Reisebericht Ankara Nr. 1 -
  Zwei Wochen "Air Quality" in der Türkei

Ein Reisebericht aus der türkischen Hauptstadt Ankara
   mit 21 Bildern




Ankara mit Dunstglocke

Blick über Teile von Ankara - mit dicker Dunstglocke...

„Was um alles in der Welt will ich hier eigentlich?“ ist der erste Gedanke, der mir durch den Kopf geht, als ich aus dem Flugzeug steige und einmal in die Runde schaue. Immerhin schlägt mir angenehm warme Luft entgegen, bestimmt 20 Grad. Aber alles andere ist zunächst wenig einladend: graue bis mittelbraune Farbtöne bestimmen das Panorama aus Hügeln und Bergen, ein paar wenige Häuser verlieren sich am Horizont. Schon beim Anflug haben lediglich braune Hügel das Bild bestimmt. Von einer Stadt weit und breit nichts zu sehen.

Ankara Kızılay

Der Puls der Stadt Ankara ist in Kızılay, der Innenstadt von Ankara, deutlich zu spüren - an einem frühen Samstag-Vormittag ist es allerdings noch nicht so quirlig.

 

 

 

Es ist der 31. Oktober 2004, 14 Uhr Ortszeit - und das also ist Ankara, der internationale Flughafen Esenboğa. Dieser wirkt auf mich etwa so provinziell wie die Flughäfen Braunschweig oder Friedrichshafen. Und das soll der Flughafen einer Hauptstadt mit, je nach Angabe, 2,5 bis 5 Millionen Einwohnern sein? Ich bin, nun ja, recht irritiert - Was soll ich hier nur? Und: Wo ist denn eigentlich die Stadt?

Nun, wenn man die ca. 35 kurzweiligen Kilometer in die Stadtmitte, am besten mit dem Havaş-Bus für 8.000.000 Lira,  zurückgelegt hat, dann ist sie da. Mit Wucht breitet sie sich vor einem aus, verschluckt einen schneller als man denkt in ihren eigenen Rhythmus.

Ankara Luftverschmutzung

Und schneller als ich dachte wird mir auch klar, warum ich hier bin: die Luft in Ankara kann man oft an ganz normalen, durchschnittlichen TagenAnkara Autoabgas sehen, riechen, zuweilen schmecken. Viele Busse neben „meinem“ zugegebener-maßen sehr modernen sowie die meisten der LKW ziehen dicke schwarze Rauch- und Rußwolken hinter sich her. Immer mal wieder qualmt es am Wegesrand: Wenn man Müll schnell verbrennt ist er schließlich weg - und man brauch ihn nicht noch umständlich zu entsorgen! Praktisch, oder? Kurz: Die Luftverschmutzung in Ankara ist erheblich!

Insgesamt Grund genug für die Europäische Union, ein Projekt „Air Quality“ ins Leben zu rufen mit der Zielsetzung, die EU-weit gültige Gesetzgebung zur Reinhaltung der Luft in der Türkei zu etablieren und umzusetzen. Sowohl, was die Schadstoffemissionen, als auch was die Einhaltung der Grenzwerte in der Immissionsbelastung anbelangt. „Twinning-Projekte“ werden solche Projekte genannt, die in größerer Anzahl in potentiellen EU-Beitrittsländern durchgeführt werden - längst nicht nur zu Umweltthemen, sondern alle möglichen Ebenen staatlichen Verwaltungshandelns angehend. „Twinning“ vom englischen Wort „twin“ für Zwilling - es arbeiten bei diesen Projekten immer zwei Staaten eng zusammen.

Ankara, Projektteam Twinning-Projekt

Das türkisch-deutsche Team, mit dem das EU-Projekt in Ankara gestartet wurde.

 

 

 

Wie es nun genau dazu gekommen ist, dass die Leitung dieses Projektes in Hamburger Hände in persona meiner langjährigen Chefin Frau Dr. G., der Leiterin des Hamburger Luftmess-netzes im Institut für Hygiene und Umwelt, fiel, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls gab es im Oktober 2003 eine entsprechende Anfrage aus dem Bundes-Umweltmini-sterium. Und: Frau G. griff zu. Für zwei Jahre leitet sie als erste Frau seit Oktober 2004 ein Twinning-Projekt in der Türkei. Als "Langzeitexpertin", im EU-internen Fachterminus "RTA" für Residential Twinning Advisor. CDU-regierte Bundesländer lehnen es übrigens im allgemeinen ab, solche Langzeitexperten in die Türkei abzutreten - was den Kreis der in Frage kommenden Fachpersonen in der Bundesrepublik schon sehr eingrenzt. Wie schön, dass Hamburg mit 80.000 türkischen Bewohnern da trotz CDU-Regierung eine Ausnahme bildet!

Dass es bei einem solchen Projekt doch ziemlich „zur Sache“ geht, bemerkte ich schnell: nach dem Ankommen und einem gemeinsamen Abendessen mit einer weiteren „Kurzzeitexpertin“ („Short Term Expert“, STE, ist der offizielle Terminus für Leute wie mich, die dort für kurze Zeit im Projekt arbeiten) geht es am Montagmorgen gleich in die Vollen: ab ins Ministerium für Umwelt und Forsten im etwas vom Zentrum entfernten Stadtteil Bilkent (die Taxifahrt durch den abenteuerlichen Verkehr in Ankara raubt einem anfänglich schon einige Nerven, aber dazu später mehr), und es geht direkt in eine Projektbesprechung. Dort gerät gleich eines meiner zahlreichen Vorurteile über die Türkei und deren Gesellschaft ins wanken. In der Besprechung sitzen zehn Personen: acht Frauen (einige davon in Leitungspositionen), zwei Männer - mich eingeschlossen. Ist die Türkei nicht eigentlich eine Männergesellschaft? Die selbstbewussten und schwungvollen Frauen hier stimmen mich da schon nachdenklich...

Ankara, Straße nach Bilkent

Ausfallstraße zum Arbeitsplatz in Richtung des Stadteils Bilkent in Ankara, rechts wird eine Metro-Strecke gebaut.

 

 

 

Das passt nicht wirklich mit meinem offenbar schrägen Bild der Türkei zusammen, erworben in einem zehn Jahre zurückliegenden Urlaub in der Südtürkei, aus Begegnungen mit hiesigen „Deutsch-Türken“ und vielen Medienberichten. Dieses Bild wird sich im Laufe der zwei Wochen noch einige Male als antiquiert erweisen: ich bin in einer modernen Stadt angekommen, in einer oftmals für mich überraschend modernen Gesellschaft. Man sieht aber in einigen Stadtteilen auch Menschen und Szenen, die durchaus in das traditionelle Bild der Türkei passen - nur: die Regel ist das, zumindest in Ankara, nicht!

Aber zurück zum Arbeitsleben: die türkischen Kollegen erweisen sich als nette, offene Menschen, man begegnet mir vielleicht mit ein wenig Zurückhaltung (ganz meinerseits...), aber immer freundlich und aufgeschlossen. Wie sich herausstellt, wurden in den zuständigen Abteilungen schon ein paar größere Projekte durchgeführt, offenbar haben die türkischen Kollegen da schon etliche Erfahrungen und somit eine gewisse Souveränität gesammelt.

Ankara, Dienstgebäude Umweltministerium

Das Dienstgebäude im Stadtteil Bilkent, ein ehemaliges Wohnhaus.

 

 

 

Allerdings: Gut Ding will dort manchmal ein wenig Weile haben, so brauchen Möbel und EDV-Ausstattung des Projektes eine Weile, bis sie eintreffen und einiges - z.B. der Drucker - war auch nach meiner Abreise noch ungeklärt bzw. unauffindbar. Aber die Dinge sind doch immer im Fluss. Man zeigt sich kooperativ, und die Assistentin von Fr. Dr. G., Hursat Y., erweist sich als großartige Organisatorin. Irgendwie findet sich dann doch recht flott ein Arbeitsplatz, um mich meinem Auftrag, der Erstellung der Projekt-Internet-Seite, konzentriert zuwenden zu können. Intensiv und zügig geht’s an die Arbeit, zumeist nur unterbrochen von einer Mittagspause, die wir vorzugsweise - es ist zum Schluss meines Aufenthaltes immerhin schon Mitte November! - bei 20 bis 25 Grad in der Sonne sitzend verbringen. Und das ist ein auch für Ankaraer Verhältnisse um diese Jahreszeit ungewöhnlicher Genuss!

Ab ca. 18 Uhr, es ist dann schon seit einer Stunde dunkel, spielt sich vor den Dienstgebäuden aus meiner Sicht Merkwürdiges ab: es sammeln sich täglich eine ganze Anzahl von (zumeist Klein-)Bussen, vielleicht 12-15 Stück, die in den Frontfenstern Zettel oder Schildchen mit Fahrzielen haben. Diese können von den Mitarbeitern des Ministeriums kostenfrei genutzt werden, ebenso wie morgens auf den Weg zur Arbeit. Sie fahren punkt 18:10 Uhr in die unterschiedlichsten Richtungen in die Stadt - der Arbeitgeber sorgt also dafür, dass man zum Arbeitsplatz und wieder zurück kommt. Eine schöne Einrichtung und das von allen freundlich beim Betreten und Verlassen des Busses in die Runde gerufene „İyi akşamlar“ („Guten Abend“) hat schon seinen eigenen Charme...

Ankara, Moschee Kocatepe bei Nacht

Auch bei Nacht ein traumhaft schönes Bild: die neue Moschee in Ankara - die größte der Türkei.

 

 

 

Und nach dem Feierabend? Die Tage sind intensiv und voller neuer und spannender Dinge - da fällt es mir zuweilen ein wenig schwer, mich abends noch aufzuraffen und dann leider im Dunkeln ein wenig „Sightseeing“ zu betreiben. Das Hotel liegt zwar nicht mitten im Zentrum Ankaras - aber doch lässt sich vieles noch bequem zu Fuß erreichen. Schnell wird mir klar: für seine Schönheit wird Ankara wohl nie berühmt werden! An klassischen Sehenswürdig-keiten gibt es wohl nur eine Handvoll (die größte Moschee der Türkei, das Burgviertel, das Atatürk-Mausoleum und das eine oder andere Museum).

 

 

 

Aber vielleicht reist man ja nicht nur, um zu arbeiten und sich bei Gelegenheit schöne Sehenswürdig-keiten anzustaunen, sondern auch um ein wenig in die alltägliche Kultur und das normale Leben vor Ort einzutauchen. Und fürwahr: dafür ist die überaus quirlige und lebendige Stadt Ankara bestens geeignet! Mir erscheint es sogar als Vorteil, dass die Stadt keine Touristenströme anzieht: niemand packt mich am Arm und versucht, mich mit roher Gewalt in ein Teppich- oder Lederwaren-geschäft zu zerren (wie zehn Jahre zuvor in einer Touristenhochburg wiederholt geschehen). Man ist freundlich und unaufdringlich und gibt Reisenden so durchaus die Möglichkeit, das „normale“, vielschichtige und wuselige Leben in dieser Stadt kennen zu lernen. Ist das nicht oftmals weitaus interessanter, als die Besichtigung herausgeputzter Touristenattraktionen?

Ankara Gecekondu

Blick über eine Gecekondu-Siedlung in Ankara: einfache, "über Nacht" gebaute Häuser - aber keineswegs Slums!

 

 

 

Als Glücksfall erweist sich da für mich, dass ich über zwei Wochen in Ankara bin - und somit auch Zeit habe, mich am Wochenende ein wenig umzuschauen, bei Tageslicht etwas von der Stadt zu sehen und mich ganz nach Belieben treiben zu lassen. Das große Durcheinander in dem im Stadtzentrum gelegenen Einkaufgebiet Kızılay wird, am Samstag, jedoch überdeckt von Polizei. Über Kilometer am Atatürk-Boulevardul entlang (an dem u.a. das Parlamentsgebäude, Ministerien, Militär und auch viele Botschaften gelegen sind) ist überall alles voller Polizisten, z.T. in Hundertschaften. Insgesamt schätze ich für mich, dass es wohl 2-3000 Polizisten sein mögen (nebst zahlreicher gepanzerter Fahrzeuge, Wasserwerfern, Feuerwehrwagen), die dort teilweise gezielt vor Banken, Ministerien etc., z.T, aber offenbar auch wahllos aufgestellt worden sind. Abends im türkischen Fernsehen sehe ich ausführliche Berichte über eine gar nicht mal so große Studentendemonstration gegen ein altes Hochschulgesetz, bei der es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam, mit großen Tränengasschwaden, zahlreichen fliegenden Steinen und Molotow-Cocktails.... Offenbar müssen auch hier noch beide Seiten lernen - ein gewisser westlicher Standard der 70er Jahre ist jedoch leider erreicht.

 

 

 

Also erweist sich meine Entscheidung durchaus als goldrichtig, diese Szenerie zu verlassen (ich weiß ja nicht, was zu erwarten ist) und mir das Burgviertel Ulus anzuschauen. Man biegt vom Atatürk-Boulevardul ab und - schwups - hat man die moderne Stadt zum großen Teil hinter sich gelassen und befindet sich in einem Stadtviertel, so wie ich mir die traditionelle Türkei vorstelle: plötzlich tragen ca. 98 Prozent der Frauen ein Kopftuch (ansonsten eher 99 Prozent keines) oder sind gar verschleiert, laufen zuweilen zwei bis drei Schritte hinter dem Mann (sofern das heillose Durcheinander auf dem Bazar dies zulässt) oder sitzen gar auf der Straße und bieten für ein paar Cent Gehäkeltes oder Gestricktes feil. Die ganze Atmosphäre ist schlagartig orientalischer, noch wuseliger, noch mehr Durcheinander, noch lauter. Faszinierend und auch überraschend, wie krass die Gegensätze in dieser Stadt sein können und wie man hiermit offenbar gut klarkommt. Nur am Rande sei vermerkt, dass der Gang auf die Burg schon allein wegen der sensationellen Aussicht auf die Millionenstadt den Weg wert ist - was man (etwas gediegener) auch vom Aussichtsturm Atakule an anderer Stelle der Stadt genießen kann...

Ankara, Blick von der Burg

Auf dem Weg zur Burg, dem historischen Zentrum von Ankara: Blick über die Millionenmetropole.

 

 

 

Einen eigenen Artikel wäre aber eigentlich der Straßenverkehr in Ankara wert. Nicht nur, dass man vom neuesten Gefährt deutscher Fabrikation bis zur ältesten Klapperkiste alles an Autos sieht, was man sich vorstellen kann (Ausnahme: keine Trabbis!). Nicht nur, dass viele dieser Autos eklige sicht- und vor allem riechbare Abgasfahnen hinter sich her ziehen, vor allem LKW. Nein, es ist noch etwas anderes. Sobald sich diese netten Mensch dort hinter einen Lenker setzen - mutieren sie. Sie werden zu rücksichtslosen, ja, erbarmungslosen Mitmenschen. Soll doch kein anderer Autofahrer vermuten, dass eine kleine sich auftuende Lücke nicht genutzt würde! Soll doch kein Fußgänger glauben oder hoffen, dass ein Autofahrer für ihn bremsen oder auch nur den Fuß vom Gas nehmen würde. Wer schon einmal versucht hat, zur Feierabendszeit (wann ist die eigentlich in Ankara? Geschäfte haben offenbar so lange auf, wie es ihnen gefällt) über den Atatürk Boulevardul zu gelangen, der weiß, wovon hier die Rede ist.... Italienische oder spanische Autofahrer sind rücksichtsvolle Unschuldsengel gegen das hier. Hier tobt das Chaos - wenn auch mit erstaunlich wenig Aggression. Es wird mit Handzeichen und Hupen gearbeitet. Nein, nicht diesem bösen, lauten Hupen, das man daheim zuweilen hört, hin und wieder gibt es das auch in Ankara. Nein, ein kleines „Tut“ sagt den anderen Autofahrern: „ich habe gesehen, da vorne ist eine kleine Lücke - die nutze ich jetzt“ oder „ich habe gesehen, da vorne ist eine kleine Lücke - die du gerade genutzt hast“ oder „ich bin ein Taxi und habe Plätze frei“ oder „du fährst ja nur 70, also überhole ich dich schnell mal auf der rechten Seite“ oder „ich habe eine Hupe und schon seit 30 Sekunden nicht mehr gehupt“.

Unglaublich, dass sich in dieses Chaos (7-8 Unfallstellen habe ich in den zwei Wochen gesehen - alles eher Bagatellen) auch noch Radfahrer mischen! Ganz genau fünf habe ich in den zwei Wochen gezählt: zweimal fuhr ein Radler flott auf der autobahnähnlichen Ausfallstraße stadtauswärts, einer mit Schwung gegen die Richtung der Shopping-Einbahnstraße und zwei wühlten sich rasant durch die Fußgänger auf dem Fußweg - was in den meisten Straßen aufgrund des Zustandes dieser Wege allerdings unmöglich sein wird...

Ankara, Genclik-Park

Nicht nur bei jungen Leuten beliebt: den Genclik-(="Jugend")-Park. Im Hintergrund teile der Burg..

 

 

 

Aber ein Wochenende vergeht schnell und die nächste Arbeitswoche kündigt sich an. Am Mittwoch und Donnerstag (10. und 11. November) der zweiten Woche steht das „KickOff-Meeting“ an - die offizielle Eröffnungs-veranstaltung des gesamten Projektes. Die Tage vorher werden ein wenig hektisch, es ist doch viel zu regeln und fertig zu stellen... Der erste Tag ist eher politisch besetzt, am zweiten Tag gibt es eine Anzahl von Fachvorträgen.

Nach und nach treffen hierfür Kollegen aus anderen Bundesländern ein, neben weiteren Kollegen aus Hamburg auch noch aus Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen, Bayern sowie offizielle Vertreter des Bundes-Umweltministeriums und ein Kollege aus Prag, der vor ein paar Jahren selber in den „Genuss“ eines solchen, von Bayern betreuten, Twinning-Projektes gekommen war. Einige Kollegen erfreuen sich an meinen mittlerweile gewonnenen Ortskenntnissen, nach einem kleinen Schwenker an der großen Moschee vorbei ist schnell eine nette Kneipe gefunden, man sitzt bis nach 22 Uhr draußen und (für mich als „Wissenden“ ganz besonders) lustig sind die Debatten, in welcher Richtung denn jetzt das Hotel liegt...

Ankara, KickOff-Meeting vom Twinning-Projekt

Während der Eröffnungsveranstaltung, dem KickOff-Meeting, des Twinning-Projektes "Air Quality" in Ankara.

 

 

 

Da das türkische Ministerium für Umwelt und Forsten seinen Presseverteiler zur Einladung genutzt hat finden sich ca. 70-80 Interessenten ein, die sich in Diskussionen später z.B. als Industrie-vertreter oder Hochschul-professoren outen. Ein parlamentari-scher Staatssekretär der Türkei redet unverhohlen Klartext, schimpft, dass man nicht drumherum reden brauche - die Luft in der Türkei sei schlecht! Es müsse etwas für bessere Brennstoffe getan werden und auch beim Verkehr müsse man einschreiten („die meisten Busse qualmen so, als sei eine Fabrik in ihnen“ - Recht hat Herr Öztürk, leider). Da der erste Tag des KickOff-Mettings auf den 66. Todestag von Staatsgründer Atatürk fällt (in seiner Todesminute 9:05 Uhr heulen die Sirenen, und die gesamte Stadt kommt im Gedenken für ein paar Minuten zum Stillstand) hat der Minister keine Zeit für das Meeting...

 

 

 

Am zweiten Tag gibt es eine ganze Anzahl interessanter Fachvorträge und auch die Situation, dass es einen ca. eineinhalb-stündigen Stromausfall gab, wurde recht souverän gemeistert. Die geöffnete Notausgangstür des hörsaalähnlichen Raumes brachte genügend Licht, alle rückten nach vorne, wo die Dolmetscherin nicht mehr simultan über Sprechanlage, sondern jetzt Satz für Satz von Herrn Novak aus der Tschechischen Republik übersetzten. Insgesamt sind zum Ende des Tages wohl alle zufrieden und mit einem gemeinsamen Essen wird die erste große Etappe des Projektes besiegelt. Auf der Internetseite (Adresse: http://www.havakalitesi.cevreorman.gov.tr/ ) des Projektes sind neben einigen Erläuterungen zum Projekt unter dem Punkt „KickOff-Meeting“ für Interessenten nicht nur die Präsentationen der Vorträge eingestellt, sondern auch ein paar Bilder mit Eindrücken des Projektes gesammelt. Insgesamt sind viele Kontakte geknüpft - ein guter Start!

Ankara, Herbst in Kızılay

Kurz vor meiner Abreise: Herbstliche Stimmung im Stadtzentrum von Ankara. Am frühen Samstag Morgen ist es im Stadtteil Kızılay noch fast menschenleer.

 

 

 

Aber auch schon fast das Ende meines Aufenthaltes in dieser Stadt, die ich insgesamt betrachtet doch sehr mag - weitaus mehr, als ich im voraus vermutet hatte. Ein wenig unwillig gehe ich den Samstag der Heimreise an, nach dem Frühstück habe ich noch zwei Stunden Zeit, bis ich zum Flughafen muss. Als ich mich noch einen Moment auf eine ruhige Bank auf dem Platz vor der großen Moschee setze, die Sonne brennt so, dass meine leichte Jacke zu warm ist, da kommt gar ein wenig Wehmut auf: Schade, dass die zwei Wochen schon rum sind! Viel Arbeit in neuem Umfeld, viele nette Menschen, viele viele neue Eindrücke - ein spannendes Erlebnis, das meine Arbeitsstelle mir da ermöglicht hat. Aber ich komme ja bald wieder nach Ankara, kurz vor Weihnachten, für eine Woche. Weihnachten hat in der Türkei keine Bedeutung, aber das große Zuckerfest (unmittelbar nach meiner Abreise) mit zwei Feiertagen zum Ende des Ramadans habe ich aber leider versäumt - wobei ich den Eindruck mitnahm, dass der islamische Glauben dort von den weitaus meisten sehr pragmatisch gelebt wird, sehr unaufdringlich und eher zurückhaltend.

Und dann ist es der 13. November 2004, 19:30 Uhr Ortszeit. Eiseskälte schlägt mir entgegen und ein schicker, professioneller, schneller Flughafen Hamburg empfängt mich. Die kühle Distanz später in der U-Bahn fällt mir auf und behagt mir plötzlich gar nicht. Ich bin zurück in der Stadt, in der man Reisende mit Koffern nicht mit einem kleinen Handzeichen lächelnd vorbei bittet, sondern locker und rücksichtslos an die Seite quetscht, keine Fahrräder („Mensch, ist doch voll hier!“) in halbvolle U-Bahn-Waggons hinein lässt und aus einer seltsamen Mischung aus Coolness und aufgedreht-sein dem abendlichen Event entgegenstrebt. Ansonsten verbiesterte Gesichter, die ich zwei Wochen lang so gar nicht vermisst habe - zurück in der Stadt, in der man sich möglichst nicht ins Gesicht schaut. Mein Blick schweift durch die Runde des U3-Waggons und es beschleicht mich das Gefühl „Was um alles in der Welt will ich jetzt eigentlich hier?“

(Der Text wurde in leicht gekürzter Form veröffentlicht in der Mitarbeiterzeitschrift "HU is HU" des Hamburger Instituts für Hygiene und Umwelt - HU -, Heft 4/2005)

 

 

Anmerkung Oktober 2010: Bis zum Oktober 2010 bin ich insgesamt 13mal nach Ankara gereist, immer für berufliche Einsätze im Rahmen von EU-Projekten, jeweils für eine Woche oder auch mal für 14 Tage. Dieses schlägt sich natürlich auch in der Anzahl der Reiseberichte auf meiner Homepage nieder: Neben diesem Reisebericht, der meine Eindrücke aus der allerersten Reise nach Ankara beschreibt, finden sich noch drei weitere Reiseberichte über Ankara auf meinen Seiten und zudem eine umfassende Bilderserie mit 86 meiner Fotos im Großformat auf einer externen Homepage. Bei weiterem Interesse empfehle ich Ihnen also die Lektüre der anderen Berichte mit weiteren Eindrücken von Reisen in die türkische Hauptstadt:

 

 


Reaktionen auf den Text, per eMail oder Gästebucheinträge:


 "Hallo Herr Matzen,
Ich bin rein zufällig auf Ihre Seite gestoßen und Ihre Reiseberichte über Ankara gelesen.
Ich habe meine jugend in Ankara verbracht und fand es sehr interessant zu lesen welchen Eindruck diese Stadt in 2 wochen bei Ihnen hinterlassen hat..
Es hat einfach freude gemacht es zu lesen. Ich Wünsche Ihnen noch viel spaß beim reisen und berichten.
mit freundlichen Grüßen"

(A.C.)
(11.10.2005)


 "Erstens will ich nur sagen das Sie diesen text nur aus einer perspektive betrachtet haben und die wäre: die Türken können nichts und sie werden nichts könne.hätten sie sich auf die Umgebung und die schönheiten von Ankara konzentriet, hätte es ihene auch dort gefallen."

(anonym)
(27.4.2006)


 "ankara ist traum stadt der beste von besten"

(anonym)
(27.5.2006)


 "nett geschrieben und am meisten musste ich über die fahrer und den verkehr lachen - sehr gut observiert! und besser noch geht es in istanbul zu... fliegen sie mal hin! sie werden was erleben... das würde ich auch gerne lesen..."

(S.E.)
(16.6.2006)


 "hallo leute.
ankara ist auf seine art wunderschön auch ohne meer.
die schöne teeparks, ataküle(fernsehturm) und die tollen shopping möglichkeiten in ulus, kizilay."

(anonym)
(3.7.2006)


 "Ich habe in diesem Jahr ebenfalls bereits einen "Twinning"-Aufenthalt in Ankara hinter mir (allerdings in einem anderen Ministerium) und kann vieles bestätigen. Übermorgen breche ich zu meiner zweiten Mission auf und freue mich schon darauf. Diesmal dürfte es in Ankara allerdings kühler sein als in Hamburg.
breche übermorgen zu meinem zweiten auf"

(anonym)
(21.7.2006)


 "Hallo, ich habe zufaellig Ihren humorvollen Artikel über Ankara gelesen und mich riesig amüsiert.
Wobei ich betonen muss, dass Sie Menschen und Staedte sehr gut beobachten können.
Ich selbst habe bis zu meinem 18. Lebensjahr in Niedersachsen gelebt und wohne nun seit fast über 18 Jahren in Ankara. und bin in dem 'abgelegenen' Stadteil Bilkent als Lektorin für Deutsch taetig.
Ich bin mit meiner Familie in die Türkei zurückgekehrt. Eher gesagt-meine Eltern sich zurückgekehrt- für mich war hier alles so neu und ganz anders als ich es bisher gewohnt war.
Aber als ich dann Ihre Beobachtungen über Ankara las, musste ich lachen, denn diese ersten Eindrücke hatte ich auch von Ankara.
Der Flughafen, dann die Stadt und vor allem der chaotische Verkehr. Und trotzdem mag man diese Stadt einfach, nich wahr:)
Und erklaeren kann man das einem anderen Menschen, der diese Stadt überhaupt nicht kennt, nur schwer: Vor allem, weil es hier kein Meer oder irgend eine andere Attraktion für Toristen gibt (bis auf die Burg und Atakule oder das Mausolaeum von Atatürk)
Ich konnte und wollte mich meines Kommentars nicht enthalten, weil Ihr Bericht mir wirklich sehr gefallen hat.
Ihre weiteren Artikel werde ich auch lesen, obwohl ich diese natürlich nicht wie den von Ankara beurteilen kann.
Viel Spass noch auf Ihren weiteren (wenn auch beruflichen) Reisen. Und versuchen Sie doch mal, Istanbul unter die Lupe zu nehmen...
PS: Die Luft in Ankara laesst übrigens im Vergleich zu November2004 sehr zu wünschen übrig. Es ist momenten recht chaotisch, richtig schlimm:(
Tschüss"

(G.O., Ankara)
(10.12.2006)


 "na das habt ihr dafon ihr katoffeln sieht ihr wie groß und schön ankara ist also verarscht net mehr die türken und fliegt lieber selbst nach ankara oder istanbul dann werdet ihr es sehen"

(anonym)
(11.1.2007)


 "Hallo Dirk Matzen, .Die ganse auskunfte uber türkei ist nicht das wahrheit,und vieles davon haben sie selber erfunfen.ich sah ehe das ganse anders rumm wo ich in der turkei wahr.Das die freauen hinter menner laufen habe ich eigendlich uberall in der weld gesehen sogar die deutschen mennner sind ein schrit vor dem frauen gelaufen.wenn auch so wehre wurde gerne mall wissen was sie daran stört.und die bilder mochte ich auch mall fragen ob sie die genemigung haben zu veröffenlichen zu dürfen.wenn ja von wem bitte nahme und e-mail adresse das ich nachfragen kann"

(anonym, mit gefälschter eMail-Adresse)
(14.1.2007)


 "Schöner Artikel über Ankara. Ich arbeite seit einem halben Jahr hier und war vorher 7 Jahre in Adana. Insgesamt ist Ankara wirklich eine graue Maus im Türkeivergleich aber man kann ihr auch noch ein paar schöne Sachen abgewinnen"

(M.)
(23.3.2007)


 "Hallo,
als halbe Ankara-erin fand ich den Bericht aus deutscher Sicht sehr interessant !"

(anonym)
(30.5.2007)


 "alos ich fliege jedes jahr nach ankara und bleibe dort auch mindestens 3 wochen. ich kann nur sagen die, die negativ über die türkei schreiben sind entweder eifersüchtig auf die schöhnheit dieses landes, oder sie versuchen krampfhaft etwas schlechtes über die türkei heraus zu finden. es gibt in ankara sehr viele versteckte orte und plätze die sehr sehr schön sind. man sollte die geschichte dieser stadt kennen um besser urteilen zu können."

(anonym)
(13.8.2007)


 "also ich finde ankara richtig schön und die Leute die keine ahnung haben sollten lieber garnichts sagen. Ankara ist nicht umsonst die Hauptstadt über solche negative sachen könnt ich mich so richtig aufregen naja sind ja auch die deutschen sind ja nur neidisch auf unser Land, zumindest sind unsere Leute viel menschllicher als die deutschen."

(anonym)
(18.8.2007)


 "ich sammle daten für ein referrat, aber dein bericht verdeutilcht vieles auf eindrucksvolle art und weise."

(E.)
(19.2.2008)


 "Ich bin aus Ankara , ich habe Ihr Bericht gelesen und habe festgestelt daß, Sie ganz objektiv berichtet haben. Wir leben im Jahre 2008 und Ankara ist heute noch so wie Sie berichtet haben . Es hat sich bis heute nichts geändert. Ich kann sagen , sogar es hat sich verschlimmert. Es gibt viele negative meinungen über Ihr Bericht , aber ich kann Ihnen sagen daß, diese Menschen alles so sehen vie sie es sehen wollen. Machen Sie es so weiter ich Gratuliere Ihnen"

(E.S., Ankara)
(31.10.2008)


 "Erstens: Ich fand den Bericht sehr sehr interessant. Ich verstehe nicht die, die meinten dass Türkei in diesem Bericht schlecht gemacht wird. Der Autor hat zuwohl positives als auch negatives Beschrieben. Anscheinend haben manche es nicht ganz verstanden. Ich rate Euch lest ihn nocht einmal. Erstaunt war ich über den letzten Absatz. Ich bin selber Türkin und dachte nur die Türken empfinden es so, wenn sie aus der Türkei wieder nach Deutschland kommen. Schön zu wissen, dass es nicht so ist:))"

(unbekannt)
(24.8.2008)


 

 


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