Union Berlin
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Ein ganz gewöhnliches Auswärtsspiel beim 1. FC Union Berlin

 


1. FC Union Berlin - FC St. Pauli (Regionalliga Nord März 2007)
1. FC Union Berlin - FC St. Pauli 2:0
Regionalliga Nord 2006/07
 

 

Es ist der 10. März 2007. Die Alte Försterei in Köpenick, Berlin, 12:45 Uhr. Zusammen mit meinem Freund F. aus Hamburg stehe ich in der Gästekurve des traditionellen und wirklich beeindruckenden Stadions des 1. FC Union Berlins in der Wuhlheide. In Erwartung des Spieles der Regionalliga Nord von "Eisern Union" gegen "meinen" FC St. Pauli.

Bisher hat alles vorzüglich geklappt: bereits am Freitag war ich nach Berlin gereist, hatte schon Wochen zuvor Eintrittskarten in Hamburg erstanden. F. war am Samstag nach Berlin gekommen, mit einem Billig-Ticket der Bahn - aber ohne eine Das Stadion Alte Försterei in Köpenick erscheint von außen eher unspektakulär.Eintrittkarte, diese waren in Hamburg eine Woche zuvor bereits vergriffen gewesen. Aber laut Mail von Union sollte es in Berlin noch ein Schwung Eintrittskarten für den Gästebereich geben... Eine halbe Stunde vor Spielbeginn wollen im Stadion noch eine Berliner Freundin nebst Sohn zu uns stoßen - alles ist bestens geplant. Was kann schon schief gehen?

Das Treffen mit dem kartenlosen Hamburger gestaltet sich einfach: Wir treffen uns in der S-Bahn-Station Warschauer Straße, keine Probleme. Staunen darüber, dass die S-Bahn nach Köpenick gut zwei Stunden vor Beginn des drittklassigen Regionalligaspiels schon rappel-zappel voll ist - friedlich, mit Fans aus beiden Lagern. Schnell sind wir mit der S-Bahn in Köpenick und nach etwas Orientierung in Richtung Stadion unterwegs.

Alles mischt sich friedlich und freundlich: Union- und St. Pauli-Fans spazieren in zu diesem frühen Zeitpunkt erstaunlich großer Anzahl bunt gemischt gen Stadion. Kein Union Berlin - FC St. Pauli: Eineinhalb Stunden vor Spielbeginn ist ein unkomplizierter Einlaß noch möglich.Wunder: sind doch beide in ihren Städten die "kleinen" Vereine mit jeweils ausgesprochen hohem Kultcharakter. Es gibt viele Gemeinsamkeiten, was das fußballerische Schicksal anbelangt - und Gemeinsamkeiten schaffen eben Sympathie. Grund genug für mich, mal einen Berlin-Aufenthalt mit einem Besuch des Spieles zu verbinden. Die Vorfreude hielt schon lange an - sie wird aber auch die beste Freude an diesem Tag bleiben...

Nach ein paar Minuten Schlange-Stehen ist F. in Besitz einer Eintrittskarte und nach sehr gründlichen Sicherheitschecks im Stadion. Verdattert stelle ich dort fest, dass ich zwar gründlichst abgetastet wurde, aber überhaupt niemand auf meine Eintrittskarte geguckt hat, die ich während der Leibesvisitation in der Hand hielt. Der Kontrollabschnitt blieb unangetastet. Bei F. ebenso. Komisch!

Die Ränge füllen sich auf Union-Seite rasant, in "unserem" Gästeblock aber nur schleppend, tröpfelnd. Das recht netteUnion Berlin - "Am Fenster" in der Alten Försterei, beim Auftritt von der Band "City" vor dem Spiel des FC St. Pauli Rahmenprogramm, durch einen entspannten Stadionsprecher präsentiert, gefällt uns gut: es wird im Stadion die St. Pauli-Fanhymne gespielt (eine Geste, die ansonsten in Stadien unüblich ist - mit Ausnahme des Hamburger Millerntors natürlich). Und es gibt einen Live-Auftritt der legendären Band "City" - auch der Titel "Am Fenster" aus DDR-Zeiten wird zum Besten gegeben. Dies gehört ohne Zweifel zum allerbesten, was deutsche Pop- und Rock-Musiker jemals produziert haben. Keine Frage!

Ab halb zwei (um 14 Uhr beginnt das Spiel) werde ich langsam nervös: meine Berliner Freundin hat lange nichts von sich hören lassen. Was wird wohl los sein? Etwas ratlos gehe ich über den Stadion-Hügel Richtung Gäste-Eingang zum Stadion und mich trifft der Schlag: ich schaue direkt in die Fußball-Fan-Hölle! Nicht nur, dass ALLES VOLLER Polizei ist, nein, vor den gerade mal vier Durchlässen zum StadionUnion Berlin - Einlasskontrolle für die Gästefans: kaum jemand kommt durch... drängen auf engstem Raum noch hunderte Fans, die Zutritt zum Stadion begehren. Das Gedränge und Gequetsche von Leibern ahne ich, als ich in hunderte angestrengter und gestresster Gesichter hinabschaue. Durch die vier schmalen Zugänge wird immer nur eine einzelne Person durchgelassen und penibel kontrolliert. Erst dann kommt der nächste vor - und so weiter. Ich überlege blitzschnell, wie lange es wohl dauern wird, wenn wie derzeit pro Eingang pro Minute etwa zwei Leute durchgelassen werden - etwa zwei Stunden wird die Prozedur also noch dauern. Es ist eine halbe Stunde vor Spielbeginn und es besteht kein Zweifel: dies wird dort so durchgezogen werden.

Von wegen also: es spielen zwei tendenziell sich nahe stehende Vereine. Reine Schikane von Seiten der Union-Ordner ist angesagt. Mir schwant Böses für den ersten Stadionbesuch des Sohnes meiner Freundin.... Ähnliche Szenen soll es aber wohl auch am Hamburger Millerntor für Gästefans immer mal wieder geben. Wie beschämend!

Als um kurz vor 14 Uhr, dem offiziellen Spielbeginn, weder meine Freundin angekommen ist noch irgendeine Nachricht von ihr, gehe ich wieder schauen. Die Situation hat sich kaum geändert: das Menschenknäuel ist geringfügig kleiner geworden. Allerdings hat der Druck auf die Eingänge offenbar erheblich zugenommen - na klar: alle wollen rechtzeitig zum Spiel drin sein. Ein immer noch Union Berlin - FC St. Pauli: Zum Spielbeginn, viele besorgte St. Pauli-Fans warten noch zu Spielbeginn auf eingezwängte Freunde und Angehörigegewaltiges Kampfknäuel drängt sich vor den Durchlässen, die Masse wabert und quetscht sich hin und her. Vor Stress gequollene Gesichter lassen mich nachdenklich werden: was ist, wenn ganz hinten welche ungeduldig werden, so richtig ungeduldig? Dann werden da vor meinen Augen und vor den Augen von Hunderten tatenloser und desinteressierter Polizisten im Namen der Sicherheit noch Leute zerquetscht und zertrampelt werden! Kaum zu fassen! Ich versuche mich etwas zu beruhigen mit dem Gedanken, dass ja gerade wir St. Pauli-Fans im allgemeinen ausgesprochen gutmütig sind und vieles mit enormer Gelassenheit hinnehmen. Also bitte keine Panik da unten!! Nach wie vor tröpfeln die Leute nur einzeln ins Stadion, okay mittlerweile vielleicht drei Personen pro Minute und Durchgang...

Verzweifelt schaue ich wieder und wieder durch die Menschenmasse - und sehe zwei winkende Hände. Da sind sie, etwa drei Meter vor einem Durchgang. Mitten in der Hölle. Ich erkenne: Ein Griff zum Handy war Ihr nicht möglich - es ist einfach zu eng. Und doch: nach einigen Minuten sind beide drin. Nach einer guten halben Stunde im Gedränge. Gerade rechtzeitig zum Spielbeginn, der um zehn Minuten verlegt wurde. Immerhin! Noch nie habe ich meine Freundin in einem derart desolaten und verängstigten Zustand erlebt, nur mühsam gelingt es ihr, wieder Fassung zu gewinnen.

Das Spiel, dass dann unmittelbar beginnt, lenkt dabei kaum ab. Ein Gekicke vom jämmerlichsten nimmt seinen Lauf. Die Anzahl der gekonnten Spielzüge beider Teams kann auch noch jeder Sägewerk-Arbeiter an den Fingern einer Hand abzählen - alles ist dem Zufall überlassen. Schaue ich da etwa auf einen Riesenflipper, wo die Kugel sinnlos hin- und herspringt? Es scheint so... Das Niveau des Spiels ist deutlich unter dem, das ich zuweilen in der fünftklassigen Hamburg-Liga zu sehen bekomme.

Etwas Farbe kommt erst nach einer törichten Aktion eines St. Pauli-Spielers ins Spiel, der mit einer Roten Karte vom Platz fliegt. Plötzlich erwacht Union Berlin aus der allgemeinen Lethargie und gewinnt letztlich völlig zu Recht durch zwei Glückstore des ewigen und unsterblichen St. Pauli-Helden Nico Patschinski (er schoss für St. Pauli eines der Tore beim unvergesslichen Weltpokalsieger-Besieger-Spiel, dem 2:1 Sieg St. Paulis gegen Bayern München am 6.2.2002).

Union Berlin - FC St. Pauli, 30 Minuten vor SpielbeginnLeider leider entpuppt sich der vor dem Spiel nette und joviale Stadionsprecher während des Spiel als eine Art schlechter Marktschreier. Andauernd gibt es während des laufenden Spiels Ansagen zu folgenden Begegnungen, zu Verhaltensmaßnahmen nach dem Spiel, zu den Toren wird's reines und respektloses Getöse. Furchtbar und nervig!

Mehr ist zum Spiel wahrlich nicht zu sagen. Außer vielleicht, dass die Unterstützung zumindest der St. Pauli-Fans sich etwa an das Spiel-Niveau anpasste. Macht nix! Auch die Anfeuerung der rund 14.000-15.000 Unioner (bei wohl rund 3.500 Hamburgern) ist nicht gerade umwerfend - bis zu den Toren zumindest.

War ICH vor dem Spiel noch ein Nervenbündel, wird jetzt mein Freund F. etwas nervös: Sein Zugticket ist auf einen Zug festgelegt eineinhalb Stunden nach Spielende - normalerweise ja kein Problem bei maximal 30 Minuten Fahrzeit von Köpenick zum Hauptbahnhof. Aber: es sind schon zehn der insgesamt 90 Minuten weg, durch den verspäteten Spielbeginn. Also verlassen wir recht zügig nach Spielende das Stadion, ab zur S-Bahn Köpenick. Vielleicht kommt's ja noch zu der einen oder anderen netten Begegnung mit Unionern. Dachten wir...

Aber nein, der Weg Richtung S-Bahn Köpenick ist von Polizisten nebst Autos komplett verriegelt - kein Durchkommen! Durch einen Polizeikordon werden wir umgeleitet. Niemand sagt, was hier vorgeht. Im Stadion gab's die Ankündigung, man hätte etwas Nettes vorbereitet, man müsse nur der Musik folgen... Langsam fällt der Groschen: man will um jeden Preis verhindern, dass sich Union- und St. Pauli-Fans noch begegnen. An jeder Abzweigung steht ein massiver Polizei-Riegel. F. (ein freundlich dreinschauender Mittvierziger) versucht es trotzdem: sein Zug würde bald fahren, ob er nicht schnell durch könne, um möglichst schnell zur S-Bahn zu gelangen. Die Mine der Polizisten spricht jedoch für sich und bedeutet: "IHR seid hier sowieso nicht willkommen, also haltet Eure Klappen, sonst gibt's was auf die Birne - oder vielleicht erschießen wir Euch auch gleich!" Meine Berliner Freundin fragt nach, wo wir denn hingeleitet werden. Irgendeiner dieser gepanzerten Außerirdischen zwängt ein "Spindlersfeld" oder ähnlich durch die Zähne, womit der Kontakt zu diesen Wesen schon beendet wird.

Union Berlin - FC St. Pauli: Das Grauen hat ein Ende, endlich ist das Spiel vorbei...

Spindlersfeld? Meine Berliner Freundin zuckt nur die Schultern - Ihr völlig unbekannt...

Der massiven und direkten Gewaltandrohung zum Trotz trotten die St. Pauli-Fans erstaunlich gelassen und friedlich dem vorgegebenen Weg entlang. Eigentlich ist es verblüffend, dass dort keine Aggressionen entstehen, denn augenscheinlich haben nicht wenige erheblichen Zeitdruck - und wenn tausende auf einen Radweg gezwängt werden, dann geben naturgemäß die Langsamsten das Tempo an.

F. wird immer nervöser, zweifelnder und wütender, spürt, dass seine Chancen auf seinen Zug kontinuierlich schwinden. Latscht aber mit der Menge (es muss von außen aussehen, wie ein Zug Kriegsgefangener im zweiten Weltkrieg) langsam durch die Köpenicker Einöde. Durch die Pampa. Durch ein Nichts.

Irgendwann zeichnet sich der winzige S-Bahnhof ab, eine kurze S-Bahn steht dort abfahrbereit. Aha, denke ich, die stellen also offenbar einen zügigen Abtransport zur Verfügung - das ist ja wohl auch das Mindeste, was man tun kann, wenn man 3.500 zwangsweise zu einer S-Bahn-Station bringt! Die Bahn fährt, halbleer.

Aber weit gefehlt! Als wir ankommen wir klar: es gibt keine Zusatzzüge, der 20-Minuten-Takt wird streng eingehalten. Binnen kürzester Frist ist der winzige Bahnsteig schwarz von Menschen. Keine Bahn weit und breit.

In einem letzten Anflug von Hoffnung beschließt F. sich ein Taxi zu suchen. Auch das ist natürlich in dieser zumeist gottverlassenen Gegend völlig aussichtslos. Aber es rumpelt noch eine Straßenbahn hier entlang. Zur S-Bahn-Station Adlershof. Aha, denken wir wieder, zu einer S-Bahn-Station! Da kommt man dann ja schnell weg! Wie wir denken ein paar andere St. Pauli-Fans und die Straßenbahn wird geentert.

Union Berlin: Tragen die Fans etwa die Werbebanden bei Union?

Langsam wird trotzdem klar: F. wird kaum eine Chance auf seine Zugverbindung nach Hamburg haben. Langsam gewinnt auch er seine Fassung zurück - ein gewisser Galgenhumor gewinnt Oberhand. Die Schönheit der befahrenen, trostlosen Gegend wird bewundert!

Einige Minuten später an der S-Bahn-Station Adlershof sind zunächst erstmal wieder ein paar hundert Meter zurückzulegen: Der Eingang an der Straßenbahn ist geschlossen wegen Bauarbeiten. Macht ja nix, also einmal um die Station herum.

Nach einiger Zeit kommt auch eine S-Bahn - die hat jedoch als Ziel die zwei Stationen weiter gelegene Haltstelle Schöneweide angegeben. Pah, das hilft uns ja nu auch nicht weiter, denken wir - werden jedoch im letzten Moment doch noch in den Zug gelockt mit der Ansage, dass ab Schöneweide wegen Bauarbeiten ein Schienenersatzverkehr eingerichtet sei.

Fünf Minuten später, S-Bahn-Station Schöneweide. Direkt vor dem Treppenabgang steigen wir aus - und geistesgegenwärtig raunze ich meinen Begleitern zu, wir seien nun ja ganz vorne, also sollten wir zügig zu den Bussen des Schienenersatzverkehrs gehen, dann kriegen wir sicher sofort einen Platz.

Aber schon wieder war ich blauäugig! Auf dem Vorplatz der Station finden sich zu unserer Überraschung einige hunderte St. Pauli Fans. Ja, wo kommen die denn her?? Zwei Busse stehen dort - schon total überfüllt. Ein Blick auf den Linienplan zeigt, was hier los ist: auch die S-Bahn-Strecke aus Spindlersfeld fährt hier entlang - und endet hier nach ebenso gerade mal zwei Stationen bei zwei Bussen des Schienenersatzverkehrs.

Ja, wie krank ist denn das?? Da bringt man 3.500 Gäste, die ja häufig schnell zwecks Rückfahrt zu Bussen und Bahnen wollen, über ein paar Kilometer auf eine S-Bahn-Strecke, die eigentlich gar nicht fährt. So was geht ja nun gar nicht!!

Aber sei's drum! Der Zug von F. ist schon längst nicht mehr erreichbar und dieser hochgradige Schwachsinn, den die Berliner Polizei sich hier erlaubt, hat schon fast was komisches. Von irgendwoher kommt eine kurze, einteilige Straßenbahn herbei gerumpelt und hat als Ziel S+U Lichtenberg angegeben. Aha, denken wir wieder, eine S-Bahn-Station! Nichts wie rein in die Straßenbahn. Denken wir und etwa 100 andere. Die Bahn platzt aus fast allen Nähten. An den folgenden Stationen schauen Zustiegswillige nur völlig irritiert und konsterniert...

Es wird langsam lustig... Irgendwann sehen wir an der rechten Seite den Stadtforst und das Straßenschild "An der Wuhlheide" - an der Straße liegt auch das Stadion von Union Berlin. "Gleich sind wir wieder am Stadion" ruft jemand. Großes Gelächter. Wer weiß, vielleicht hat er Recht?

Aber nein, die trutzige Straßenbahn poltert durch trübe Gewerbegebiete - irgendwann nach 15 oder 20 Minuten heißt es "S Rummelsburg". Oho, eine S-Bahn, denken wir! Dutzende verlassen die Straßenbahn. Und endlich, endlich scheitert das dämliche Konzept der Berliner Polizei komplett: treffen doch in der Bahn St. Pauli und Union-Fans ohne jedes Hindernis aufeinander - und offenbar auch ohne jegliche Probleme.

F. nimmt sich vor, den nächsten Zug nach Hamburg zu bekommen - müsste klappen. Aber er richtet sich darauf ein, rund 50 Euro für ein neues Ticket berappen zu müssen. Der Schikane der Berliner Polizei sei Dank!

Nahezu zweieinhalb Stunden nach Spielende finden wir uns dann in Kreuzberg wieder - erschöpft und fassungslos. Meiner Berliner Freundin - ausgesprochen seltene Fußballgängerin - ist die Behandlung im heimatlichen Berlin sichtlich unangenehm und ärgerlich.

Verwundert philosophieren wir durch den Abend über den in Berlin ungeahnt ausgebrochenen Reichtum: wurden wir doch gerade Augenzeugen einer der unsinnigsten Polizeiaktion seit Menschengedenken. Wie viele Millionen sich Berlin diesen Quatsch wohl hat kosten lassen? Wie vielen dutzenden Sozialprojekten hierfür der Etat für die nächsten Jahre gekürzt werden muss? Wer wohl Verantwortung für so etwas hat? Niemand, bestimmt: bei keiner Polizei hat es jemals irgendeinen Verantwortlichen für irgendetwas gegeben. Oder?

Für diese Polizei-Schikane kann Union Berlin nun auch wahrlich nichts - aber doch hat meine Sympathie für die "Eisernen" einige arge Schrammen erlitten. Schade eigentlich, aber schon allein der Einlass ins Stadion ist so nicht akzeptabel und brandgefährlich!

Union Berlin - FC St. Pauli: Die Alte Försterei ist ein Stadion mit toller Atmosphäre!

Aber ich bin auch klug genug, um zu wissen, dass dies alles gar nicht so besonders ist - vielmehr sind solche Dinge Normalität in und an deutschen Fußballstadien. Eigentlich will ich gar nicht so genau wissen, wie viele Fußballfans es Woche für Woche aufgrund irgendwelcher vermeintlicher, undurchdachter "Sicherheitskonzepte" sind, die auf ähnliche Weise entmündigt, provoziert und bevormundet werden. Kein Wunder, wenn dabei irgendwann Leute nicht nur aggressiv werden, sondern auch gewalttätig reagieren - wenn sie schon immer wie Gewalttäter behandelt werden. Sind denn automatisch alle Fußballfans Verbrecher? Fand nicht das ganze Land die WM so toll?

Richtig gut stand dann übrigens noch der Hauptsponsor des großen Berliner Lokalrivalen Hertha BSC dar: die Bahn. Man zeigte sich durchaus verständnisvoll und großzügig, ließ F. (und wie ich erfuhr nicht nur ihn) für eine Zuzahlung von einigen Euros nach Hamburg fahren, ohne die fällige neue Fahrkarte zu fordern. Prima!

Außer dem also fast alles ganz normal, aber: Was für eine absurde Normalität!

 

 


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