Radfahren...!

Europa-Radweg R1 / D-Route 3
5. Tag: Von Verl nach Nieheim
  (77,8 km)

Ein Fahrrad-Reisebericht über eine Radtour auf einem Teil des Europa-Radwegs R1 im Oktober 2012
  mit 19 Bildern





Europa-Radweg R1 am Teutoburger Wald

Auf dem Europa-Radweg R1 am Teutoburger Wald in der Nähe der Ortschaft Holzhausen-Externsteine.

Hier geht es zum unmittelbar vorangegangenen Tag des Fahrrad-Reiseberichtes mit der Fahrt auf dem Europa-Radweg R1 / der D-Route 3 von Münster nach Verl.

 

Samstag 6. Oktober 2012, Verl
Wetter: Lange Zeit Dauerregen, bedeckt, frischer Wind

 

 

Der vorangegangene Tag unserer Tour auf dem Europaradweg R1 mit der Etappe von Münster bis nach Verl war ziemlich fordernd gewesen: Zwar hatten wir, eigentlich zum ersten Mal auf einer unserer Streckenradtouren, den ganzen Tag über eine richtig stramme Rückenwind-Unterstützung. Aber vieles andere war anstrengend: Viel und zeitweise kräftiger Regen, eine nicht sonderlich abwechslungsreiche Strecke, teilweise schlechte Wege durch Waldgebiete, vereinzelt rätselhafte Wegführungen, gefährliche Bundesstraßen-Überquerungen. Durchhaltevermögen war gestern gefragt, vor allen Dingen seelisch anstrengend war die Fahrt bei den Bedingungen.

 

Start auf die Tagesetappe auf dem Europa-Radweg R1 in Verl

Für den heutigen Tag sind laut Wettervorhersage nicht viel bessere Bedingungen zu erwarten. Tja - es ist eben Oktober... Da stärken wir - wir, das sind meine Herzallerliebste und ich - uns zunächst sehr umfassend bei dem großartigen Frühstück in unserer Unterkunft in Verl.

Ziemlich genau um neun Uhr geht es dann auf die Räder. Es regnet nur leicht, die Regenjacken reichen einstweilen. 10 Minuten später haben wir die Ortsgrenze von Verl bereits hinter uns gelassen. Allerdings: Wir weichen erstmal ab von der offiziellen Wegführung des R1. Zunächst geschieht dies unabsichtlich - irgendwo haben wir irgendein Schild übersehen. Wir geraten auf einen Radweg begleitend zur Landesstraße L757, die in Richtung Kaunitz, Hövelhof und später Paderborn verläuft. Kurz beratschlagen wir, ob wir zurückfahren und uns auf die Suche nach dem R1 begeben - aber, nein, das lassen wir besser mal. Schon allein, weil in unserem Tourenheft auf der offiziellen Wegführung des R1 bis Hövelhof fast neun Kilometer unbefestigter Weg ausgewiesen. Dies ist mit unseren sportlichen Rädern meist eher eine Qual, zumal bei diesem Wetter. Denn: Nach gerade mal zehn Minuten Fahrt brauchen wir einen ersten Stopp - bei kräftigem Regen jetzt doch rein in die vollen Regenklamotten!

 

 

 

Also fahren wir einfach die schnurgerade Straße weiter entlang, in der Hoffnung, den Europaradweg R1 irgendwo wieder zu finden, vielleicht in Hövelhof. Es geht zügig voran - die Landschaft ist etwas langweilig, wenig abwechslungs-reich - aber wir haben wieder Windunter-stützung aus Westen. Und wir staunen ein wenig, wie viel Verkehr hier an diesem Samstagmorgen bereits morgens um kurz nach neun Uhr auf der Überlandstrecke unterwegs ist. Am Ortseingang von Kaunitz sammeln sich viele dieser Autos: Es gibt einen großen Flohmarkt. Aber das ist heute ja nicht unser Thema.

Hövelhof-Riege Mauerdenkmal

Im Ortsteil Riege von Hövelhof steht zum Gedenken an den Mauerfall 1989 ein Originalteil der Berliner Mauer.

 

 

 

Zügig geht es weiter an der L757. Erfreulich ein kurzer Stopp: Wieder raus aus der Regenhose! Und sogar: Raus aus der Regenjacke! Und auch die Temperaturen sind durchaus angenehm. Recht guter Laune kommen wir ein kurzes Stück durch den Landkreis Paderborn, machen am Mauer-Denkmal im Ortsteil Riege in der 16.000 Einwohner-Stadt Hövelhof einen kurzen Stopp. Nicht nur, um dem Mauerfall zu gedenken, sondern auch, um uns etwas mit dem Radweg zu orientieren. Letzteres fällt sehr leicht - und ist doch verblüffend. Denn: Direkt neben dem Mauerdenkmal gibt es eine Schautafel zum R1 - wir haben, ohne es zu bemerken, "unseren" Radweg wiedergefunden. Dabei haben wir eine ziemliche Abkürzung von einigen Kilometern auf gutem Asphalt genommen, neun Kilometer wahrscheinlicher Hoppelstrecke im Wald umfahren und das Jagdschloss Holte verpasst. Verblüfft sind wir aber doch von der Karte, vor der wir stehen: Es braucht einen Moment, bis wir kapieren, dass man dort Ost und West gegenüber der üblichen Darstellung vertauscht hat. Das muss man dann doch erstmal in seinem Kopf zurechtbiegen.

 

Die Beschilderung des Europaradwegs R1 - nicht immer gut

Der leichte Nieselregen stört uns derzeit wenig. Bedeutsamer ist da schon, dass wir zunehmend Probleme mit der Beschilderung bekommen. Auf einer abgelegenen Strecke geht es voran. Wir stoßen auf eine der schönen, großen Infotafeln der D-Route 3 bzw. der Europa-Route R1 über Schloss Holte-Stukenbrock. Das zeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg unterwegs. Direkt daneben dann eine umfassende Radweg-Richtungs-Beschilderung. Wir erkennen, dass wir wieder parallel zum Ems-Radweg unterwegs sind, das hatten wir ja gestern auch schon. Nur: Auf den Richtungsschildern der Radstrecken ist der R1 eben NICHT ausgewiesen. Müssen wir denn nun abbiegen, oder doch nicht?

R1 Beschilderung fehlt

Es gibt hier bei Schloss Holte-Stukenbrock zwar eine schöne Infotafel vom R1 - aber in welche Richtung die Strecke nun führt, muss man schon selber herausfinden.

 

 

 

Solche schlampige Beschilderung ist immer ärgerlich. Denn das bedeutet dann immer: Kriminalistische Fähigkeiten sind gefragt! Also raus mit dem gedruckten Tourenführer, herausfinden, wo wir eigentlich gerade sind, oft läuft man denn hin und her, um den Blick auf irgendwelche Straßenschilder zu erhaschen. In welche Richtung verläuft der R1 denn nun weiter? Da ist man dann immer mit einem ungewissen Gefühl unterwegs: Sind wir wirklich richtig?

Hier gerade, in der eigentlich winzigen und übersichtlichen Ortschaft Stukenbrock-Senne, brauchen wir geschlagene fünf Minuten, bis wir uns soweit orientiert haben, dass wir in die richtige Richtung weiterfahren. Da fängt die Stimmung dann schon wieder mal an, leicht abzusacken.

 

 

 

Es geht auf einer Straße durch den Wald. Dann gibt's eine Abzweigung, und weiter geht's auf einem Schotterweg durch den Wald. Über meine große Langeweile bei endlosen Fahrten durch den Wald habe ich ja schon mehrfach lamentiert, zuletzt auf der gestrigen Tour... Aber auch meine Liebste, die eigentlich Fahrten im Wald liebt, gerät hier schnell ins Fluchen. Denn der nur drei km lange, geschotterte Weg wird schnell lausig und hoppelig. So lang ist dieses Stück ja nicht - aber die Stimmung sackt wieder ein kleines Stückchen ab. Ruckzuck sehen unsere Räder wieder aus, wie durch den Schlamm gezogen.

Der Wald-hoppel-Weg führt direkt in den Ort Augustdorf. Und Augustdorf mit seinen knapp 10.000 Einwohnern empfängt uns schlagartig mit einem kräftigen Wolkenbruch. Wir wissen uns nicht anders zu helfen, als auf ein Privatgrundstück in ein Carport zu flüchten. 25 Minuten verbringen wir dort, schlüpfen wieder in unsere Regenkleidung und warten das Ende des Schauers ab, essen ein wenig von unserem Proviant. Eine Gelegenheit, uns für den Unterschlupf zu bedanken, bekommen wir nicht...

 

Der Radweg R1 am Teutoburger Wald

Dafür jedoch haben wir jetzt, als wir wieder unterwegs sind, die Gelegenheit, den Teutoburger Wald ein klein wenig kennenzulernen. Die erste Lektion dabei: Es scheint normal, dass auf Straßen und Radwegen im Teutoburger Wald eine Wasserschicht steht. Die zweite Lektion: Die Waldwege des R1 sind auch im Teutoburger Wald uneben und holperig. Die dritte Lektion: Es geht beständig bergauf und bergab im und am Teutoburger Wald.

Radweg durch Teutoburger Wald

Auf einem von einem Wasserfilm bedeckten Radweg neben der L758 quert man auf dem Radweg R1 den Teutoburger Wald - bevor man auf einen grob geschotterten Waldweg abbiegt.

 

 

 

Irgendwo bei einer Abfahrt mitten im Wald fängt das Fahrrad meiner Liebsten an, bei Bremsaktionen sehr schnarrende Geräusche von sich zu geben. Zeit, für einen technischen Stopp. Wie durch ein Wunder wirft uns der liebe Gott hier, mitten im Wald im Teutoburger Wald, einen großen Park- und Rastplatz vor die Füße - den Parkplatz Donoperteich. Prima! Da kann ich mich zumindest mit einem Dach über dem Kopf um die neuen Bremsbelege am Fahrrad kümmern! Unsere Fahrräder sind dreckverkrustet. Der Donoperteich allerdings scheint über unseren Köpfen zu schweben und beständig auf die Erde fallen zu wollen.

Ein wenig Luftholen noch, dann geht es weiter. In "Vollausstattung", wie wir es nennen - soll sagen: In vollem Regenschutz geht es in Richtung Detmold. Aber wie schon bei einigen anderen Städten auf dieser Tour vorher (Rheda-Wiedenbrück, Gütersloh, Schloss Holte-Stukenbrock) geht es nicht in das Zentrum der Stadt hinein, sondern in einem Bogen drum herum. Das zeigt wohl: Bei der Planung des Radwegs haben diese Städte wohl einfach abgewinkt und wollten diese blöden Radler wohl nicht in der Stadt haben. Uns ist das zuweilen ganz recht - wir mögen oft ja gar nicht so gerne in Städte hinein radeln.

Es regnet beständig und ziemlich kräftig. Als sich das gegen 12:30 Uhr mal wieder wolkenbruchartig verstärkt, gelingt es uns gerade noch, im Detmolder Stadtteil Hiddesen in eine Bäckerei zu flüchten, die wie zufällig gerade am Wege steht. Welches Glück! Allerdings: So richtig voran kommen wir heute einfach nicht! Und es bringt uns nicht viel Freude. Wieder ein Tag wie eine Durchhalteübung...

Die Bäckerei ist prima, unsere Lust aufs Radeln sinkt aber weiter. Erste Gedanken: Sollen wir es für heute einfach gut sein lassen und uns eine Unterkunft suchen? In einer günstigen Unterkunft in Berlebeck, keine 10 km weiter, rufen wir mal an, werden aber unfreundlich und barsch zurückgewiesen: Nein, nein - es sei doch schließlich schon längst Saisonende! Noch ein Anruf, gut zehn km weiter in Leopoldstal, immerhin sehr freundlich: Nein, es seien doch Ferien in Nordrhein-Westfalen! Da sei man doch längst ausgebucht!     Aha! Welch unterschiedliche Aussagen! Irgendwie wollen wir danach auch nicht hier in der Gegend bleiben und warten den Schauer ab.

Hiddesen Ausblick während Auffahrt

In Hiddersen schraubt sich der Weg ziemlich zügig in die Höhe - und gewährt manchmal einen schönen Blick in die Ferne. Was wir hier gerade noch nicht ahnen: Wir sind, mal wieder, auf dem falschen Weg. Und Tropfen auf dem Objektiv lassen sich heute auch wieder nicht vermeiden.

 

 

 

Nach einer halben Stunde in der Bäckerei hat sich der Regen wieder auf ein erträgliches Maß reduziert - wir radeln weiter. Das übliche Suchspiel nach der Fahrrad-Beschilderung verlieren wir hier irgendwo nach offenbar wenigen Metern aber umgehend. Wir verlieren den Radweg R1 hier völlig und verfahren uns kräftig. Zwar folgen wir irgendeiner nicht weiter bezeichneten Richtungs-Beschilderung, aber der R1 ist das eben nicht. Es geht bergauf, einige Kilometer lang geht es bergauf, zum Teil mühsam steil. Ein Fahrradschild mit ein paar Zielangaben steht mal am Wegesrand und der R1 ist darauf nicht ausgewiesen - aber das kennen wir ja schon. Hin und wieder gibt es anfänglich mal kurze schöne Ausblicke, aber meist sind wir im Wald unterwegs. Meine Liebste schiebt da lieber mal ihr beladenes Fahrrad ein Stück. Es wird diesig, immer nebliger - erst relativ spät kapieren wir, dass wir in den Wolken unterwegs sind. Und dass wir uns total verfahren haben, kapieren wir auch erst, als wir an einem ebenso großen, wie beinahe leeren Parkplatz ankommen: Wir sind zum Hermannsdenkmal hinaufgeradelt, auf 386 m Höhe. Das ist aber nun ein ganzes Ende abseits vom R1!

Straße nach Heiligenkirchen

Das Straßenschild hier oben auf der Grotenburg, am Hermannsdenkmal weist den Weg: 4 Kilometer Abfahrt sind es nach Heiligenkirchen. Dort müssten wir den verlorenen R1 eigentlich wiederfinden.

 

 

 

Es ist mittlerweile bereits 14 Uhr. Und Freude kommt bei uns einfach nicht auf. In den naheligenden Unterkünften will man uns nicht. Alles ist nass, alles ist hier in dichten Nebel gehüllt - hier oben also in Wolken. Von dem Hermanns-denkmal sehen wir nichts, überhaupt nichts, alles verschwindet im Nebel. Und wir dürfen jetzt mal schauen, wie wir den Europa-Radweg R1 wieder finden. Gerade jetzt kommen hier zwei anderen Radfahrer an, in bester Stimmung. Sie machen auch eine Streckentour - sagen sie. Übers Wochenende. Gepäck haben sie gar nicht erst mitgenommen, reden uns binnen weniger Minuten fast schwindelig über ihre tollen Erlebnisse auf früheren Radtouren, während wir wortkarg und genervt dastehen.

Ganz zurückfahren in Richtung Detmold wollen wir von hier aber auch nicht. Immerhin gibt es ein Verkehrsschild in Richtung Heiligenkirchen. Und durch Heiligenkirchen verläuft der R1, zeigt ein Blick auf unsere Karte. Also versuchen wir unser Glück mit der Fahrt nach Heiligenkirchen.

Die Fahrt hinab gestaltet sich recht rasend - mit unserem Gepäck auf den Rädern macht die Physik eine Menge uas. Den R1 finden wir tatsächlich ohne weitere Probleme wieder. Immerhin! Aber ohne den Radtouren-Führer für den R1 wären wir schon längst hoffnungslos verloren auf dieser Tour!

Als wir Berlebeck passieren, sind wir ganz froh, dass die Vermieterin uns nicht haben wollte. In diesem Ort wäre der Nachmittag und Abend wohl recht langweilig geworden. Also weiter... Ein Stückchen hinter Berlebeck lasse ich den Blick mal zurück und über die Landschaft schweifen. Und bemerke: Eigentlich ist die Gegend hier wunderschön! Es bieten sich tolle Blicke! Und, siehe da: Das Hermannsdenkmal ist, schon ganz schön weit entfernt, zu sehen. Die Wolken haben sich offenbar verzogen - dort zumindest.

 

Langsam drängt die Zeit: Nur eine kurze Pause an den Externsteinen

Also weiter. Es ist gegen 15:15 Uhr, als wir zu einer echten Attraktion auf der heutigen Tour kommen: Zu den Externsteinen. Zwar immer noch im Dauerregen, allerdings gönnt der uns gerade mal schon beinah ein Päuschen. Bei der Ortschaft Horn-Bad Meinberg gelegen, sind diese markanten, fast "aus dem Nichts" bis zu 40 Meter in die Höhe aufragenden Felsformationen sicherlich einen Stopp und eine Besichtigung wert. Wir schauen uns die Externsteine auch an, sehen aber davon ab, dort hinauf zu kraxeln oder allzu viel Zeit zu verwenden. Nicht nur, dass wir keine sichere Abstellmöglichkeiten für unsere Räder mit sämtlichem Gepäck haben - es ist ja auch so, dass die Zeit voranschreitet. Wir haben noch keine Unterkunft, wollen noch weiter. Nach 15 Minuten sitzen wir wieder auf unseren Rädern. Solche Naturwunder, wie die Externsteine, finde ich ja immer sehr beeindruckend! Toll!   Aber wahrscheinlich hätte ich die Felsen auch mit einem etwas anderen Gefühl betrachtet, wenn ich vor Ort schon gewusst hätte, dass (nicht nur) die Nazis diesen Ort zu einem ihrer mystischen Kultstätten gemacht hatten...

Straße nach Heiligenkirchen

Nahansicht der Externsteine: Man kann sie besteigen - allerdings fehlt uns hier und heute die Zeit für genauere Erkundungen.

Wir jedoch radeln weiter am nordöstlichen Rand des Teutoburger Waldes entlang. Ausgiebig geht die Strecke durch den Wald, mit ordentlichen Steigungen und Gefällen. Zum Teil auf Asphalt, zum Teil auf gut geschotterten Wegen. An einer Gaststätte mitten im Wald fahren wir etwas schweren Herzens vorbei: Langsam merken wir einen echten Zeitdruck. Es ist 16 Uhr, gegen 18:30 Uhr wird es dunkel sein. Der Regen wird weniger. Wir nutzen den schwächeren Regen, legen einen kurzen Stopp ein und fangen an, eine Unterkunft in einer vernünftigen Entfernung zu suchen. Schon beim ersten Versuch werden wir fündig - in Nieheim. Ca. 20 km sind es bis dahin noch. Wenn der Regen so nieselig bleibt, wie momentan, dann wird das zwar auch wieder eine Durchhalteübung, aber kein allzu großes Problem.

In Leopoldstal fahren wir direkt an den Unterkunft vorbei, die wir vor ein paar Stunden telefonisch angefragt hatten. Es stehen einige Autos vor der Tür - es war offenkundig nicht geschwindelt, dass das Haus ausgebucht ist.

Das Gute ist: Der Rest des Tages verläuft nur noch auf Asphalt, meist sogar richtig gutem, glatten Asphalt. Recht zügig kommen wir voran. Und: Wird es dort am Horizont nicht eigentlich etwas heller?

Auf abgelegenen Strecken mit zuweilen schönen Blicken in die Landschaft geht es voran. Völlig ungestört können wir hier radeln, Autos nutzen diese Strecken nur ganz vereinzelt. Das Schloss Vinsebeck lässt uns mal für eine Minute stehen bleiben - aber dann doch gleich weiter fahren. Der Regen wird noch weniger. Können wir dem vertrauen?

finstere Wolken

Was wollen uns diese Wolken nun sagen? Reißt der Himmel jetzt etwa ein wenig auf - oder zieht es gerade wieder finster zusammen? Ach, eigentlich ist es uns jetzt auch wurscht! Wir haben noch sechs Kilometer bis Nieheim und sind inzwischen ja den Regen gewohnt.

 

 

 

Wir sind am Rande der 12.000-Einwohner-Stadt Steinheim. Und der Himmel zeigt uns ein ziemliches Schauspiel: Alles scheint dort durcheinander zu wirbeln, es gibt total finstere Flecken mit kleinen hellen Auflockerungen mittendrin. Schon seit Leopoldstal radeln wir auf abgelegenen Straßen völlig in Ruhe durch die Landschaft. So wünscht man sich eigentlich eine Radtour!

Wir kommen in eine Apfelbaum-Allee. Dutzende, vielleicht hunderte Bäume stehen hier verstreut. Und es ist Herbst. Soll sagen: Wohl tausende Äpfel liegen hier am Wegesrand herum, teilweise schon fast zu Apfelmus zerfallen - uns bricht es fast das Herz. Es ist 17:15 Uhr, noch rund fünf Kilometer bis nach Nieheim - da machen wir einfach nochmal einen Stopp, bei ganz leichtem Nieseln. Ohne große Hemmungen sammeln wir ein wenig Verpflegung für die nächsten Tage vom Wegesrand ein - etwa ein Dutzend Äpfel vom Wegesrand wandert in meine Satteltasche. Fallobst hält sich ja nicht lange, aber, nun gut: Es wäre doch einfach schade, diese Äpfel einfach sich selbst zu überlassen!

kurz vor Nieheim

Wenige Kilometer nur noch bis Nieheim. Der Regen hat fast ganz aufgehört - und wir gleiten auf dem ebenen Asphalt so dahin.

 

Pause und Unterkunft in Nieheim

Dass mein GPS-Gerät mittlerweile ausgefallen ist und so die letzten rund zehn Kilometer in dem Log fehlen, bemerke ich gar nicht. Die letzten Kilometer in den 6.000-Einwohner-Ort Nieheim gleiten wir so dahin, in dem Wissen, dass wir auch die heutige Durchhalteprüfung wieder überstanden haben. Um 17:50 Uhr stehen wir vor unseren Unterkunft. Gönnen uns erstmal Dusche und Erholungspause. Die nassen Klamotten wollen schnell aufgehängt werden - wer weiß schon, was morgen wieder sein wird? Später dann geht es dann für mich noch auf eine kleine Runde durch den Ort. Der zeigt sich etwas netter und ursprünglicher, kuscheliger, als der Rundgang durch Verl gestern. Abends um halb neun ist der Ort allerdings auch schon ziemlich verschlafen - aber das stört mich so gar nicht.

Nieheim in der Nacht

Der abendliche Rundgang durch Nieheim (ohne Regen!) zeigt einen hübschen, mit viel Liebe zum Detail hergerichteten Ort.

Die heutige Fahrrad-Strecke: 77,8 km, davon ja recht viele Kilometer heute nicht genau auf der eigentlich Route des R1. Unsere reine Fahrtzeit betrug 5 Stunden 9 Minuten, das bedeutet eine Durchschnittsgeschwindigkeit von gerade mal 15,4 km/h - allem Rückenwind zum Trotz. Die Steigungen und Gefälle fordern da einfach ihren Tribut - zeigen sich aber auch bei der Spitzengeschwindigkeit von 39,2 km/h: Mit 20 kg Gepäck ist eine solche Geschwindigkeit nicht gerade "ohne". Insgesamt haben wir damit auf unserer diesjährigen Herbst-Radtour eine Strecke von 167,0 km auf und am Europa-Radweg R1 zurück gelegt (ohne die Fahrten und das Rennen in Münster). Leider fehlen auf dem GPS-Log (s. Karte unten) die letzten zehn Kilometer unserer heutigen Strecke - das Gerät war dem Wetter wohl nicht gewachsen.

 

Den Bericht zu unserer dritten Etappe der Radtour auf dem Europa-Radweg R1 mit der Fahrt von Nieheim nach Einbeck fahren, finden Sie hier.

 

Hier geht es zu meiner externen Bilderserie zu der gesamten Radtour auf dem Europa-Radweg R1 / der D-Route 3 von Münster bis nach Potsdam mit 100 anderen, großformatigen Bildern auf meiner externen Webseite www.reiseberichte-bilder.de (neues Fenster öffnet).

 

 

 

 

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Dirk Matzen

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