KZ Auschwitz - Wo Grauen greifbar wird

Ein Erlebnis-/Reisebericht von einem Besuch des Konzentrationslagers im Jahr 1987
   mit 13 Bildern




KZ Auschwitz-Birkenau

Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, eines der ab Frühjahr 1942 eingerichteten "Vernichtungslager". Der Blick vom Turm über der Durchfahrt auf das Gelände zeigt, wie riesig dieses Lager war. Links zu erkennen noch einige Reste von Baracken - und einige nachträglich wieder aufgebaute. Ganz hinten, kaum zu erkennen, die Krematorien und die Gedenkstätte.

Ein wenig verwegen komme ich mir schon vor mit meiner Frage, ob ich eine Woche frei bekommen könne, Urlaub sozusagen. Mein Praktikum in der Telefonzentrale der polnischen 600.000-Einwohner-Stadt Poznań (früher Posen) soll insgesamt nur sechs Wochen dauern - und dabei dann noch eine Woche frei machen? Zusammen mit neun anderen Praktikanten (wir sind alle zusammen im Studentenwohnheim untergebracht) planen wir eine kleine Rundreise durch Polen. Eine Woche lang plus die beiden angrenzenden Wochenenden wollen wir das Land erkunden, ein wenig zumindest. Nach Warszawa (Warschau), Kraków (Krakau) und Gdańsk (Danzig) soll uns unsere Rundreise führen.

Meine Verblüffung ist jedoch nicht gering, als meine Frage bei meinen Chefs nicht nur auf Zustimmung trifft, sondern geradezu begeistert aufgenommen wird: ja natürlich soll ich ihr geliebtes Heimatland Polen kennen lernen! Diese fast euphorische Reaktion mag wohl an dem ausgeprägten Nationalstolz liegen - natürlich schmeichelt es diesem, wenn jemand dem eigenen Land mit Neugierde und großem Interesse begegnet. Meine neun Mitfahrer (vier Spanier, ein Grieche, zwei Niederländer, eine Schwedin, eine Norwegerin und ein weiterer Deutscher) machen alle genau die gleichen Erfahrungen - also kann es losgehen.

Almatur-Studentenhotel KrakówDas Almatur-Studentenhotel in der schönen Stadt Kraków bietet dann zu Beginn der Woche auch einen guten Startpunkt für Ausflüge in die Umgebung, also beschließt die kleine selbstorganisierte Reisegruppe, einen Ausflug in die Berge nach Zakopane zu machen. Mich jedoch zieht es nicht so sehr dorthin - auf mich hat ein anderer Ort eine größere, tiefe Anziehungskraft, wenn auch aus anderen Gründen: Oşwięcim. In der Welt besser bekannt unter dem deutschen Namen Auschwitz, Ort des größten Verbrechens der Menschheitsgeschichte. Menschenvernichtungslagers während des deutschen Nationalsozialismus. Fahrkarte von Kraków nach Oşwięcim 1987.Meine ausländische Studentenfreunde zeigen Überraschung undAuschwitz/Oşwięcim, Stadtplan Verständnis - Nikos, der Grieche, entschließt sich sogar, mich zu begleiten. Die ca. 50 Kilometer lange Zugfahrt kostet mich als Student ermäßigte 42 Złoty, umgerechnet 9 Pfennige (ab 2002 4,5 Euro-Cent).

Tags darauf - ein wenig überrascht muss ich zur Kenntnis nehmen, dass Oşwięcim nicht „nur“ Konzentrationslager ist. Eine lebendige Stadt mit rund 50.000 Einwohnern und - wie ich erst später erfahre - Jahrhunderte alter Geschichte empfängt mich. Der Weg ins das Hauptlager des Konzentrationslagers ist jedoch schnell und leicht gefunden, schließlich sind viele andere auch auf dem Weg dorthin.

Es ist dies nicht das erste Konzentrationslager, das ich betrete - doch trotzdem lässt mich der Gang durch das Tor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“ nicht kalt, mir laufen eisige Schauer den Rücken hinunter. Viele zuvor gesehene Berichte und Bilder huschen mir durch den Kopf, sowie der Besuch im Konzentrationslager Dachau bei München. Nach Betrachten eines Dokumentarfilmes nimmt dieses Gefühl von Entsetzen zu, der Gang durch die früheren steinernen Häftlingsblocks, heute zumeist Ausstellungshallen, lässt mich schaudern.

 

 

 

Vieles jedoch hat man schon gesehen - auf Bildern. Hier steht man jedoch davor, mittendrin und sieht in einem großen, verglasten Raum… eine nicht abschätzbare Menge an Brillen, eingesammelt von den Internierten. Zig Kubikmeter Brillen von Ermordeten. Oder einen Raum voller Schuhe. Oder, für mich besonders eindrucksvoll, die Halle mit menschlichen Haaren. In Gedanken gehe ich durch: trotz meiner recht langen Haare hinterlasse ich beim Friseur nur ein verschwindendes Häuflein an Haaren auf dem Boden. Wie viele Menschen sind notwendig, um diesen Berg von sieben Tonnen Haaren zusammen zu tragen? Auf bedrückende Weise unvorstellbar!

Die Haare selber sind hier jedoch letztlich nur ein Mittel dazu, Bilder zu erzeugen. Man kommt eigentlich nicht umhin, sich vorzustellen, von was für Menschen diese Haare stammen. Was für Situationen sie durchmachten. Wie ihnen zumute war, als ihnen die Haare vom Kopf geschoren wurden. Es schnürt einem die Kehle zu. Obwohl sich die Deutschen vor dem Rückzug aus dem Lager bemühten, die Warenlager zu vernichten, fand die Rote Armee nach der Befreiung von rund 350.000 vollständige Männeranzüge sowie 830.000 Frauenkleider.

Dreht man sich von dem Blick auf diesen Haarberg um - schaut man in Gesichter. Fotos von früheren Häftlingen schauen einen geradewegs an. Die Gesichter sind ernst und hart, die Blicke jedoch für mich überraschend klar und geradeaus.

 

 

 

Block 11 - der Todesblock. Äußerlich unterscheidet er sich in keiner Weise von den anderen. Und doch war er gefürchtet. Der Block war ständig verschlossen, der Hof war mit einer hohen Mauer umgeben. Niemand konnte hinein schauen, nur Schüsse waren zu hören - 20.000 Leben wurden dort an der „Todeswand“ beendet (die Einwohnerzahl meiner Geburtsstadt). Und dann stehe ich plötzlich in den Dunkel- oder Stehkammern, in denen gut 40 Jahre zuvor hunderte von Menschen zu Tode gefoltert wurden. Das Grauen wird mit Händen greifbar - eigentlich benötige ich Zeit, ein wenig zu verweilen, zu „be-greifen“. Das Unfassbare wird hier greifbar.

Aber: leider geht dies nicht. Ich würde im Weg stehen. Es ist voller Menschen an diesem Tag im Auschwitz-Lager I. Und: Die vielen Menschen fangen an, mich in meinen Gedanken zu stören.

 

 

 

Damit sich ein Besuch im Konzentrations-lager Auschwitz für einen persönlich „lohnt“ muss man die Bereitschaft mitbringen, sich auf die Dinge einzulassen, sie auf sich einwirken zu lassen, die eigene Vorstellungskraft zu bemühen. Ob man es wirklich schaffen kann, die zahlreichen massiven Eindrücke an sich abperlen zu lassen, indem man den Ort wie ein beliebiges Museum „anschaut“? Die vielen Menschen hier könnten einen hierzu verführen - man findet keine Ruhe zu verweilen, zu verdauen, vielleicht zu weinen… Und das bei den vielen Bildern und Eindrücken, die hier auf einen einprasseln! All das theoretisch erworbene Wissen hilft einem hier nicht.

Bei meinem griechischen Begleiter bemerke ich jedoch zunehmend eine gewisse Unruhe und Ungeduld. Selber von meinen Eindrücken überrollt, trifft es mich geradezu in Mark und Bein, als er mir nach insgesamt rund zwei Stunden eröffnet „Well, there is nothing to see here - I would like to go back to Kraków“. Offenkundig hat er einen komplett anderen Bezug hierzu als ich, als Deutscher. Unsere Wege trennen sich, mein Bedürfnis, mehr zu sehen kann ich weiter nachgehen.

Lohnenswert und auch - bei weitem - nicht so bevölkert nehme ich mir dann noch Zeit für die speziellen Ausstellungen, die von den am schlimmsten von der Verfolgung betroffenen Ländern erstellt worden sind. Kopfschüttelnd registriere ich hierbei unter anderem eine Ausstellung der DDR, offenbar sieht man sich dort auch vor allem als Opfer der deutschen Nazi-Barbarei.

KZ Auschwitz-Birkenau, Ruinen des Krematoriums III

Ruinen des Krematoriums III im Lager Auschwitz-Birkenau.

 

 

 

Mein Kopf ist schon voller Bilder und Eindrücke, als ich die Sonderausstel-lung aus Frankreich in Block 20 betrete - für mich die eindrucksvollste. Keine allzu langen Schriftstücke und Dokumentatio-nen, stattdessen eine Ansammlung an beeindruckenden Fotos und Bildern. Die Darstellungs-weise ist ein wenig effekthaschend - aber doch gut. Auf einem etwas erhöhten Laufsteg geht man durch die Ausstellung, die sich auf einer Spirale um diesen Laufsteg herum windet. Läuft man nun hier durch und betrachtet die Bilder aufmerksam (es war hier glücklicherweise recht menschenleer), dann geht man langsam und ständig in einer großen Spiralenbewegung vor sich schauend voran. Und irgendwann wird es passieren: es wird einem schwindelig, man fängt an zu taumeln, findet aber keine Halt in unmittelbarer Nähe. Plötzlich fühlt man sich selber hilflos, man bekommt das Gefühl, dass einem an diesem Ort die Sinne schwinden müssen und nichts wirklich zu fassen ist. Schwindelerregende Eindrücke!

 

 

 

Tief beeindruckt beschließe ich, den Ort des Grauens und der Menschenan-sammlung zu verlassen… Aber kann ich jetzt am frühen Nachmittag, einfach so, wieder zurück nach Kraków fahren und mich mit meinen Bekannten treffen, Kaffee trinken, Wodka trinken, feiern? Ein wenig ziellos laufe ich umher, dann fällt plötzlich der Entschluss, dass es das noch nicht gewesen sein kann, drei Kilometer vor den Toren von Oşwięcim befindet sich die Ortschaft Brzezinka, weltweit besser bekannt unter der deutschen Bezeichnung Birkenau. Hier war eines der Außenlager des KZ Auschwitz, das größte. Als „Vernichtungslager“, in dem die Deutschen geschätzte 1,5 Mio. Leben systematisch auslöschten - fast die Einwohnerzahl Hamburgs.

Flugs ist ein Stadtpan gekauft, ich beschließe, mich zu Fuß dorthin zu begeben. Schon abends kann ich mich an diesen Fußmarsch selber an den Ort nicht mehr erinnern - zu gedankenverloren bin ich. Erinnern kann ich jedoch noch an den Moment, als ich nach einer lang gezogenen Kurve einen kleinen Hügel hinauf gehe und plötzlich das Haupttor des Lagers Birkenau vor mir sehe. Gar nicht mehr so weit entfernt.

Wie ein Schock wirkt dieser Anblick auf mich. Das markante Haupttor ist das eigentliche Bild, das man von dem Konzentrationslager Auschwitz kennt und mit ihm verbindet. Der große Einfahrtsbogen bot den ankommenden Zügen genug Platz, mitten in das Lager hinein zu fahren. Nun stehe ich davor. Es ist offen - einladend. Und doch: mit dem Wissen des hier Vorgefallenen kann ich Beklemmungen und einen Druck in der Magengegend nicht ignorieren. Fünfzehn Jahre, nachdem das Grauen an diesem Ort beendet wurde kam ich auf die Welt. Lange Zeit kamen mir diese 15 Jahre wie eine unendliche Ewigkeit vor, weit weit entfernt zurück - in dem Moment, in dem ich hier vor dem unversehrten Tor stehe, begreife ich: es war eigentlich nur ein winziger Wimpernschlag der Geschichte, dass ich das Glück hatte, diese Zeit nicht erleben zu müssen.

Den Turm des Haupttores kann man begehen, ebenso wie die Nebengebäude. Dort gibt es zwei Dinge: eine kleine Ausstellung - und eine umfassende Übersicht über das Gelände. Mein Bedarf an Ausstellungen ist für heute gedeckt, jedoch stockt mir bei Aussicht vom Turm der Atem, ich schlage die Hand vor den Mund: das Gelände ist ungeahnt riesig! Viel, viel größer, als das zentrale Hauptlager. Es stehen nur noch wenige der Baracken, von vielen sind nur noch Grundmauern bzw. Grundrisse zu sehen. Sie standen eng aneinander. Die Größe des Geländes ist kaum zu schätzen. Vielleicht die Größe von 20 oder 50, vielleicht aber doch 100 Fußballfelder?

 

 

 

All das, was ich aus Schulzeiten, aus Filmen, Dokumentatio-nen, aus Büchern und Zeitschriften über Konzentrations-lager so im Sinn habe - hier liegt es plötzlich vor mir: die Baracken, die Stacheldraht-zäune, die Zuggleise an denen gleich die erste „Selektion“ stattfand und weit hinten die Ruinen der Krematorien. Plötzlich sind diese Bilder hier greifbare Realität. Und ich stehe dort, wo vor 43 Jahren SS-Aufseher standen - dies kann ich kaum ertragen.

Erstaunt registriere ich noch, dass kaum Menschen auf dem riesigen Areal zu sehen sind, ein paar Gärtner und Handwerker, die in offenbar großer Ruhe die Stätte pflegen. Ganz vereinzelt nur ein paar Besucher, die in kleinen Grüppchen über das Gelände streifen.

Ich begebe mich hinunter vom Haupttor, hinein ins Gelände des Konzentrationslagers und es empfängt mich mit… Ruhe. Stille.

Endlich Ruhe und Raum zur Kontemplation. ich komme zur Selektion. Kein Mensch da - Glück für mich!

KZ Auschwitz-Birkenau, in einer Holzbaracke

In einer der original erhaltenen Baracken im Lager Birkenau. Die Aufschriften der Holztafeln: "Im Block Mützen ab" und "Eine Laus - Dein Tod". 400 bis 700 (in Einzelfällen über 2000) Menschen wurden hier untergebracht.

 

 

 

Hinein in eine der noch original erhaltenen und restaurierten Baracken, ich werde empfangen mit dem Satz „Eine Laus - Dein Tod!“, gemalt auf einem Holzbalken mitten im Raum. Ich versuche mir vorzustellen, wie sich hunderte von Menschen in dieser Hütte drängen. Es gelingt mir nicht wirklich. Es stellt sich nur Fassungs-losigkeit ein.

Ein wenig ziellos schlendere ich durch das Lager, die Bahngleise entlang zum „Internationalen Denkmal für die Naziopfer“, zu den Resten der Krematorien, zum See, der die Asche der Toten schlucken musste, an Baracken, Stacheldraht und vielen grünen Wiesen entlang. Die Bilder vor meinen Augen vermischen sich mit denen in meinem Kopf, alles scheint plötzlich voller Baracken und geschundenen Menschen. Millionenfache Höllenqualen, millionenfache Todesangst - hier ist war dies zu Hause.

Zeit zur Muße, Zeit zum Nachdenken - Zeit für Gefühle.

Denn: Der etwas unwirkliche Frieden, der heutzutage von diesem Ort der systematischen, maschinellen Menschenvernichtung ausgeht, rührt mich an wie weniges zuvor in meinem Leben - rührt mich zu Tränen. Scham -  gewaltige Scham - Trauer und Fassungslosigkeit über die Grausamkeiten bedrücken und schütteln mich - ich kann sie fast mit Händen greifen, die Last der Verantwortung, die die Deutschen tragen. Also auch ich. Verantwortung dafür, ähnliches nie wieder passieren zu lassen. Verantwortung dafür, diese Untaten nicht zu vergessen und diesen Ort zu erhalten.

Und: hier ist sie auch sichtbar, die Schuld, die auf den Deutschen liegt. Auch auf mir - auch wenn ich zum Zeitpunkt des Geschehens noch gar nicht geboren war. Ich selbst bin zwar nicht schuldig - aber es gibt da eine Schuld, eine Gesamtschuld, die man nicht einfach wegdiskutieren kann. Es soll ja wirklich solche Leute geben, die dies wollen. Gar wichtige Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Mir ist dies persönlich peinlich und ich registriere dies voller Scham!

 

 

 

Ein sonderbares Gefühl beschleicht mich darüber hinaus an diesem Ort: Obwohl ich zuweilen im Umkreis von hunderten von Metern der einzige sichtbare Mensch weit und breit bin fühle ich mich nicht alleine, nicht eine Sekunde. Ein äußerst sonderbares Gefühl - vielleicht ja auch „nur“ mein Weg, das Massenmorden an diesem Ort überhaupt verkraften zu können, das Unvorstellbare irgendwie zu ertragen? Aber - wer weiß es schon, was dieses Empfinden war?

Einige Stunden verweile ich hier. Die friedliche und ruhige Stimmung erscheint mir bis zum Ende meines Besuchs irreal. Aber sie ist wohltuend, hat eine gewisse Magie, hinterlässt einen versöhnlichen Eindruck. Man muss jedoch die Bereitschaft und auch die Kraft mitbringen, sich hierauf einzulassen. Aber dieser Ort zeigt mir: Ja, es scheint allen Schrecken zum Trotz Raum für Frieden und Versöhnung zu geben!

Ein anderer Student aus meiner "Praktikumsgruppe" machte bei seinem Besuch in Birkenau zu einem anderen Zeitpunkt gänzlich andere Erfahrungen. Er wurde von anderen Besuchern - er ist auch Deutscher - heftig beschimpft und mit der Androhung von Gewalt wurde er aufgefordert, das Gelände zu verlassen. Die anderen Besucher waren Amerikaner. Wer weiß schon, welch tiefer Schmerz diese Leute bewegte? Aber ob Gewaltandrohung angebracht ist, gerade hier?

Der Tag meines Besuches geht jedoch langsam zur Neige und mit letztendlich verblüffend großer Ruhe verlasse ich das Konzentrationslager Birkenau. Zu Fuß geht’s zurück in die Stadt Oşwięcim. Am anderen Ende der Stadt registriere ich erst jetzt eine ganze Anzahl von hohen Schornsteinen, dicker weiß-gräulicher Raum quillt aus ihnen hervor. Ich sinniere darüber ob dies wohl die Chemiefabrik der früheren IG-Farben ist, weiß dies aber nicht (direkt neben dem Fabrikgelände gab es übrigens ein weiteres Lager, das zum KZ Auschwitz gehörte: Monowitz).Polen Busticket von 1987

Ich beschließe, dass es jetzt aber genug ist mit der Gedankentiefe - den erstbesten Bus, der mir über den Weg fährt und der Richtung Bahnhof fährt, ist meiner! Erst dort bemerke ich meine geistige und körperliche Erschöpfung - und zusätzlich bemerke ich die Kontrolleurin, die durch den Bus geht und die Tickets kontrolliert. Kein Problem, denke ich - ich habe mein Ticket, der Fahrpreis beträgt umgerechnet einen Pfennig, an diesem Lochmuster-Quetscher ja entwertet. Aber mitnichten: etwas gefällt der mittelalten Dame an meinem Ticket nicht. Mit aller Autorität lässt sie einen Schwall sehr schnell gesprochenes Polnisch auf mich hernieder prasseln. Ich verstehe nichts, bringe mit „Przepraszam“ gerade mal eine polnische Entschuldigung hervor, um dann in Englisch zu erklären, dass ich kein Polnisch spräche. Die Kontrolleurin schaut mir ernst ein paar Sekunden lang in mein erschöpftes und wohl leeres Gesicht - dann huscht ein freundliches, Lächeln über ihr Gesicht, sie gibt mir das Ticket zurück, nickt mir freundlich zu und geht weiter...

 

 


Reaktionen auf den Text, per eMail oder Gästebucheinträge:


"Ich habe aehnliche Erfahrungen beim Besuch des Todeslagers gemacht und finde es sehr gut, dass du ueber deine Gefühle gerade auf dieser Seite schreibst. DANKE!"

(F.U.)
(10.7.2005)


"Hallo ihr Schokopimmels /.../

haaaaloooo
du poooopel

Deutschland wird Weltmeister!!!!!!
du muschi!!!!!!!"

(anonym - natürlich!)
(4.7.2006)


"Hallo Dirk,
danke fuer diesen Bericht, den ich bei umdiewelt.de eigentlich nicht so erwartet haette (zwischen all den Abenteuerreisen) ;-) Find ich aber gut!!!
Gruss"

(C.)
(13.11.2006)


"Hey...
danke für den bericht.. ich find des einfach nur schrecklich was da passiert ist...
im Mai fahren wir selbst dahin... und deshalb dank ich dir für dein bericht...
lg.."

(L.)
(14.1.2007)


"I think the burden of the responsibility to never let something like this happen again is not just for German people; it's for all of us. That's why it is so important to keep telling these stories to each other.

Thank you for sharing your story so beautifully."

(A., Niederlande)
(9.9.2007)


 

 


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Dirk Matzen

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