Radfahren...!

Radtour "Transalp light" - Eine Alpenüberquerung mit dem Rennrad
3. Tag: Von Prutz/Österreich nach Meran/Südtirol (128 km)

Ein Fahrrad-Reisebericht über eine Radtour über die Alpen im Juli 2012
  mit 22 Bildern




Staudamm am Reschensee

Nach 52 Tageskilometern: Fahrt über den Staudamm vom Reschensee.

 

Hier geht es direkt zurück zum unmittelbar vorangegangenen zweiten Teil des Fahrrad-Reiseberichtes der Rennradtour über die Alpen mit der Fahrt von Grainau bei Garmisch-Patenkirchen bis nach Prutz in Österreich.

 

Es ist Donnerstag, der 19. Juli 2012, 8:30 Uhr, Prutz.
 

 

START IN PRUTZ/ÖSTERREICH ZUR NÄCHSTEN ETAPPE

Der vorangegangene, erste "offizielle" Tag unserer Transalp, also unserer Alpenüberquerung per Rennrad "auf die leichte Tour", steckt mir morgens schon noch in den Knochen, als es ans Frühstück geht. Wobei: Für mich war es nach meinem "persönlichen Prolog" ja schon der zweite Tag mit Radeln in den Bergen gewesen. Aber meine Knieschmerzen des vorangegangenen Tages waren durchaus Angst einflößend. Immerhin habe ich keine Beschwerden, wenn ich nicht Fahrrad fahre.

So war die Nacht immerhin gut und erholsam. Und das Frühstück lecker und üppig. Da kann der neue Tag mit der zweiten "richtigen Etappe" der Transalp also kommen.

Klar ist mir heute allerdings von Anfang an, dass ich es wegen meiner Kniebeschwerden vorsichtig angehen muss. Lieber von Beginn an schnell, aber mit geringerer Kraft kurbeln, als mich mit hohem Krafteinsatz wieder in Knieschmerzen hinein zu pedalieren. Lockerer Schwung ist gefragt, anstatt kraftvollen Einsatzes.

 

 

 

Nach ein paar Vorbereitungen geht es in Prutz los, um 8:30 Uhr. Noch im Ort entdecke ich ganz oben auf einem steilen schroffen Felsen ein großes, historisch anmutendes Bauwerk. Was das wohl ist? Das werde ich wohl nicht erfahren. Und so ist das nur allzu oft auf Radtouren: Man sieht etwas durchaus interessantes - aber man kommt auch nicht dazu, sich sofort an Ort und Stelle irgendwie darüber zu informieren, was man sieht. Und schon hat man es hinter sich gelassen und sieht etwas Neues.

Heute starten wir bei perfektem Fahrrad-Wetter (nicht zu warm und nicht zu kalt, kaum Wind) erstmal gemütlich, zunächst rund 20 km auf fast ebener Strecke durch das weite Oberinntal. Ein kleines "Schnapper'l" gibt es bei Prutz noch - "Schnapper'l" nennt unser Guide gerne kleinere Steigungen mit ein paar Steigungsprozenten und mit 50 oder 100 Höhenmetern. Nix anstrengendes, wir rollen erstmal locker ein.

Oberinntal

Unterwegs im Tiroler Oberland auf dem Innradweg. Die Umgebung ist einfach wunderschön.

 

 

 

Wieder begeistert mich die Umgebung von Anfang an, wieder wechsele ich mit einem Hamburger Mitfahrer regelmäßig die Feststellung "Aber Hamburg is' auch schön" (s. Bericht vom Vortag) - eine Feststellung, die hier, in dieser schreiend schönen Natur irgendwie schon recht absurd wirkt.

Es kurbelt sich für mich gut heute und ich habe das Gefühl, dass, wenn ich weiter so vorsichtig fahre, alles gut werden könnte und ich keine weiteren Knieprobleme bekommen werde. Jedenfalls breitet mir das die beiden vorangegangenen Tage stark schmerzendes Knie keine wirklichen Probleme.

Es geht immer weiter durch das Oberinntal im Tiroler Oberland, das sich jedoch zunehmend verengt - und damit auch immer spektakulärer wird. Die zuvor schöne, aber weite Landschaft wandelt sich in eine großartige Schlucht zwischen hohen, steilen Bergflanken. Auf der anderen Seite der Schlucht, also auch auf der anderen Seite des Inn, beobachte ich eine eng in die Felswand gebaute Straße, vielleicht 100 oder 200 m höher als die unsrige. Eine sehr spektakuläre Straße dort drüben: Am Fels, auf Brücken, durch Tunnel - aber auch mit viel, viel mehr Verkehr, als unsere Straße.

Insgesamt ein atemberaubend schönes Stück Wegstrecke!

 

EIN PAAR KILOMETER SCHWEIZ GEFÄLLIG?

Wir sehen einen Hinweis, dass wir Österreich gleich verlassen werden und in die Schweiz kommen werden. Aha! Genau können wir den Grenzübertritt jedoch gar nicht ausmachen. Ausweichen kann hier in dem engen Tal eh nicht mehr - irgendwann kommt man auf dieser Seite des Inn halt in die Schweiz. Ganz ohne Kontrolle, ganz ohne Schilder, ganz ohne Grenzposten. Dort drüben, auf der spektakulären Straße auf der anderen Seite des Inn, bleibt man in Österreich - die Grenze zwischen Österreich und der Schweiz verläuft hier in der Mitte des Inn. Es geht durch ein paar kurze Tunnel, die zu einer Seite offen sind. Eigentlich bin ich mit dem Rad noch nie ein solch außergewöhnliches Stück Straße gefahren.

 

 

 

Ja, und dann sind wir halt in der Schweiz - ein paar Kilometer lang. Probleme hat auf dieser schönen Straße allerdings mein GPS-Gerät. Das war in diesem Abschnitt völlig überfordert, zeigt bizarre und völlig absurde Strecken-Verläufe. Die Schlucht ist zu schmal, die Berge zu hoch, mein Gerät kriegt die Satelliten offenkundig nicht richtig "zu fassen". In dem Streckenverlauf unten auf dieser Seite habe ich etwas mühselig die schlimmsten Ausreißer korrigiert.

Martina in der Schweiz

Die Grenzstation Martina in der Schweiz.

 

 

 

Nach ein paar Kilometern kommt dann aber doch unweigerlich eine Grenzstation in der Ortschaft Martina in der Schweiz. Die Grenzer interessieren sich allerdings nicht weiter für die Radfahrer-Gruppe. Glücklicher-weise! Wahrscheinlich hätte es auch Probleme gemacht, wenn sie die Ausweise hätten sehen wollen. Es hätte wohl kaum jemand von uns ein solches Dokument direkt dabei gehabt.

Aber, okay, wenn man schon mal in der Schweiz ist, dann sollte man das ja auch nutzen. Denn gleich werden wir wieder über den Inn fahren und so schon wieder nach Österreich zurück kehren. Also machen wir jetzt hier, ca. 50 Meter hinter der Grenzstation, nach genau 30 km Fahrt eine erste kurze Pause.

Mit ein paar Bananen werden wir versorgt, können unsere Getränkevorräte auffüllen. So ein Begleitfahrzeug ist schon klasse. Dieses Fahrzeug ist ja Teil der organisierten Tour, der Fahrer wartet an einzelnen markanten Punkten mit solcher Versorgung auf uns und transportiert obendrein unser Gepäck. Und es bestünde auch die Möglichkeit, bei körperlichen oder technischen Problemen, dort mitzufahren. Wenn man eine solche Radtour mit einem Rennrad selbst organisieren würde, dann würden einige Kleinigkeiten schon erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Also bringt dieses Versorgungsfahrzeug ganz klar einen fetten Punkt für eine organisierte Reise! Und der nette Fahrer, sonst selber auch Guide von Mountainbike-Touren, bringt gleich noch einen Zusatzpunkt.

 

RAUF AUF DIE NORBERTSHÖHE (1405 m)

Nach der Pause allerdings steht uns steht nun der erste, nun ja, "richtige" Anstieg unserer Alpenüberquerung bevor: die Norbertshöhe. Dafür müssen wir in ca. 100 Metern hinter dem Grenzposten über den Inn und damit schon wieder nach Österreich zurück kehren. Mehr "Schweiz" werden wir auf unserer gesamten Tour nicht haben. Zudem sind wir ja gar nicht weit von Italien entfernt.

Von 1035 m über dem Meeresspiegel in Martina in der Schweiz müssen wir nun die Norbertshöhe auf 1405 m hinauf fahren. 370 Höhenmeter, die ersten richtigen Kehren bergauf (bergab hatten wir ja gestern schon einige Kehren), insgesamt rund 7 Prozent Steigung im Schnitt wird uns angekündigt. "Endlich mal ein richtiger Anstieg!" denke ich bei mir und meine Begeisterung für die Strecke von Bad Hindelang nach Oberjoch aus der Urlaubszeit vor der Transalp geht mir durch den Sinn.

Erstmal reihe ich mich ganz hinten in unserer Gruppe ein, stelle mir einen kleinen Gang ein (allerdings nicht den kleinsten - eine "Notreserve" behalte ich mir noch vor), und fange an, stoisch zu kurbeln. Dran denken: Mit nicht viel Kraft, so, dass ich locker bleibe und nicht außer Atem gerate.

 

 

 

Und das geht bestens! Ohne besondere Anstrengung "rase" ich mit einer Geschwindigkeit von rund 10-12 km/h hier hinauf - ein Tempo, das mir im Flachland unangenehm lahm vorkommen würde. Meine Verblüffung ist allerdings groß, als ich etwas bemerke, das ich niemals vermutet hätte: Es bringt mir Freude, ja, ich habe Lust darauf, hier die Berge hinauf zu fahren. Ein fast unbeschreiblich gutes Gefühl habe ich dabei, mich hier mit meinem noch recht neuen Rennrad langsam und gemächlich den Berg hinauf zu schrauben. So soll es ja auch sein bei einer Alpenüberquerung! Das sehr gemächliche, langsame Tempo erlaubt einem dabei immer wieder auch mal, den Blick durch die wunderschöne Landschaft schweifen zu lassen. Um hier dann aber wirklich etwas zu sehen, müsste man aber mal die Bäume abrasieren ;-)

Ein recht dünner Autoverkehr lässt dem Radfahrer auch die Freude an dem Anstieg, einige Motorradfahrer jedoch erweisen sich als eher Heißsporne und Draufgänger. Trotzdem verdirbt mir das den Spaß keinesfalls. Wenn ich außen durch eine Kehre hindurch fahre, nehme ich in dem fast flachen Stück immer ein wenig Schwung auf, schalte zwei bis drei Gänge höher und fliege so fast in den nächsten, moderaten Anstieg. Ein toller Spaß! Und, vor allen Dingen: Meine Körperlichen Beschwerden der vorangegangenen zwei Tage, vor allem die Knieschmerzen, sie lassen mich heute einfach in Ruhe. Ich kann das Fahrradfahren einfach nur genießen.

Norbertshöhe

Blick von der Norbertshöhe zurück zu der Auffahrt.

 

 

 

Zügiger, als vermutet, überhole ich dabei jedoch die meisten unserer Gruppe - aber letztlich schaffen es alle bestens, sich in ihrem eigenen Tempo die Kehren hinauf zu schrauben. Das ist großartig! Oben, am Pass, werden alle mit Anfeuerungen über die letzten Meter Höhe gebracht. Das ist ein netter Rahmen. Dass es von den Schnellsten bis zu den Langsameren 20 Minuten Zeitunterschied braucht, spielt überhaupt gar keine Rolle, man macht alles halt gemeinsam und fährt ja auch kein Rennen. Wieder ein Punkt für eine Gruppenreise. Und Zeit für ein Gruppenfoto mit fröhlichen Gesichtern oben auf der Norbertshöhe.

Auch meine Liebste, die zuvor ziemliche Bedenken wegen des Bergfahrens geäußert hatte, kommt zwar etwas schwitzend und schnaufend, aber rundum glücklich auf der Norbertshöhe an. Ich merke sofort: Auch ihr gefällt diese besondere Form von Radfahren besser, als sie sich hatte vorstellen können. Toll!

Nauders

Blick über Nauders hinaus zurück.

 

Runter geht's danach auf einer kurzen, knapp 100 Höhenmeter umfassenden Abfahrt in den Ort Nauders. Nauders ist durchaus bekannt für Wintersport und als Ausgangsort des bekannten Rad-Marathons, dem "Drei-Länder-Giro". Wir halten uns jedoch nicht weiter auf: Es geht weiter in Richtung Italien.

 

NUR BEI DER ABFAHRT SPÜRBAR: DER RESCHENPASS (1530 m)

Dafür brauchen wir nicht lange: Um 12:15 Uhr überqueren wir die italienische Staatsgrenze, sind in Südtirol und es geht weiter in Richtung der Ortschaft Reschen, dem Reschensee und danach dann dem Reschenpass. Einen kurzen Stopp am Versorgungsfahrzeug gibt es noch am nördlichen Ende des Reschensees, aber zügig geht es weiter.

 

 

 

 

Die darauf folgende Fahrt am Reschensee entlang erweist sich als schöne, aussichtsreiche Strecke mit ein paar netten, kleinen Steigungen (ja, ja, die "Schnapper'l") . Der im See versunkene Kirchturm der Ortschaft Alt-Graun ist allerdings von unserer Sicht am anderen Ufer aus nur gerade mal zu ahnen.

Reschensee

Blick der Länge nach über den Reschensee. Im Hintergrund das gewaltige Ortler-Massiv.

 

 

 

Vor uns allerdings baut sich spektakulär das mit massiven Gletschern und Schnee bedeckte Bergmassiv der Ortlergruppe auf. Gewaltig! Ach - können wir dort nicht mit dem Rad hinauf fahren?

Nein, natürlich nicht. Statt dessen geht es weiter in Richtung Reschenpass, auf einer sehr schönen, ruhigen Nebenstrecke. Den Pass bemerken wir eigentlich gar nicht so richtig, eine wirklich spürbare Steigung geht dem Pass nicht voraus. Von Nauders aus haben wir auf 20 km Wegstrecke gerade mal 200 Höhenmeter bis zu dem Pass bewältigt - das ist kaum spürbar.

Reschensee Kirchturm

Der Reschensee ist ein künstlicher Stausee, der im Sommer 1950 aufgestaut wurde. Das Wahrzeichen schlechthin für den See ist der Kirchturm der versunkenen Ortschaft Alt-Graun. Leider jedoch fuhren wir das andere Ufer des Sees entlang und konnten den berühmten Kirchturm nur erahnen.

 

 

 

Immerhin sind wir jedoch 700 m höher seit dem Start in Prutz heute Morgen. Aber verteilt auf 58 km Gesamtstrecke ist auch das eigentlich nichts und nur die Norbertshöhe war eine richtige Steigung. Hier am Reschenpass fährt man eigentlich nur durch Felder. Wir machen einen Stopp - vor allem, um den tollen Blick auf das Ortler-Massiv zu genießen. Aber auch ein wenig, um der Überquerung des Hauptkamms der Alpen zu gedenken. Frisch ist es hier auf 1540 m Höhe der Nebenstrecke, es weht ein frischer Wind über den Hauptkamm - alle sind in langen Ärmeln oder mit Ärmlingen unterwegs.

 

 

 

 

 

Aber dann merken wir den Reschenpass doch ganz gewaltig: Auf der Abfahrt in Richtung Süden. Da geht es nämlich ganz schön zur Sache: Auf acht Kilometer Strecke geht es 620 m hinab.

Nur auf dem ersten Stück ist es auf der Abfahrt übersichtlich und ich lasse mein Rad frei rollen. Schnell aber wird es durch Randbewuchs, einige Häuserausfahrten und kleine Querstraßen deutlich weniger übersichtlich. Auch der nicht sehr starke, aber doch vorhandene Autoverkehr auf der Strecke behagt mir nicht. Also werde ich schnell wieder zum "Angstbremser" und greife immer wieder beherzt in die Bremsen meines Rennrades. Das führt letztlich dazu, dass ich auf dieser Abfahrt nicht schneller als 66,1 km/h werde. Eine, wie ich finde, auch schon ziemlich wahnwitzige Geschwindigkeit auf dem Fahrrad.

Andere Mitglieder unserer Gruppe sind da deutlich unerschrockener, spielen zudem ihre körperlichen Vorteile bei der Abfahrt voll aus - und brausen so mit bis zu 90 km/h die Abfahrt hinunter. Meine körperlichen Voraussetzungen hätten das vielleicht auch ermöglicht. Aber dafür bin ich wohl doch zuviel Angsthase - und das ist auch ganz gut so. Darüber nachdenken, was alles bei solchem Fahrrad-Tempo passieren könnte (überhitzte Felgen, platzende Reifen, Schlaglöcher, Äste, Steine oder sonstige Hindernisse auf der Strecke, nachlässige Autofahrer aus Seitenstraßen und Einfahrten, Fußgänger, die Straßen nach Gehör überqueren und gar nicht gucken...), darf man in solchen Momenten sowieso auf keinen Fall!

Glurns

Mittagspause in der schönen, historischen Ortschaft Glurns.

 

 

 

Alle aus unserer Gruppe erreichen jedoch sicher die Ortschaft Glurns (Glorenza auf italienisch). Der Ort mit seinen knapp 1000 Einwohnern ist großartig und hat schon einen völlig anderen Charakter, als die österreichischen Ortschaften noch kurz zuvor. Etwas verträumt altstädtisch, mediterran, lebendig, mit einer vollständig erhaltenen, wuchtigen Stadtmauer - ein "Juwel Südtirols" nennt der Ort sich selber.

Es ist schon 14 Uhr - Zeit für eine ausgiebige Mittagspause. Viel Zeit zum Sightseeing in dem einladenden Ort bleibt allerdings nicht. Als Alleinreisende hätten wir uns hier aber einfach viel mehr Zeit zum Genießen genommen - ein Punkt für die Individualreise!

 

DER VINSCHGAU - TRAUMHAFTE, ÜPPIGE LANDSCHAFT

Aber alle sind guter Dinge, als es weiter geht. Auf abgelegenen Wegen, zum Teil auch mal über Schotter, fahren wir weiter - das Ziel der heutigen Etappe ist ja Meran. Ein nach der Abfahrt wieder warmer Wind weht uns entgegen, als wir uns wieder auf den Weg gen Süden machen. Glücklicherweise jedoch ist es nicht so brüllend heiß, wie am Tag zuvor.

Vinschgau Etsch-Radweg

Der Vinschgau - eine unglaublich üppige Region! Über
-zig Kilometer sieht man links und rechts des
Etsch-Radwegs nur Obstbäume.

 

 

 

Einen ersten Eindruck bekomme ich von der Üppigkeit des Vinschgaus in Südtirols: Über etliche Kilometer, gefühlte Stunden geht es auf einem perfekt ausgebauten Radweg an Apfelbaum-Plantagen entlang. Unfassbar viele Obstbäume säumen den Wegesrand und umrahmt wird das Ganze von gewaltigen Bergketten. Ich bin insgesamt wieder sehr beeindruckt von der fast schon schreienden Schönheit der Landschaft. Besondere Steigungen gibt es nicht mehr - wir rollen auf ebener Strecke, zeitweilig mit leichtem Gefälle. Schon seit einiger Zeit fahren wir den Etschtal-Radweg entlang, sehen den Fluss allerdings nur hin und wieder.

Um 16:30 Uhr gibt es noch ein Treffen mit dem Begleitbus in der Ortschaft Latsch (ital: Laces). 98 Kilometer haben wir bis hierhin in den Beinen. Aber zuletzt geht es auf guter Strecke ohne große Hindernisse sehr zügig voran.

 

AUF DEM ETSCHTAL-RADWEG NACH MERAN

 

 

 

Eher unabsichtlich hat sich der Fahrer des Begleitfahrzeugs direkt an einer automatischen Luftmessstation der "Landesagentur für Umwelt" der Autonomen Provinz Bozen platziert. Das finde nun speziell ich lustig, denke kurz an meinen Arbeitsplatz im Hamburger Luftmessnetz und grüße rein gedanklich die Bozener Kollegen. Es bleibt kurz Zeit, festzustellen, dass sowohl das Bozener, als auch das Hamburger Luftmessnetz teilweise die gleichen Technik-Lieferanten hat...

Abgesehen davon bin ich mittlerweile besonders glücklich darüber, diesen Ort ohne jegliche körperlichen Probleme erreicht zu haben: Die Knieschmerzen der vorangegangenen beiden Tage, heute Morgen noch ganz leicht spürbar, habe ich mittlerweile "herausgetreten". Die Technik, immer möglichst leichte Gänge zu fahren und somit eher den Schwung der Beine zu nutzen, ist genau richtig. Es läuft alles rund bei mir, welch ein Glück. Um so besser kann ich nun allerdings mit einer anderen Gruppenfahrerin mitfühlen, die sich mittlerweile selber mit Knieschmerzen quält - aber sie hält durch.

Nach Meran ist es nun schon gar nicht mehr allzu weit. 20 Kilometer Wegstrecke lang geht es leicht abschüssig auf gut ausgebauter und meist ruhiger Strecke an der Etsch (ital. Adige) entlang. Der von vorne herausziehenden warmen Luft entgegen. Traumhaftes Radeln! Gegen 17:40 Uhr gibt es direkt oberhalb der Ortschaft Algund noch mal einen Stopp - um die spektakuläre Aussicht auf Algund und Meran zu genießen.

Radweg nach Meran

Nach rasender Abfahrt geht's über frisch gebaute Piste hinein nach Meran.

 

 

 

Fast zum Greifen nah liegt das Ziel unserer heutigen Etappe dort vor uns. Lediglich rund 330 Meter Abfahrt liegen noch dazwischen. Und die haben es mal wieder in sich: Mit einer spektakulären Abfahrt direkt in den Ort hinein - auf einem reinen, etwas abgelegenen Radweg, der sich wie eine Schlange mit etlichen Serpentinen und scharfen Kehren hinab in den Ort windet. Das erste Mal, dass ich einen Radweg kennen lerne, der durch Haarnadelkurven führt.

Um 18 Uhr haben wir die Unterkünfte erreicht - auf gerade mal noch 260 m über Meereshöhe. Es ging also viel bergab in den letzten paar Stunden seit dem Reschenpass auf 1530 m Höhe.

Meran, Zentrum

Meran ist eigentlich viel mehr wert, als einen kurzen abendlichen Spaziergang, hier am Teatro Puccini. Zu mehr blieb uns jedoch leider weder Zeit noch Energie...

 

Meran selber ist ein ausgesprochen hübscher Ort, der eigentlich zum Verweilen und zum Schlendern einlädt. Und zum Pizza-Essen.

Allzu viel Elan zu einer Stadtbesichtigung bleibt uns nach den 127,5 Kilometern des Tages mit 900 Höhenmetern Steigung aber gar nicht mehr. Ein wenig noch an der Promenade der Etsch entlang bummeln - und schon ruft uns das Reich der Träume. Die reine Fahrtzeit auf der Strecke betrug heute 6 Stunden und 20 Minuten, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20,1 km/h entsprach. Mit meiner Spitzengeschwindigkeit von 66,1 km/h breche ich schon wieder mal, den dritten Tag nacheinander, alle meine Geschwindigkeits-Rekorde - auch, wenn ich da gar nicht so scharf drauf bin. Insgesamt habe ich in den ersten drei Tagen auf der Tour 356,6 km zurückgelegt. Nicht schlecht.

Als absolut großartig erweist sich mittlerweile jedoch das Fahren in der Gruppe. Diese hat sich inzwischen super aufeinander eingestimmt und wir empfinden es als Genuss, mit den verschiedenen Leuten und Typen hier durch die Gegend zu rollen. Ganz klar ein Punkt für die Gruppenreise! Da freut man sich schon auf den Folgetag - der nach den beiden Tagen mit jeweils über 100 Kilometern (nach meinem persönlichen "Prolog" mit der Anfahrt zum Startort für mich ja bereits der dritte Tag in Folge mit über 100 km in den Bergen) eine kurze Etappe mit rund 60 km bringen wird.

 

 

Den Bericht zu dem vierten Tag der Alpenüberquerung mit der Fahrt von Meran in Österreich nach Kurtinig an der Südtiroler Weinstraße finden Sie hier.

 

Hier können Sie meine externe Bilderserie zu allen Tagen der gesamten Transalp, der Alpenüberquerung per Rennrad, mit 73 großformatigen Bildern auf meiner externen Webseite www.reiseberichte-bilder.de aufrufen (ein neues Fenster öffnet).

 

Hier können Sie sich die kml-Datei dieser Tages-Etappe herunterladen - und den exakten Weg direkt z.B. in Google Earth nachverfolgen. Der exakte Tourenverlauf wird außerdem auch in der (zoombaren) Karte unten mit der roten Linie angezeigt.

 

 

 

 

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Dirk Matzen

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