Radfahren...!

Europa-Radweg R1 / D-Route 3
1. - 3. Tag: Münster
  und der Münsterland-Giro 2012
  (60,9 km)

Ein Fahrrad-Reisebericht über einen Aufenthalt in Münster mit der Teilnahme am Jedermann-Radrennen Münsterland Giro 2012
  mit 16 Bildern





Münsterland Giro 2012

Fahrer des Münsterland Giro 2012 auf der Strecke kurz vor dem Ziel.

 

1. bis 3. Oktober 2012, Münster und der Münsterland Giro 2012,
Wetter: Meist trübe, regnerisch, windig, kühl

 

Tag 1, 2. Oktober 2012: Ankunft in Münster

Einen herzlichen Dank an meinen Arbeitgeber: Nein, Urlaub an diesem 2. Oktober kann man mir nicht gewähren! Was für ein Ärger - für mich: Vom 2. bis zum 4. Oktober habe ich mit meiner Liebsten zusammen eine Ferienwohnung in Münster angemietet, am folgenden 3. Oktober fahren wir beide den traditionell am Tag der Deutschen Einheit in Münster stattfindenden Münsterland Giro mit.

Und erst am Abend des 2. Oktobers lässt mich meine Arbeit los. Mit Sack und Pack für insgesamt zehn Tage Fahrrad-Urlaub im Oktober beladen bin ich heute Morgen zur Arbeit geradelt, hetze abends zum Hamburger Hauptbahnhof und fahre in zweieinhalb Stunden nach Münster. Dankeschön also für diesen Stresstag!

In der Nacht gegen 22:15 Uhr komme ich dann in Münster in der vorgebuchten Ferienwohnung an. Es ist die gleiche, tolle Ferienwohnung, die meine Liebste und ich schon vor einem Jahr für drei Tage bewohnt hatten. Sie ist heute schon lange hier, hat für alles notwendige gesorgt: Essen besorgt und vorbereitet. Und meine Liebste hat vor allem auch die Startunterlagen für uns beide besorgt: Ohne diese kein Start beim Jedermann-Radrennen Münsterland Giro 2012 am morgigen Tag! Letztes Jahr hat uns diese Veranstaltung so gut gefallen, dass wir dies in diesem Jahr noch einmal wiederholen wollen.

Geschafft von Arbeit, Stress und Anreise plumpse ich ins Bett. Immerhin - So habe ich heute meine ersten 22,9 km für die Radtour hinter mich gebracht: Weg zur Arbeit und zum Bahnhof in Hamburg sowie beim Weg in Münster vom Bahnhof zur Unterkunft.

Tag 2, 3. Oktober 2012: Der Münsterland Giro 2012, 60 km

Da wir nach dem Aufenthalt in Münster auf die Streckentour auf dem Europa-Radweg R1 gehen wollen, sind Rennräder für den Giro keine Option: Da bekämen wir ja kein Gepäck mit. Meine Liebste hat immerhin ihr sportliches Fitness-Rad mit Gepäckträger und Schutzblechen ausgestattet, ich bin mit meinem durchaus sportlichen Trekkingrad unterwegs, mit dem ich seit dem Velothon 2010 in Berlin ja schon das eine oder andere Jedermann-Radrennen mitgefahren bin.

Mit dieser Ausstattung kann man also durchaus an einem Jedermann-Radrennen teilnehmen - und ebenso dann auf eine Streckenradtour gehen.

Sehr schade jedoch: Es regnet kräftig an diesem Morgen. Bei einem Radrennen mit Hobbyfahrern ist das ein nicht zu unterschätzender Umstand: Die Straßen werden rutschig, viele der Jedermannfahrer fahren oftmals nicht gerade sehr sicherheitsbewusst. Dass so ein Rennen eine riskante Angelegenheit sein kann, haben wir ja im vergangenen Jahr erlebt, wo wir eine enorme Anzahl an Stürzen miterleben mussten. Immerhin sind diese offenbar glimpflich verlaufen, seinerzeit.

Aber: Uns ist völlig klar, dass bei Regen extreme Vorsicht geboten ist. Es gilt also ganz klar: Safety first! Und trotzdem Spaß haben.

Noch, als wir unsere Starterbeutel mit unseren Klamotten auf dem Schlossplatz abgeben, regnet es ein wenig. Danach hört der Regen wie auf Bestellung auf - und das ist ja gut so. Aber die Straßen sind nass, teilweise stehen Pfützen auf ihnen. Das macht sich im Rennen dann ziemlich schnell bemerkbar. Vor allem bei den anderen Fahrern, mit den Rennrädern...

Münsterland Giro, Starterfeld

... und beim Blick nach vorne ist der Startbogen ein ganzes Stück entfernt.

 

 

 

Irgendwie wuseln wir uns in den Startbereich in der Mendelstraße an der Universität. Meine Liebste ist in den vordersten Startblock A (also bei den ganz schnellen Fahrern) eingeteilt, ich selber in den zweiten Startblock B (mit den mittelschnellen Fahrern). Das allerdings gefällt uns beides nicht! Wir gehören eher zur langsameren, umsichtigeren Fraktion, entscheiden uns unseren Ansprüchen entsprechend für den hintersten Startblock. Was sollen wir denn da vorne?

 

 

 

 

Es geht ja durchs Münsterland - und das Münsterland ist ein stark landwirtschaft-lich genutztes Gebiet. Es ist Oktober, also Erntezeit - die Straßen sind teilweise stark verschmutzt, zuweilen sehr, sehr stark. Dementsprechend sind sehr schnell auch die Fahrer stark verschmutzt, fast schon dreckverkrustet - wenn sie denn ohne Schutzblech unterwegs sind, wie ja bei Rennrädern üblich. Immerhin: Wir haben Schutzbleche an unseren Rädern - und betrachten während des Rennens, ein wenig amüsiert, wie um uns herum kunterbunte Trikots und angestrengte Gesichter immer grau-brauner werden... Uns bleibt das weitgehend erspart, dank unserer Räder. So ist Rennradfahren im Herbst eben.

Aber der viele Dreck auf der Straße, der von den Traktoren auf die Straße übertragene Matsch, ist zudem gefährlich: Nach dem Regen der vergangenen Nacht ist dies an vielen Stellen ausgesprochen rutschig! Radfahren ist nun mal ein Freiluftsport.

Anders, als im vergangenen Jahr, herrscht diesmal jedoch ein frischer Wind. Im vergangenen Jahr fast völlig windstill und morgens etwas neblig, macht sich in diesem Jahr eine frische Brise bemerkbar. Das macht selbst die 60-km-Runde diesmal durchaus spürbar anstrengend.

Wir beide empfinden die Runde als etwas langweiliger, als im Jahr zuvor. Es geht längere Strecken über sehr breite Straßen ohne viele Ortschaften - die irgendwie das Salz in der Suppe auf solchen Rennen sind.

Die erste erwähnenswerte Ortschaft, durch die es hindurch geht, ist Darfeld. An den Ort erinnern wir uns noch von unserer Radtour vor einem Jahr: Da sind wir ein Stückchen auf dem Europaradweg R1 auch nach Darfeld geradelt, um dort die Quelle der Vechte zu suchen - der wir dann auf der Vechtetal-Route bis in die Niederlande folgten. Heute allerdings geht es beim Münsterland-Giro weiter in Richtung Horstmar (mit einer kleinen, aber spürbaren Steigung über sagenhafte 50 Höhenmeter), allerdings knickt die Strecke vor der Ortschaft auf die L579 ab. Durch Laer und Altenberge hindurch und an Nienberge (schon ein Stadtteil von Münster) entlang geht es dann schon zurück nach Münster.

Münsterland Giro, auf der Strecke

Der Motorrad-Fotograf des Veranstalters dokumentiert: Wenn ich nur will, dann holen die hinter mir mich nicht ein, ... (Foto: © sportograf.com)

 

 

 

Auf einigen völlig freien Strecken ist man arg einem direkten Gegenwind ausgesetzt. Alle um mich herum ächzen! An Rückenwind kann ich mich nicht erinnern - aber da wir ja eine Schleife fahren, muss es ihn ja gegeben haben! Wo war er nur? Nun - eine der vielen Rennradfahrer-Weisheiten besagt ja: Wenn Du Rückenwind spürst, bist du zu langsam!

Neben der insgesamt perfekten Organisation des Rennens höchst erfreulich: Wir beide nehmen am heutigen Renntag nicht einen einzigen Sturz wahr! Es haben offenbar doch die weitaus meisten ihre Fahrweise an die widrigen Straßenverhältnisse angepasst. Keine Stürze, keine gefährlichen Situationen, alles verläuft so, wie man es sich vorstellt und wünscht.

Vielleicht ist es doch so, dass die vermeintlich perfekten Verhältnisse vor einem Jahr dann doch etliche der Jedermann-Radrennfahrer dazu verleitet haben, etwas über ihre Verhältnisse zu fahren? Und in diesem Jahr auf die deutlichen Warnsignale der Natur achten? Möglich...

So oder so - ebenso stilvoll wie großartig ist in jeden Fall die Rückkehr nach Münster mit der Zieleinfahrt am Schlossplatz direkt vor dem Schloss Münster. Auf den Banden trommeln die Zuschauer die Fahrerinnen und Fahrer ins Ziel. Für mich kein Grund, noch einmal richtig Gas zu geben. Ich liebe es eher, diese schönen Momente in ruhiger und langsamer Fahrt möglichst in die Länge zu ziehen und in mich aufzusaugen.

Danach möglichst schnell die abgegebenen Klamotten abholen - der frische Wind ist verflixt kühl, wenn man erstmal steht... Und dann muss ich noch ein wenig auf die Ankunft meiner Herzallerliebsten warten, sie ist ein wenig zurück gefallen. Hin und wieder flutscht dann sogar ein Sonnenstrahl durch die Wolken.

Münsterland Giro, kurz vor dem Ziel

An der Strecken-Absperrung erwarte ich die nach mir eintreffenden Fahrer meines Rennens ab - um einen Blick auf die etwas nach mir eintreffende Liebste zu erhaschen. 

Münsterland Giro, Veranstaltungen Schlossplatz

Auch auf dem Schlossplatz herrscht bei den Veranstaltungen reges Treiben. Die jungen Turner mit ihren freien Oberkörpern bewundere ich bei dem saukalten und starken Wind aber sehr. 

 

 

 

Erst nach ihrer sicheren Ankunft gibt es dann die Belohnung mit dem alkoholfreien Weizenbier und den Nudeln - die Veranstalter und Sponsoren bereitstellen. Sehr schön auch immer die Veranstaltungen im Rahmen des Münsterland Giros auf dem Schlossplatz. Diesen widmen wir noch etwas Zeit - denn immerhin hat der Regen seit heute Morgen aufgehört.

Gegen 13:30 Uhr zu unserer Unterkunft Auf der Laer zurückzufahren, erweist sich dann allerdings als sehr gute, j, brillante Entscheidung: Als wir gerade erst seit ein paar Minuten dort sind, öffnet der Himmel wieder seine Schleusen. Wahre Sturzbäche an Wasser sorgen dafür, dass wir die gemütliche Ferienwohnung den Rest des Tages gar nicht mehr verlassen...

Der harte Kampf mit dem Wind fordert bei dem Münsterland Giro diesmal seinen Tribut. Nicht nur die Beine schmerzen uns beiden, wir sind auch jeweils in der Durchschnittsgeschwindigkeit um rund 4 km/h langsamer, als im Vorjahr - eine ganze Menge, wenn man jeweils mit vollem Einsatz fährt.

Die Daten des Münsterland Giros 2012 von meinem Tacho: Fahrstrecke 60,90 km, Zeit 1:51:42 h, Durchschnittsgeschwindigkeit 32,92 km/h, Spitzengeschwindigkeit 49,3 km/h ! Hinzu kommen heute noch weitere 20,6 km für An- und Abfahrt zum Giro - und ein wenig Drumherum.

Deutlich langsamer, als im Vorjahr (dort hatte ich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 36,4 km/h) - aber trotzdem bin ich in der Gesamtplatzierung 170 Plätze weiter vorne im Klassement (Platz 586 von 973 männlichen Teilnehmern über die 60-km-Strecke). Es war also nicht nur ein diffuses Gefühl, dass die Strecke und die Verhältnisse deutlich anstrengender waren, als im Vorjahr.

Insgesamt aber eine tolle Veranstaltung - sehr zu empfehlen für Freunde des Jedermann-Radsports!

 

Tag 3, 4. Oktober 2012: Münster - Spaziergang durch die Stadt

Es regnet morgens und vormittags so dermaßen, dass wir uns nach ein wenig Abwarten entschließen, nicht mit dem Rad in die Innenstadt von Münster zu fahren, sondern per Tageskarte mit dem Bus.

Münster, Lambertikirche Innenansicht

Innenansicht der Lambertikirche in Münster: Es ist Erntedank-Zeit. 

Wir wissen es schon vom vergangenen Jahr: Wir haben einfach Freude daran, uns durch die Stadt Münster treiben zu lassen. Eine Stadt, in der wir uns spontan wohl fühlen - so auch heute. Bei dem kräftigen Regen ist zunächst kaum ein Café und auch keine Kirche vor unserem Besuch sicher. Und da hat die Innenstadt von Münster wahrlich viel zu bieten! Solange der Regen prasselt, bleiben wir in der Umgebung des Prinzipalmarktes. Einfach ein wunderschöner Platz! Er wirkt so historisch, dass es kaum zu glauben ist, dass er nach dem Krieg nach furchtbaren Zerstörungen komplett wieder errichtet worden ist.

Münster-Fahne

Am Nachmittag tritt plötzlich die Sonne über Münster in Erscheinung und lässt die vielen Stadtflaggen am Prinzipalmarkt erstrahlen. Und der viele Wind hat die Flaggen sicherlich fix wieder getrocknet.

Als es dann am Nachmittag ab ca. 15 Uhr aufhört zu regnen und dann sogar der Himmel aufreißt, bleibt auch noch ein wenig Zeit, etwas Sightseeing zu betreiben. Bald schon sind wir im "Kuhviertel", einem bekannten und charmanten Kneipenviertel - aber abends um sechs ist hier noch nicht allzu viel Leben eingekehrt. Aber das ändert natürlich nichts daran, dass wir uns in Münster einfach wohl fühlen...

Münster, Kuhviertel

Das Kneipenrevier "Kuhviertel" ist am späten Nachmittag noch nicht sehr bevölkert - aber strahlt auch so eine gemütliche, einladende Atmosphäre aus.

Aber noch vor Sonnenuntergang sind wir wieder in der Ferienwohnung angelangt. Morgen wird unsere Radtour auf der Europaroute R1 starten. Grund genug, den Abend noch etwas faul zu sein - es steht uns ja noch genügend Aktivität in den Folgetagen bevor...

 

Den Bericht zu unserem ersten "richtigen Tag" auf der Radtour auf dem Europa-Radweg R1, wo wir bei lausigem Wetter von Münster nach Verl fahren, finden Sie hier.

 

 

 

 

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Dirk Matzen

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