Reisebericht Bukarest #3 (2007):
  Wunderbare Stadt der 1000 Seen -
  und der Service-Wüste

Ein (weiterer) Reisebericht aus der Hauptstadt von Rumänien
   mit 34 Bildern
Oktober 2007




Bukarest, Kuppel des Rumänischen Athenäums

Bukarest - Die Kuppel des Rumänischen Athenäums.

Zugegeben - es ist noch gar nicht allzu lange her, dass ich mir noch nicht im Bukarest, RevolutionsplatzKlaren war, was in Bukarest wohl schneller voranschreitet: die Restaurierung oder der Verfall der im Stadtinneren enthaltenen Bausubstanz (siehe frühere Artikel von Februar 2005 und Februar 2006). Nach ein paar weiteren Besuchen in dieser Stadt ist diese Frage für mich mittlerweile jedoch geklärt: zumindest in der Innenstadt schreitet der (Wieder-)Aufbau mittlerweile derart schnell voran, dass es für mich keinen Zweifel gibt, dass das Zentrum wirklich boomen wird und dass zumindest die Altstadt in 10 bis 20 Jahren eine Perle Europas voller Flair und - dann hoffentlich auch - Charme sein wird! Nicht zuletzt der EU-Beitritt zum 1. Januar 2007 scheint hierbei einiges an Dynamik zu bewirken.

Was sich jedoch in den Außenbezirken tut und tun wird, ist mir jedoch noch nicht im Geringsten klar... Trotzdem ist es an der Zeit, endlich einmal nicht nur das Grau der Stadt zu betonen, das es natürlich nach wie vor gibt - sondern auch einmal die Schönheit der Stadt zu betonen. Klar, Bukarest ist noch immer voller krasser Gegensätze - trotzdem zeigen die hier aufgeführten, neueren Bilder sicherlich auch auf: es tut sich einiges in Bukarest! Es gibt viel Schönes und Interessantes zu sehen.

 

 

 

Waren meine ersten Besuche in dieser Stadt im Winter und zeigten mir vor allem, dass es bei vielen Menschen noch eine große Not gibt, so entstand bei anderen Besuchen im Spätsommer bzw. Herbst ein anderes Bild. 2007 sehe ich kaum noch die vielen, vielen Bettler auf den Straßen, die vor allem im strengen Winter 2005 meine Eindrücke bestimmten. Vielen Leuten geht es augenscheinlich gut. Andererseits jedoch sieht man vielen durchaus noch an, dass sie sich viel mit sich selbst und ihrer wirtschaftlichen Lage beschäftigen müssen. Aber, als Beispiel: gab es bei früheren Besuchen keine einzige Metrofahrt, ohne dass Bettler durch die Wagen zogen (fast immer alte, mitleiderregend gebeugte Frauen), so passiert dies nur noch ganz vereinzelt - was wohl nicht nur eine Folge der eingesetzten funkelnagelneuen und sehr angenehmen U-Bahn-Waggons sein wird...

Bukarest, Athenäum kurz vor Sonnenuntergang

Das Rumänische Athenäum in Bukarest (erbaut ab 1896) ist kurz vor Sonnenuntergang wunderschön
(Foto: Oktober 2007) ...

Bukarest, Blick in das prunkvolle Athenäum

Und der Blick ins Athenäum prunkvoll!
(Foto: September 2007)

 

 

 

Wunderbares Bukarest: Es brauchte einige Besuche in Bukarest, bis ich die Atmosphäre in der Altstadt mögen, ja... - oder doch eher zu schätzen gelernt habe. Besonders abends, nach Sonnenunter-gang, verschwindet das Grau der Gebäude. Es wird alles in ein fahles, manchmal funzeliges Licht getränkt und strahlt Heimeligkeit, ja, Gemütlichkeit, aus. Viele Menschen sind auf den Straßen unterwegs, zumeist aufgeschickte junge Rumänen, manchmal auch hoffnungslos über-aufgeschickt... Sehr schöne, stilvolle Cafés und Kneipen schießen offenbar wie Pilze aus dem Boden, dort wird in eine Freizeit-Gesellschaft investiert - die von recht vielen auch schon genutzt wird. Und: Es bringt Spaß, diese auszuprobieren! Keine Frage: dieses Stadtviertel hat Flair! Zuweilen ist es schon fast wunderschön. Besucht man dieses Viertel bei Tageslicht, so geht vieles von dieser Magie verloren: das Grau vieler Häuser und der zumindest von außen noch sanierungsbedürftige Zustand tritt in den Vordergrund. Aber: es tut sich etwas!

 

Bukarest, bei der Nähe der Rumänischen Nationalbank

In der Nähe der Rumänischen Nationalbank in Bukarest.
(Foto: Oktober 2007)

Bukarest, Beleuchteter Sparkassenpalast in der Nacht

Bukarest - Auch der Sparkassenpalast ("Palatul C.E.C.") von 1900 wird bei Nacht wunderbar beleuchtet.
(Foto: September 2007)

 

 

 

Schreckliches Bukarest: Sollte man das "Glück" haben, in Bukarest eine regnerische Zeit zu erleben, so bekommt man ebenso eine ganz charakteristische Seite der Stadt zu Gesicht, oder besser "zu Füßen". Es entstehen Pfützen. Überall. Tausende kleiner Seen... Allein die Einfahrt zu meiner Dienststelle versank in einer ca. 150 m² großen matschigen Pfütze, die tief genug war, um darin unter unglücklichen Umständen ertrinken zu können. In der ganzen Stadt muss man sich um solche Pfützen herum lavieren. Das Reinigen und Wienern der Schuhe wird zu einem täglichen Ritual, das Trocknen von Füßen und Socken ebenso.

 

Bukarest, Abendstimmung auf dem Revolutionsplatz, der Piaţă Revoluţiei

Abendstimmung auf dem Revolutionsplatz, der "Piaţă Revoluţiei", in Bukarest.
(Foto: Oktober 2007)

 

 

 

Wunderbares Bukarest: Nicht nur die Entwicklung der Kneipen-Kultur geht rasant voran, auch die Restaurierung der alten Bausubstanz. Historische Gebäude wie das Athenäum, die zentrale Universitäts-Bibliothek, Nationalbank, Sparkassen-palast, alter Königspalast erstrahlen wirklich sehr schön im neuen Glanz. Auch hier gilt: abends um so eindrucksvoller, denn alles wird effektvoll beleuchtet, wie einige der Bilder auf dieser Seite zeigen. Bukarest hat vieles wunderschönes zu zeigen. Die schlafende Schönheit erwacht offenkundig wieder. Auch wenn es mir schwer fiel, die Stadt zu mögen: langsam, ganz langsam, entwickle ich ein gutes Gefühl zu Teilen von Bukarest.

 

Bukarest, früherer Königspalast und Hilton Hotel

Bukarest - Der frühere Königspalast  (links), im Hintergrund das Athénée Hilton Hotel.
(Foto: September 2007)

Bukarest, Parlaments-Palast als Nachtaufnahme (früher der Palast des Volkes)

Bukarest - Ohne Zweifel immer wieder eindrucksvoll: der von dem Ceauşescu-Regime gebaute "Palast der Volkes" (heutiger Parlamentspalast), das zweitgrößte Gebäude der Welt nach dem Pentagon.
(Foto: September 2007)

 

 

 

Schreckliches Bukarest: Zumindest für westliche Touristen ist der meist übliche Umgangston... nun ja, nennen wie es mal: gewöhnungs-bedürftig. Freundlichkeit oder gar Service scheint im allgemeinen ein Fremdwort zu sein. Die Bedienung in allzu vielen Restaurants ist oft achtlos, unfreundlich, gar herablassend. Ausnahmen bestätigen die Regel - aber das Preissegment bei Restaurants ist nicht in jedem Fall ein Indikator dafür, wie man behandelt wird. Auch in Geschäften, vom Mini-Kiosk bis zum riesigen Einkaufszentrum hat man zumeist kein Glück, das Geschäft wird häufig muffelig abgewickelt - und fertig! Taxifahrer sind meistens unfreundlich und eigentlich immer nur darauf bedacht, einen Touristen "über den Tisch zu ziehen" und mit völlig überhöhten Preisen zu betrügen. Taxis in Bukarest sollten von Touristen grundsätzlich boykottiert werden, man kann vieles bestens mit Bussen und Metro erreichen! Absolut Typisch zum Beispiel auch die von mir bei der Abreise erlebte Szene: Der Flughafenbus zum internationalen Flughafen in Otopeni fährt ca. halbstündig aus dem Stadtzentrum. Bei meiner Abreise im Oktober 2007 steht der Bus schon bereit, als ich zur Haltestelle eile. Leicht verschwitzt laufe ich zum Fahrer, frage ihn auf englisch, ob ich ein Ticket kaufen könne. Wortlos schüttelt er den Kopf. Wo ich denn ein Ticket kaufen könne? Er zuckt, ebenso, wie der ihn begleitende Sicherheitsmann, die Schulter. Wann er denn losfahren würde? Wortlos dreht er sich um zum Businneren schaut in die Runde, legt kurz den Kopf zur Seite. Noch mal die Frage, wo ich denn die richtigen Tickets bekomme, ich müsse bald zum Flughafen? Er brummt höchst genervt "next station", bedeutet mir mit einer Handbewegung, den Eingangsbereich verlassen zu müssen, knallt mir die Tür vor den Nase zu und fährt ab. Bukarest - wie es typischer kaum geht!

 

Bukarest, Fontänen auf der Piata Unirii

Auf der zentralen, riesigen Piaţă Unirii in Bukarest ("Platz der Einigkeit") sind im Sommer einige der tausende Fontänen in Betrieb - manchmal...
(Foto: September 2006)

Bukarest, Universitätsgebäude und Universitätsplatz

Das Uni-Viertel in Bukarest macht einen aufgeräumten und angenehmen Eindruck.
(Foto: September 2006)

 

 

 

Wunderbares Bukarest: Sie suchen in Bukarest Entspannung? Kein Problem, die Stadt verfügt über einige schöne, gepflegte Parks, die in der Tat zum Verweilen einladen! Gerade die in nördlichen Stadtteil, rund um die augenscheinlich aus einem alten Flussbett entstandenen Seen, sind tolle Kombinationen aus Grün und Wasser entstanden. Man sollte sich hier durchaus mal eine Auszeit nehmen, vielleicht mal eine kleine Schifffahrt mitmachen. Oder einen Abstecher in das nahe gelegene, ebenfalls schöne Dorfmuseum, in dem zahlreiche Original-Bauernhäuser aus mehreren Jahrhunderten und dem gesamten Land zusammengetragen und originalgetreu aufgebaut worden sind. Angeblich das größte Freilichtmuseum Europas: sehr schön und gelungen!

 

Bukarest, Park Gradina Cismigu

Ein schöner Park mitten in der Innenstadt von Bukarest: der Grădina Cişmigu.
(Foto: Oktober 2007)

Bukarest, Dorfmuseum

... oder vielleicht ein Besuch im Dorfmuseum "Muzeul Satului"?
(Foto: September 2007)

Bukarest, Statue von Charles de Gaulle am Parul Herastrau

Charles de Gaulle auf der Wacht vor dem Parcul Herăstrău in Bukarest.
(Foto: September 2007)

 

 

 

Schreckliches Bukarest: Keine Frage - Bukarest ist auch die Stadt der total enthemmten, völlig überzogenen und aufdringlichen Werbetätigkeit! Gewaltige Multimedia-schautafeln wie bei einem "Public Viewing" an großen Straßen-kreuzungen für die Autofahrer, unendlich viele Riesen-Plakate an Häusern (teilweise sind komplette Häuser zugehängt, die Bewohner, die in den Wohnungen auf Tageslicht und freie Sicht verzichten müssen, werden mit 5-10 Euro pro Monat "entschädigt"...), beklebte Fußwege, riesige Aufsteller in der Innenstadt und in Metrostationen, herumfahrende Autos mit dröhnenden Lautsprechern, auf meterhohen Bühnen platzierte Autos, Fahrradgruppen in leuchtenden Farben mit Schildern an den Gepäckträgern (es gibt in Bukarest so gut wie keine Radfahrer, man fällt also schon allein als solcher auf...), laut plärrende Multimediaaktionen in Metrostationen. Keine vorstellbare, aggressive Werbeform wird ausgelassen. Der Verteilungskampf der ausschließlich westlichen Firmen ist in vollem Gange. ALLES (außer Palast, Ministerien und Kirchen) ist voller Plakate! Teilweise hat die Werbung sogar etwas Gutes: kommt hierdurch immer etwas Farbe in das Grau ganzer Stadtteile...

 

Bukarest, Riesige Werbeplakate an zwei Hochhäusern

Bukarest - riesige Werbeplakate an Gebäuden sind gang und gäbe in Bukarest. In diesem Fall werden immerhin keine Bewohner beeinträchtigt, die Gebäude stehen seit Jahren unvollendet und unbewohnt leer.
(Foto: September 2007)

Bukarest, massive Werbung im Straßenbild

Bukarest - Manchmal erscheinen Werbeplakate wie Farbkleckse im grausigen Grau... Den Mietern, die die übergroßen Werbebanden vor den Wohnungsfenstern haben, werden fünf bis zehn Euro Entschädigung pro Monat gezahlt: schwacher Ausgleich für fehlendes Tageslicht!
(Foto: Oktober 2007)

Bukarest, unterschiedliche Dachtürmchen

Auch diese beiden klassizistischen Türmchen auf dem Gebäude lassen Stilbrüche ahnen.
(Foto: Oktober 2007)

Bukarest, Radweg mit einem riesigen Loch mittendrin

Ganz neu in Bukarest: Fahrradwege! In der Innenstadt gibt es zahllose, ganz neu angelegte, farblich gut abgesetzte und grell markierte Wege für Radler. Allein: es fehlt bisher fast völlig an Fahrradfahrern - und ganz vertrauenswürdig sind die Wege offenbar auch nicht...
(Foto: September 2007)

 

 

 

Anmerkung Mai 2009: Insgesamt sieben Mal bin ich nach Bukarest gereist, immer zu beruflichen Einsätzen im Rahmen von EU-Projekten, jeweils für eine Woche. Dieses schlägt sich auch in der Anzahl der Reiseberichte auf meiner Homepage nieder: Neben diesem Reisebericht finden noch drei weitere Reiseberichte über Bukarest auf meinen Seiten und außerdem eine umfassende Bilderserie mit 71 meiner Fotos auf einer externen Homepage.

Dieser Bericht beinhaltet meine Eindrücke aus meiner dritten und vierten Reise nach Bukarest. Bei Interesse empfehle ich Ihnen also die Lektüre der folgenden Berichte der anderen Reisen:

 

 

 


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