnhausen rausche ich hindurch, mache an den Infotafeln aber immer wieder mal einen Stopp, höre mir die mp3-Infos zu den Punkten an. Ach, ist der Ilmenauradweg nicht klasse? Zumindest hier, im nördlichen Teil: Ja. Der eine oder andere Rennrad-Fahrer überholt mich - ja, hier kann man mit diesen Rennmaschinen auch bestens fahren.

Das Schöpfwerk Laßrönne eignet ganz gut für eine kleine Pause - die mache ich dann auch mal wieder, in praller Sonne. Es ist ein schöner Fleck mit prima Aussicht in die Weite der Gegend, von der ich hier kaum genug bekommen kann. Immerhin Viertel nach vier ist es schon, mein Tacho zeigt bereits über 90 Kilometer, Grund genug, mal wieder einen gehörigen Schluck zu trinken und auch einen Power-Riegel zu essen. Meine Beine merke ich mittlerweile durchaus.

Stöckter Deich

Nach einigen kleinen Ortschaften ist Stöckte der letzte Ort auf dem Ilmenauradweg.

Stöckter Hafen

Der Stöckter Hafen ist in einem kleinen separaten Hafenbecken neben der Ilmenau angelegt.

Aber es geht noch ein wenig weiter durch die Luhe-Ilmenau-Niederung. In Stöckte erkunde ich noch das Süßwasser-Watt - ein Schlickwatt im Binnenland, ein eher seltenes Naturphänomen. Kurz danach jedoch komme ich schon nach Hoopte. Dort treffe ich auf das Ilmenau-Sperrwerk, dass das Hinterland vor Hochwasser bei Sturmfluten schützt. In früheren Zeiten gab es an der Ilmenau immer wieder Überschwemmungen - das ist hierdurch vorbei.

Ilmenau Mündung

Da fließt sie dahin, die Ilmenau, hinein in die große Elbe. Damit ist das Ende des Ilmenauradweges ganz nah. Da mir jedoch große Teile des Radweges nicht sonderlich gefallen haben, fällt mir der Abschied von dem Fluss nicht schwer.

 

 

 

Direkt nach dem Sperrwerk mündet die Ilmenau in die Elbe. Und damit ist auch der Ilmenau-Radweg zu Ende - ich bin nicht so richtig böse darüber. So richtig Spaß hat er mir erst nördlich von Lüneburg gemacht. Es war ein Zufall, dass die am besten ausgebauten Wege bei meiner Tour mit dem besten Wetter zusammenfielen - so bin ich dann doch besänftigt und es bleibt noch ein gutes Gefühl für dem Radweg zurück.

Südlich von Lüneburg sollte man den Weg nur mit gut gefederten, robusten Rädern angehen. Und das dann auch nur in gemütlicher Geschwindigkeit. Dann kommt man sicherlich besser über die z.T. schlechten, ja, sehr schlechten Wege hinweg. Aber man muss schon Spaß an naturnahen Wegen haben. Bei einigen der insgesamt doch akzeptabel ausgeschilderten Strecken hatte ich aber das Gefühl, dass den Planern vor allem wichtig war, die Radler von den Straßen weg zu bekommen, um den Autoverkehr nicht zu stören.

 

 

 

Von Hoopte aus kann man dann mit der Fähre über die Elbe übersetzen - so habe ich es jedenfalls getan. Bis hierhin war meine Wegstrecke auf dem heutigen Teilstück des Ilmenauradwegs genau 100,7 Kilometer lang, die ich mit einer Durchschnitts-geschwindigkeit von 20,4 km/h bewältigt habe. Immerhin. Bestandteil war dabei ja auch das Schauen nach der korrekten Strecke in Uelzen sowie das Verfahren in Bad Bevensen.

Auf der Hamburger Seite landet man mit der Fähre dann beim Zollenspieker an und kann wunderbar die flache und ruhige Strecke am Elbdeich entlang fahren. Bei gutem Wetter kann man hier viele Radsportler trainieren sehen, in kleinen Grüppchen mit ihren edlen, hochgezüchteten Rennmaschinen. Alle zogen sie flott an mir vorbei.

Die gut 20 Kilometer lange Strecke durch die Vier- und Marschlande versuche ich noch, möglichst zügig zu absolvieren, muss aber doch mal ein Päuschen am Elbdeich machen. Noch eine etwas längere Pause gibt es dann noch für mich dann auf der zum Stadtteil Rothenburgsort gehörenden Insel Entenwerder. Die letzten zehn Kilometer nach Hause durch den tobenden Stadtverkehr kann ich dann nicht vermeiden. Das kommt mir nach den vielen meist ruhigen Kilometern geradezu unerträglich vor.

Nach insgesamt 135,6 Kilometern sitze ich dann um kurz nach 19 Uhr doch zufrieden zuhause. In einer reinen Fahrzeit von 6 Stunden 29 Minuten, immerhin konnte ich die Durchschnittsgeschwindigkeit zum Schluss noch leicht steigern, auf 21,5 km/h. Für eine Alleinfahrt über viele unbefestigte Wege ist das in Ordnung. Die Hamburg-Cyclassics können kommen!

Aber den Ilmenau-Radweg, den werde ich zukünftig besser links liegen lassen...

 

 

Hier können Sie sich die kml-Datei dieser Tages-Etappe herunterladen - und den exakten Weg direkt z.B. in Google Earth nachverfolgen. Leider jedoch stellte mein GPS-Logger kurz vor dem Ende des Ilmenauradweges in Hoopte seine Arbeit ein und so fehlt das letzte Stückchen Wegstrecke. Der exakte Tourenverlauf wird außerdem auch in der (zoombaren) Karte unten der roten Linie angezeigt.

 

 

 

 

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Dirk Matzen

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