Eimsbüttel
1/2008
 Startseite /
 Home
 
 RSS-Feed
 abonnieren
 Reiseberichte
 Radfahren...!
 Bilderserien
 Meckerecke
 
 Die Welt im Abo
 September 2008
 Wunder von Eimsbüttel
 Januar 2008
 Auswärtsspiel bei Union
 März 2007
 Pokal im Winter
 Februar 2006
 Kuscheln beim HVV
 Januar 2006
 Wohnungssuche
 August 2005
 Einkaufen in HH-City
 Juli 2005
 Fußball in Sambia
 Juni 2005
 doctor at work
 Juni 2005
 Hafengeburtstag
 Mai 2005
 Der da
 Juli 2002
 

Das Wunder von Hamburg-Eimsbüttel

 

Wunder sind ja "in" derzeit! Durch Kinos und über Bildschirme wälzt sich eine wahre Flut von Wundern: Bern, Lengede, Berlin, Mailand, Pennsylvania, Rom... Es gibt gar ein Magazin in einem Nachrichtenkanal: Welt der Wunder. Da ist es ja nur eine Frage der Zeit, selber auch ein mal Zeuge eines Wunders zu werden! Heute war es soweit - ich wurde Augenzeuge eines Wunders! Mitten im heimatlichen Eimsbüttel!

Und das größte Wunder dabei war - dass nichts geschehen ist!

Und das kam so: Es ist Samstag Nachmittag, ich komme mit dem Bus, Linie 20, aus Eppendorf, habe den Knopf gedrückt, da ich an der Osterstraße aussteigen will, noch ein wenig einkaufen. Etwa 50 Meter vor der Haltestelle, ich stehe schon an der Tür des Busses. Es ist in Hamburg stürmisch an diesem Tag, dem 26. Januar.

Da erblicke ich, wie in einem skurrilen Film, einen Einkaufswagen. Leer ist er, und, nein, er steht nicht irgendwo an der Straße herum. Sondern: offenbar vom Wind getrieben rollt er, ganz gemächlich, quer über den an dieser Stelle eigentlich sechsspurigen, durch eine Baustelle jedoch auf vier Spuren verengten Straße. Es ist eine wirklich bizarre, geradezu surreale Szene. Ein leerer Einkaufswagen rollt wie von Geisterhand getrieben quer über eine stark befahrene Straße - eine überaus wunderliche Szene!

Das eigentliche Wunder ist jedoch: dass nichts passiert. Kein Verkehrsunfall durch die ausweichenden Autofahrer, keiner registriert es offenbar wirklich. Zehn Meter vor dem Bus kommt der Einkaufswagen zum stehen, er rollt ganz langsam gegen ein parkendes Auto, steht also quer auf einen Fahrstreifen.

Ich steige aus dem Bus. Beobachte neugierig, ob der Busfahrer auch kurz aussteigt, um den Einkaufswagen von der Fahrbahn zu entfernen. Aber nein, er fährt weiter, lanciert seinen Bus mühsam um den Wagen herum.

Kein Regisseur hätte sich getraut, so eine sonderbare Szene in seinen Film einzubauen, die wie durch ein Wunder folgenlos bleibt. Wenn ich dies dann nun doch irgendwann im Kino sehe, dann werde ich das Urheberrecht auf die Szene einklagen!

Auch ich lasse den Einkaufswagen stehen.

20 Meter weiter, der Film ohne Regisseur läuft noch in meinem Kopf, die nächste Szene. Ein Mann steht dort, neben einem offenen Lieferwagen. Noch etwas dicker als ich und ziemlich speckig. Augenscheinlich ein Handwerker. Er steht dort und schaut steil nach oben, ohne jede Regung, wie in Trance. Neben ihm registriere ich einen Haufen Dreck.

Irgendwann, ich bin fast auf seiner Höhe, da registriert der Himmelsgucker mich, ohne den Blick von oben zu lassen. Sofort schreit er los: "Halt! Stopp! Jetzt nicht!" Er ruft es nach oben, nicht zu mir. Irritiert verharre ich trotzdem ein kurzen Moment, schaue auch nach oben - dort sehe ich im zweiten Stock auf dem Balkon ein Gesicht, das nach unten schaut.

Ach so, der Typ unten hat den da oben die ganze Zeit angestarrt, offensichtlich, wollte der oben irgendwas abseilen oder so. Ich gehe weiter, bin gerade an dem Typ vorbei, da ruft der wieder: "So, nun kanns losgehen!" In dem Moment, ca. 15 Meter entfernt, taucht vor mir ein Radfahrer auf, rasant, ist in null Komma nichts auf meiner Höhe, weicht knapp aus. Der Handwerker brüllt "NEEEIN, HALT!".

Direkt hinter mir, ca. zwei bis drei Meter schräg rechts, macht es "KRRACH-PAFFFFF-BOOOOM".

Erschreckt bleibe ich stehen, drehe ich mich um. Der Radfahrer fährt weiter.

Allerdings liegt direkt hinter mir ein weiterer Haufen Dreck, riesig. Ist auseinanderflogen, hat sich ausgebreitet, über eineinhalb Fahrspuren auf der vierspurigen Straße.

Wie ein wirkliches Wunder: wäre der Radfahrer mir nicht in Richtung Haus ausgewichen, dann hätte ihn der herabstürzende Dreckshaufen, der ja auch nur knapp hinter mir aufschlug, wahrscheinlich voll getroffen! So aber ging es für ihn gut...

Dabei entsteht unverzüglich auf der Straße Chaos. Gerade kamen mit enormer Geschwindigkeit Autos herangeprescht, sie haben Grünphase. Der erste Wagen, der kommt, kann gar nicht vermeiden, direkt über den quasi vom Himmel gefallenen Dreckshaufen herüberzufahren. Wie durch ein Wunder - ohne weitere Folgen.

Die anderen Autos weichen aus, bremsen, wuseln durcheinander. Aber: es passiert nichts! Der unausweichliche Zusammenstoß - er bleibt aus... Wie durch ein Wunder! Alle fahren unbeschädigt weiter ihres Weges.

Alles dies spielte sich bisher binnen rund 30 Sekunden ab. Erst jetzt registriere ich, dass die beiden Dreckshaufen aus ursprünglich aufgerolltem Material bestehen, es sieht aus wie von einem Boden abgefetzter, verstaubter, verdreckter PVC-Belag. Dieser hat sich jetzt erneut auf mehreren Quadratmetern ausgebreitet... Als die Grünphase zu Ende geht, macht sich der Handwerker mühselig daran, die Sauerei von der Straße zu entfernen. Ich bemerke in dem Moment, das ich, ganz gegen meine Gewohnheit, wie durch ein Wunder, meine Kamera NICHT dabei habe...

Auf dem Balkon sehe ich noch vier oder fünf solcher PVC-Müll-Rollen, die Beiden haben halt einfach keine Lust, die Dinger die beiden Etagen runterzutragen. Da kann man ja schon mal die Gesundheit anderer in Kauf nehmen!

Zehn Minuten später komme ich wieder an der Kreuzung vorbei. Aus den meisten der schmal zusammengerollen Müllrollen - eine ist wohl noch auf dem Balkon - ist inzwischen, wie durch ein Wunder, ein ansehnlicher, riesiger Dreckshaufen auf dem verblüffend schmalen Gehweg geworden. Der Lieferwagen ist immer noch leer.

Offenbar ging aber alles gut - wie durch ein Wunder! Das Wunder von Eimsbüttel! Da war ein ganzes Rudel von Schutzengeln zusammengekommen - offenbar direkt vom Einkaufen quer über die Straße herangeeilt zur potentiellen Unglückstelle. Welch guter Job der Schutzengel - und das, wo doch Wochenende war!

 

 


Größere Kartenansicht

 

 

 

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de

web
		analytics

 

^ nach oben / Top
 
Impressum
Dirk Matzen

(Abdruck des Textes - auch in Teilen - nur mit schriftlicher Genehmigung des Autors!)