Reisebericht Beijing (Peking) -
  Imposante Weltstadt ohne Weltbürger

Ein Reisebericht über eine Reise nach Beijing (Peking), die Hauptstadt von China, im März 2012
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Peking, Verbotene Stadt

Die Dächer der "Verbotenen Stadt" in Beijing (Peking) haben auch an einem trüben Tag ihre ganz eigene Magie.

Also, wirklich! Irgendwie hatte ich mir China und speziell die Hauptstadt Beijing (in Deutschland eher noch als "Peking" geläufig) anders vorgestellt! Irgendwie doch etwas kleiner. Irgendwie mit eher steifen und wenig abwechslungsreichen Menschen. Irgendwie unmoderner. Für unsere Verhältnisse alles eher einfach. Und billig. Mit mehr Polizei, viel mehr. Mit Unterdrückung und Kontrolle. Mit mehr kommunistischem Muff und sozialistischem Grau. Mit sehr viel ärmlichen Verhältnissen, Staub und Schmutz. Weit mehr als die Hälfte meines Lebens wurde China als zwar riesiges, aber doch weit zurückhinkendes "Entwicklungsland" angesehen.

Aber nix da! Mit den meisten dieser Vorstellungen und Erwartungen lag ich daneben - zumindest in Beijing meilenweit daneben!

 

Immer diese Vorurteile!

Aber: Woher kamen eigentlich all diese meine ganzen Vorurteile? Da ich noch nie in China gewesen bin und auch nur recht wenige Chinesen in meinem bisherigen Leben kennen gelernt habe (immerhin schon eine ganze Gruppe über längere Zeit ab 1981), können diese Vorurteile ja eigentlich nur bzw. vor allem aus eingesammelten Informationen stammen. Vor allen Dingen aus den Medien, also.

 

 

 

Da nahm ich in Gedanken dann vor allem mit: China ist ein brutaler, totalitärer Unterdrückungs-staat, die Menschenrechte werden allgemein mit Füßen getreten, eigentlich immer und überall. Wenn es Leute gibt, die etwas nicht system-konformes sagen, womöglich gar aufbegehren, dann werden gerne auch schon mal Panzer aufgefahren und tausende von Menschen brutal niedergemetzelt (wie 1989 bei dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens, mitten in Beijing). In der Bevölkerung herrscht im allgemeinen eine unsägliche Armut, natürlich vor allem bei der Landbevölkerung und bei den wohl hunderten von Millionen mittellosen Wanderarbeitern. Tja, und dann durfte Beijing im Jahr 2008 sogar die Olympischen Sommerspiele ausrichten! Was von den korrekten, aufrechten Demokraten der Erde als Zumutung empfunden wurde: Olympische Spiele in einem Unrechts- und Unterdrückungsstaat China! Wie furchtbar! Seit den Olympischen Spielen wissen wir alle auch: Beijing besteht eigentlich nur aus einem gefährlichen, giftigen Gemisch in der Luft - Smog.

Insgesamt ist China, so das mir vermittelte Bild, ein eher ärmliches, zurückgebliebenes Entwicklungsland, das nach wie vor dringend unserer Hilfe bedarf! Andererseits klauen "die Chinesen" beständig bei uns - unser Technik-Know-how, durch umfassende Spionage sowie hemmungsloses Kopieren unserer Produkte. Zurück zu uns kommt dann billig produzierte Technik, die sowieso nichts taugt. Und überhaupt: "Die gelbe Gefahr"! Dieses Schlagwort war vor wenigen Jahrzehnten noch allgegenwärtig - und war sowohl militärisch, als auch wirtschaftlich gemeint. Mittlerweile, seit die wirtschaftlichen Beziehungen zu dem Regime glänzend laufen, hört man den Spruch von der gelben Gefahr aber kaum noch. Trotzdem wird es zugleich so dargestellt, als würde unsere Wirtschaft fast daran zugrunde gehen, dass sich in China so billige Produktionsmöglichkeiten befinden.

Dass es in China dann allerdings bereits sehr früh eine Hochkultur gab, schon zu Zeiten, als man in unseren Breiten fast noch auf den Bäumen lebte, das weiß man dann allgemein auch noch.

Aber sonst?

Soweit mein China-Bild, nur geringfügig überzogen dargestellt - bis ich anfing, mich mit einer Reise nach China ernsthaft zu beschäftigen. Viel mehr gab mein ursprüngliches Wissen über China tatsächlich nicht her.

Und jetzt also laufe ich seit einigen Tagen durch diese 20 Millionen-Metropole - und staune! Und umso mehr ich schaue, um so mehr staune ich.

Tatsächlich - ich bin hier in einer super-modernen Stadt unterwegs! Diese hat zwar eine Masse historisch bedeutsamer Gebäude und Gebieten - aber insgesamt überwiegt jedoch deutlich die moderne Metropole. Als Regierungssitz des (noch) bevölkerungsreichsten Staates der Welt ohne Zweifel eine Weltstadt mit globaler Bedeutung!

 

Die quirligen und freundlichen Einwohner einer Multi-Millionenstadt

Die Menschen - sie sind mitnichten farblos! Sie strahlen eine Quirligkeit und Lebendigkeit aus, die ich schnell mitreißend finde. Eine mir fast unbekannte Fröhlichkeit schwappt hier immer wieder durch die Straßen, einfach so.

Peking, Stadtrand

Hochhäuser und Straßenknoten: Die ersten Eindrücke am Stadtrand von Chinas Hauptstadt bei der Fahrt vom Flughafen in die Innenstadt.

 

 

 

In Deutschland gelten ja die Einwohner meiner Heimatstadt Hamburg einigen Untersuchungen zufolge als die glücklichsten Menschen des Landes (zumindest zitiert man in den Hamburger Medien immer wieder glückselig solche Unter-suchungen). Wenn ich allerdings die Muffeligkeit "meiner" Hamburger vergleiche mit der ausgestrahlten Freundlichkeit und Fröhlichkeit der Einwohner von Beijing, dann erscheinen letztere mir um vielfaches "besser drauf", als meine Stadt-Nachbarn daheim. Das passt dann doch nicht so ganz in mein offenbar überkommenes Weltbild.

Wie kann das sein? Was stimmt da nicht? Wieso sind so viele Menschen in diesem Unterdrückungsstaat so viel besser drauf, als die ach so freien Miesepeter daheim? Ich kann mir das nicht erklären, finde es sehr komisch bis sonderbar - aber es stimmt mich nachdenklich. Vielleicht macht "unsere Freiheit" allein, für sich genommen, ja doch nicht ganz so glücklich, wie immer dargestellt wird? Vielleicht sind viele von den ständigen Anforderungen und Entscheidungen eigentlich überfordert und dauergestresst? Vielleicht aber haben die Menschen in China letztlich doch viel mehr Entfaltungsmöglichkeiten, als man ahnt und in den heimischen Medien darstellen mag? Oder sie werden von einer allgemeinen Aufbruchstimmung in China einfach mitgerissen? Oder ist es schlicht eine Mentalitätsfrage?

Peking, Tor des Himmlischen Friedens

Auch in der Nacht ist das "Tor des himmlischen Friedens" magisch beleuchtet. Über dem Durchgang zum Kaiserpalast thront nach wie vor ein Bild von Mao. Kein Wunder: Hielt er doch 1949 auf dem Balkon direkt darüber die Rede, in dem er die Volksrepublik China ausrief.

 

 

 

Während ich immer wieder Stunde um Stunde durch die Stadt schlendere, huschen mir Gedanken durch den Sinn, die man eigentlich gar nicht denken darf! Geschweige denn aufschreiben: Wie viel "Freiheit" braucht der Mensch denn eigentlich? Bekommt es vielen, vielen Menschen nicht vielleicht sogar ganz gut, wenn sie ein wenig "gelenkt" werden, wenn einige Entscheidungen abgenommen werden? Und vor allen Dingen: Wieviel Freiheit und Entfaltungsmöglichkeiten braucht der Mensch in einem Land mit 1,3 - 1,4 Milliarden Einwohnern überhaupt, damit es ihm gut geht und er zufrieden ist? Kann man bei einem solchen riesigen Staatsgebilde eigentlich deutsche oder auch europäische Maßstäbe ansetzen - wie es ja so schlicht gemacht wird in meinen Nachrichtenblättern? Vielleicht sind wir oft einfach viel zu kleinkariert und eingefahren? Erst recht in Hinblick auf solche Menschenmassen? Vielleicht sollte man vor den ständigen öffentlichen Mahnungen und blitzschnellen Verurteilungen Chinas besser mal tief Luft holen, einen Moment inne halten - und schauen...? Viele Fortschritte sind in Beijing quasi mit Händen greifbar, selbst, wenn man die Stadt von früher nicht kennt.

Aber schließlich tobt ja noch immer eine Art ideologischer Kampf! In China regieren nach wie vor die Kommunisten - und Kommunisten sind, wie wir ja alle wissen und tief verinnerlicht bekommen haben: böse! Unterdrücker! Gegen die Freiheit! Die Kommunistische Partei Chinas ist nach wie vor die einzige zugelassene Partei des riesigen Staates. Diese eine Partei hat ungefähr so viele Mitglieder, wie ganz Deutschland Einwohner. Sind diese Menschen alle dumm und irren sich? Andererseits: Mehr sind es eben auch nicht unter den 1,3 Milliarden Menschen. Aber immerhin hat die KP Chinas in den letzten zwei Jahrzehnten eine durchaus dramatische Änderung erfahren. Wenn man heute durch Beijing (und auf meiner Reise später auch durch Shanghai) läuft bzw. fährt, dann bekommt man unweigerlich den Eindruck, es hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten wieder eine Revolution vollzogen - eine radikale, kapitalistische Revolution! Seit den 1990er Jahren hat man "marktwirtschaftliche Elemente" zugelassen, das hat zu tiefgreifenden Änderungen geführt.

 

 

 

Denn die Lieblings-beschäftigung des modernen Kommunisten in der Stadt (!) ist offenbar: shoppen! Bevorzugt bekannte, teure, westliche Marken. Diesen Eindruck bekommt man jedenfalls unweigerlich, wenn man in Beijing unterwegs ist (später in Shanghai noch viel, viel mehr) und dabei immer wieder und überall auf gewaltige Shopping Malls voller Glitzer-Glanz-Geschäfte stößt, die ein edles Ambiente ausstrahlen und vor Menschen überzuquellen scheinen. Das hatte ich mir in dem Kommunistischen Land so nicht vorgestellt. Und das passt auch nicht mehr zu den Kommunistischen Ländern, die ich in der 1980er Jahren kennenlernte: dort wurde das Bild eher von allgemeinem Mangel bestimmt.

Vorgestellt hatte ich mir allerdings eine Menge Kontrolle: Polizei und vielleicht auch Militär auf den Straßen, überall, massiv, eher einschüchternd. Quasi als Symbol des Unterdrückungsstaates. Das weiß ich ja noch aus dem früheren, kommunistischen Osteuropa: Kommunisten kontrollieren! Immer! Überall! Streng und unfreundlich! Da sah ich in Osteuropa damals immer eine ganze Menge an irgendwie unerbittlich aussehenden Uniformträgern. Und irgendwie hatte ich mir Ähnliches für Beijing im totalitären China vorgestellt.

Peking, Soldat

Auf dem "Platz des Himmlischen Friedens" stehen Soldaten in Wache stramm. Hier direkt neben dem zentralen "Denkmal für die Helden des Volkes". Im Hintergrund im Dunst noch zu ahnen: Die wirklich "Grosse Halle des Volkes", die Volkskongresshalle.

 

 

 

Aber auch da hatte ich mich irgendwie vertan - man sah kaum mehr Polizei auf den Straßen, als bei uns auch. Wobei diese in Beijing eine große und lockere Gelassenheit ausstrahlen und nicht so wirken, wie die verbissene Autorität der Cops daheim. Im Zentrum der Stadt, auf dem Tian'anmen-Platz (also dem "Platz des Himmlischen Friedens") sowie am Kaiserpalast allerdings kann man, wohl nach alter Sitte, Soldaten auf Wache stramm stehen sehen, fast ohne Regung. Ungerührt. Ähnlich, wie die Wachen am Buckingham Palace, am Atatürk-Mausoleum in Ankara oder am Königsschloss in Stockholm. Auch hier in Beijing: Ein gewöhnungsbedüftiges Bild, finde ich. Ich mag so etwas nicht sonderlich.

Die erste Überraschung mit Uniformträgern gab es sogar schon bei der Einreise auf dem Flughafen. Dort gab es richtig viele Schalter für die Abwicklung der Grenzformalitäten, dementsprechend relativ kurze Warteschlangen, die auch richtig zügig abgearbeitet wurden. Lassen Kommunisten nicht zwecks Machtdemonstration ewig auf sich warten? Hier war alles hell, freundlich, offen - modern eben. Und es gab zwei besondere Clous, die mich durchaus überraschten: Zum einen gab es einen kleinen Monitor, der einem anzeigte, was gerade mit dem Reisepass getan wird, welche Daten aufgenommen werden. In sämtlichen anderen Staaten, in die ich eingereist bin, wusste man nie so richtig, was die Grenzer da unter ihrem Tresen so treiben - und ausgerechnet in der Volksrepublik China gibt es immerhin so viel Transparenz, dass einem dies angezeigt wird!

Der zweite Clou (den ich leider erst zu spät kapierte): Es gibt an dem Tresen, an dem die Abwicklung vor sich geht, eine kleine Schalterleiste, an der ich meine Zufriedenheit über die Arbeit des Grenzers mit Hilfe von Smileys auf den Knöpfen eingeben kann: gut, okay, schlecht. Das empfinde ich, auch im Nachhinein, geradezu als Sensation! Können Sie sich so etwas in Deutschland vorstellen? Also die Tätigkeit eines Beamten des Bundesgrenzschutzes oder sonstigen öffentlichen Dienstleisters per Knopfdruck unmittelbar und direkt zu bewerten? Unvorstellbar in unserem Land! In meinem inneren Ohr höre ich unsere Gewerkschafter laut aufjaulen: Beurteilung der Arbeit durch Kunden - das geht nicht! Persönlichkeitsschutz, Datenschutz, Kundenschutz, Flughafenschutz, Gewerkschaftsschutz, Smileyabnutzungsschutz! Alles, alles spricht dagegen! Und doch: So etwas wie in China finde ich aber bürgerfreundlich, die staatlichen Stellen haben die Möglichkeit, zu erfahren, wo es Schwachstellen gibt. Eigentlich großartig!

 

 

 

Aber Apropos: Uniformierte und Sicherheit. Am Platz des Himmlischen Friedens: Um zu ihm Zutritt zu erhalten, muss man durch einen Security-Check, wie auf dem Flughafen. Nachts sind die Zugänge zu dem Platz sogar komplett verschlossen und der größte Platz der Erde liegt gespenstisch leer und völlig ungenutzt mitten im Zentrum von Beijing herum. Auffällig darüber hinaus auch die anscheinend unendlich vielen Überwachungskameras in der Stadt. Wer hat die alle nur im Blick? Durch diese wird aber deutlich, dass es offenbar doch ein gesteigertes Sicherheitsbedürfnis der Machthaber gibt. Aber insgesamt gestaltet sich das für mich verblüffend dezent.

Peking, Autoverkehr abends

Nächtlicher Straßenverkehr im Zentrum der Stadt. Im Durchschnitt steht jeder Einwohner Beijings über zwei Stunden im Stau.

 

 

 

Ein paar andere Auffälligkeiten des allerersten Blicks: Die Autos auf den großzügigen, ausladenden Straßen sind viel, viel zahlreicher und größer, als ich mir zuvor vorgestellt hatte. Fahren nicht gerade die Bewohner von Beijing immer in Massen mit dem Fahrrad herum? So jedenfalls mein Klischee, ich habe da irgendwelche Bilder im Kopf von riesigen Fahrradströmen... Nein, heute steht, statistisch betrachtet, jeder Einwohner der 16800 Quadratkilometer großen Hauptstadt Chinas (damit ist das Stadtgebiet von Beijing fast 20mal so groß, wie das Berliner Stadtgebiet!) im Schnitt 2,6 Stunden (!!) im Stau. Pro Tag, versteht sich. Exakt so berichtet jedenfalls mein Reiseleiter.

 

Ausnahme für mich: Eine organisierte Städtereise nach Beijing und Shanghai - mit Reiseleiter!

Ja, tatsächlich - ich habe einen Reiseleiter! Anders, als auf meinen sonstigen Reisen bin ich diesmal nicht auf eigene Faust oder mit Freunden in einer Stadt unterwegs. Irgendwie erschien es mir zu exotisch, zu fremd, zu gewagt, Beijing und danach Shanghai auf eigene Faust zu bereisen. Und als mir dann im Internet ein, wie ich fand, sehr gutes Angebot eines renommierten Kieler Reisebüros über den Weg lief, da schlug ich bei einer organisierten Gruppenreise zu. Vier Nächte in Beijing, drei Nächte in Shanghai mit guten Hotels und ausführlichem Programm, dazu eine Flugübernachtung - für zusammen rund 1000 Euro. Das erschien mir günstig.

Peking, Qianmen Dajie

Der Durchgang von der Einkaufsstraße Qianmen Dajie zum Vordertor des "Platzes des Himmlischen Friedens" ist besonders abends geradezu magisch schön.

 

 

 

Und, um es kurz zusammen-zufassen: Es war in der Tat eine großartig organisierte Reise mit einem perfekten Preis-Leistungs-Verhältnis! Ein Reise-Schnäppchen, sozusagen. Hätte ich die Reise in diesem Umfang selbst organisiert - es wäre wohl mindestens um 50 Prozent teurer gewesen, oftmals wesentlich komplizierter und erheblich weniger informativ. Auch, wenn ich Gruppenreisen nach wie vor etwas gewöhnungsbedürftig finde: Unser "Team" mit insgesamt 17 Leuten funktionierte gut, ging sich nicht sonderlich auf die Nerven, es gab keine sonderliche "Gruppendynamik" und man ließ sich alle notwendigen Freiheiten. Die auch ich brauche, um z.B. zusätzlich zu Fuß meine eigenen, unfassenden Stadterkundigungen zu machen.

Zu dem "offiziellen Besichtigungsprogramm" gehörten dabei vor allem historisch wertvolle Sehenswürdigkeiten, neben umfassenden Informationen hierzu: Der Platz des Himmlischen Friedens (Tien-an-men-Platz), direkt daran angrenzend der Kaiserpalast (früher die "Verbotene Stadt"), der angrenzende Kohlehügel mit einem durch Dunst und Smog (ja, es gibt ihn tatsächlich!) leider sehr eingeschränktem Blick über die Stadt, der Himmelstempel, Chinesische Mauer. Teilweise wirklich beeindruckende, fast atemberaubende Bauten als Zeugen längst vergangener Zeiten.

 

Die "Langnasen" sind da!

Peking, Kaiserpalast Halle der Höchsten Harmonie

Offenkundig lieben Chinesen es, sich vor Sehenswürdigkeiten in Gruppen zu fotografieren - so, wie hier im Kaiserpalast, der einstmals "Verbotenen Stadt". Im Hintergrund die "Halle der Höchsten Harmonie".

 

 

 

Auf dem Platz des Himmlischen Friedens, und kurz danach auch im Kaiserpalast, wird allerdings auch unsere Gruppe selber plötzlich zu einer Sehens-würdigkeit. Ganze Reisegruppen bestaunen hier auch uns. Etwas launig berichtet unser Reiseführer, dass jedes Jahr rund 100 Millionen Touristen nach Beijing kämen, davon allerdings nur ca. 3 Millionen ausländischer Touristen. Der weitaus größte Teil der Touristen käme also aus dem Riesenland selber - und die meisten dieser Besucher haben eben noch niemals im Leben Ausländer gesehen. "Jetzt können sie Zuhause nicht nur berichten, dass sie auf dem Platz des Himmlischen Friedens und im Mao-Mausoleum gewesen sind, sondern dort sogar auch noch eine ganze Gruppe 'Langnasen' gesehen haben!" meint unser einheimischer Reiseführer amüsiert. Schaut man genau hin, so muss man die Bezeichnung "Langnasen" durchaus treffend finden. Und die "Langnasen" meiner Gruppe nehmen die vielen Fotos und das nur selten schüchterne Gegaffe gelassen und ebenfalls amüsiert hin.

Meine Reise findet Ende März statt, und das kontinentale Klima Beijings beschert uns an einigen, sonnengeschützten Ecken noch Schneereste - obwohl es in Beijing auch im tiefsten Winter eher wenig schneit. Es ist während unserer Reise zumeist kühl bis kalt mit nachts regelmäßigem leichtem Frost.

 

Chinesische Mauer und Olympiagelände

Chinesische Mauer am JuYong Pass

Auch hier wird posiert: Die Chinesische Mauer am JuYong Pass verschwindet leider auch fast im Dunst.

Chinesische Mauer, Erinnerungsfotos

Weiter oben auf der Mauer werden mit der "Langnase" schon wieder aufgeregt Erinnerungsfotos geschossen.

 

 

 

Obligatorisch bei einer solche Reise ist natürlich auch der Besuch der Chinesischen Mauer, uns bringt man zum JuYong Pass der "Großen Mauer". Sehr schade: Leider versinkt auch dieser Tag im nebligen Dunst. Mein strammer Marsch auf den höchsten erreichbaren Punkt (immerhin 625 Meter über dem Meeresspiegel und 340 Meter höher, als der Startpunkt des Fußmarsches) wird dadurch zwar nicht mit einer tollen Aussicht belohnt - aber dafür mit großem, lustigem Hallo bei einer vierköpfigen Gruppe junger Chinesen, die dann alle gleich hemmungslos dutzendweise Erinnerungsphotos zusammen mit der "Langnase" machen. Auf- und Abstieg hinterlassen bei mir im Übrigen den Eindruck, dass es sich bei der Chinesischen Mauer eher um eine "Chinesische Treppe" handelt. Und überhaupt: Wer die Große Mauer besteigt, gilt in China als "Held" - ein Status, für den ich also erstmal diese lange Reise auf mich nehmen musste :-)

 

 

 

Noch ein Tipp: Je höher man auf der chinesischen Mauer läuft, umso leerer wird die Umgebung. Muss man sich am Eingang durch wahre Menschen-massen drängen, so kann man in den höheren Gebieten der Mauer auch minutenlang für sich dieses großartige und auch unfassbare Bauwerk genießen. Den meisten ist der Weg so weit nach oben einfach zu mühsam! Aber beides, sowohl die vielen Menschen, als auch die Einsamkeit auf der Großen Mauer sind ganz besondere Erlebnisse.

Peking, Olympiastadion

Ein Eingang in das "Vogelnest" - das Hauptstadion der Olympischen Spiele in Beijing 2008. Offizieller Name: "National Stadium".

Peking, Schwimmhalle

Auf dem Olympiagelände von Beijing: Rechts ist noch das Olympische Schwimmstadion zu sehen (National Aquatics Center). Die Gebäude im Hintergrund gehören nicht zum Olympia Gelände - und soll in seiner Gesamtheit einen schwimmenden Drachen symbolisieren.

 

 

 

Ein Blick auf das Olympische Gelände und somit auf einen modernen Teil der Stadt gehört dann natürlich auch noch zu dem Programm des Reise-veranstalters. Das gerne "Vogelnest" genannte Olympiastadion wird trotz hoher Eintrittspreise für eine reine Besichtigung von dermaßen vielen Touristen besucht, dass man es gar nicht nötig habe, mit irgendwelchen Veranstaltungen Einnahmen für den Unterhalt und den Betrieb des Stadions zu erzielen, berichtet der Reiseführer. So würde nicht einmal die Beijinger Mannschaft der ersten Fußball-Liga hier spielen, obwohl Fußball in China doch die Sportart Nummer zwei sei - nach... Basketball! Ob das nicht eher Tischtennis sei, möchte ich wissen? Aber nein, das würde ja seit Jahrzehnten weltweit dermaßen von China beherrscht werden, dass dort ein gewisser Reiz fehle, und junge Leute hätten dazu nicht so viel Lust und spielen am liebsten eben Basketball... Aha!

 

Nerviges Geschäftsgebaren mit Touristen

 

 

 

Das offizielle Programm der Reise führte dann noch per Rikschafahrt in einen frisch sanierten Altstadtbereich und auf einen Freiluftmarkt abseits aller Touristen. Und dann geht's allerdings auch noch zu den "Kröten", die man wohl schlucken muss: Diverse Verkaufs-veranstaltungen. Ausgerechnet! Wo ich doch kaum etwas mehr liebe, als Shoppen zu gehen ;-)  Allerdings sind diese Verkaufsveranstaltungen, wie ich meinen Reiseunterlagen entnehmen konnte, Pflichtprogramm auf Gruppenreisen. Tja... Den Verlockungen der (verdammt teuren) Süßwasserperlen, der frisch produzierten Kupfervasen und der auch ganz schön teueren Seidenstoffe konnte ich jedoch locker widerstehen, ebenso den aufdringlichen Angeboten in dem Billig-Kaufhaus mit seinen extrem forschen, aggressiven Verkäufern, in das man uns lotste. Nicht widerstehen jedoch konnte und wollte ich der Verlockung des (ebenfalls unverschämt teuren) Tee-Angebotes direkt nach einer ultrakurzen "Tee-Zeremonie". Insgesamt war ich von diesen (zu vielen) Verkaufs-Programmpunkten durchaus genervt, zumal ich so etwas von meinen vielen individuellen Reisen ja so gar nicht kenne. Aber das war dann eben der Preis der insgesamt sehr günstigen Reise und auch irgendwie aushaltbar.

Richtig genervt haben mich allerdings vor allem diese jungen Leute in den Touristenzentren der Stadt, die ein schnelles (Abzock-)Geschäft mit den westlichen Touristen machen wollen. Es ist immer wieder das gleiche Schema: Bei meinen "individuellen" Programm, also den Spaziergängen durch die Stadt am Abend, stürzen sich an einigen zentralen Touristen-Orten junge, hübsche Chinesinnen auf mich alten Knacker, fragen zwei, drei freundliche, unverbindliche Fragen (wie es einem geht, woher man komme, wie lange man schon hier sei, ob China einem gefällt bla, bla, bla...) - und wollen dann unbedingt mit mir einen Tee oder Kaffee trinken gehen, oder gerne auch in eine "Ladies Bar". Gut, dass uns unser Reiseführer noch am allerersten Tag vor dieser Masche gewarnt hatte. Ein solcher "Tee" würde kaum unter 50 Euro kosten, zuweilen auch deutlich mehr. Ich war genervt und wurde mit der Zeit richtig ruppig zu den meisten dieser Mädels.

Solche ungeübt-jämmerlichen und peinlichen Versuche, wohlwollende Touristen abzuziehen, passen so gar nicht in das ansonsten friedliche und freundliche Bild der Einheimischen.

Okay, man verhält sich in Beijing zuweilen mit... ja, nennen wir es mal: anderer Höflichkeit, als wir es in Mitteleuropa gewöhnt sind. Zuweilen wirkt das Verhalten der Einheimischen auf mich eher etwas ruppig - dies ist jedoch offenbar nie böse Absicht, sondern schlicht ein anderes, oft zügigeres Verhalten, als wir es gewohnt sind.

Aber insgesamt habe ich die Menschen in Beijing als ausgesprochen freundlich und neugierig erlebt - und doch ist der Kontakt zu ihnen fast immer auf nette Gesten und Blicke beschränkt. Denn: die weitaus meisten Leute sprechen offenkundig nicht ein Wort Englisch, oder gar sonstige gemeinsame Sprachen. Dies wirkt dann in dieser Riesenstadt doch plötzlich... ja, richtig: Provinziell! Das Verhalten der Menschen in dieser bedeutenden Weltmetropole hat eigentlich nie etwas weltstädtisches oder gar weltgewandtes!

 

Faszinierendes Eigenleben: In den Hutongs der Altstadt von Beijing

Dieser Eindruck wird umso stärker, je mehr man sich von den touristischen Zentren entfernt - was nicht unbedingt lange Wege erfordert. Am ersten Tag war ich noch etwas zögerlich dabei, in die Altstadtbereiche von Peking zu gehen. Diese Gebiete, in der Landessprache "Hutongs" genannt, wirken zuweilen etwas heruntergekommen, abends düster, die Bewohner eher einfach. Da überlege ich mir zunächst schon, ob es für mich als europäische Einzelperson wohl sicher ist in dieser womöglich recht unübersichtlichen Gebieten?

Aber es dauert nicht lange, bis ich dann sowohl meiner Neugierde, aber auch dem Charme dieser vielen Gebiete im Zentrum der 20 Millionen-Stadt erliege! Etliche Stunden streife ich im Laufe meines Aufenthaltes durch diese Hutongs. Sowohl bei Tageslicht, als auch in der Dämmerung und auch der finsteren Dunkelheit. Und: Nie, nicht eine Sekunde, habe ich mich hier unsicher gefühlt. Nicht einen fixierenden, abschätzenden Blick habe ich wahrgenommen, nicht eine "komische" Situation wahrgenommen, die mir signalisiert hätte: "Achtung! Vorsicht hier!" Nichts dergleichen. Ich fühle mich sicher, wie selten zuvor in einer Großstadt. Komisch, oder? Auf jeden Fall: Faszinierend!

Peking, Hutong

Hier gibt es noch viel Ursprünglichkeit und jegliche touristische Infrastruktur sucht man hier vergebens: Ein Hutong ein paar hundert Meter vom Zentrum der der Stadt Beijing entfernt - also auch vom Zentrum einer Weltmacht.

 

 

 

Dieses Gefühl verführt mich mehr und mehr dazu, meine Spaziergänge durch die Hutongs immer hemmungsloser und weiter auszudehnen, tatsächlich gar auf die Nacht. Möglicherweise ist dies ja leichtsinnig oder auch blauäugig - mir bleibt jedoch jegliche schlechte Erfahrung erspart. Immer begegnen mir dabei allerdings neugierige Menschen, die mich zuweilen ungeniert anstarren - offenkundig verblüfft darüber, dass sich eine "Langnase" bei ihnen im Viertel herumtreibt. Junge Mütter animieren ihre kleinen Kinder dazu, dem Fremden zuzuwinken, zwei Kinder kramen ihre Englisch-Kenntnisse zusammen und sagen mutig "hello" - und freuten sich aufgeregt über ein breites Grinsen der Langnase und ein "Ni hao" als Antwort.

Apropos "Langnasen": optimistisch geschätzt habe ich bei meinen Wanderungen durch die Hutongs vielleicht eine einzige andere "Langnase" pro Stunde dort spazieren sehen. Touristen scheinen sich selten bis nie in diese Viertel zu verirren (offenbar mit Ausnahme des Altstadt-Viertels am See Hou-Hai, das frisch restauriert und sehr touristisch ausgestattet ist und z.B. viele Fahrrad-Rikschas anbietet). Und das ist einerseits schade - für mich war es hier nämlich am faszinierendsten, exotischsten und wahrscheinlich auch authentischten in der chinesischen Hauptstadt! Andererseits birgt dieses Ausbleiben von Touristenströmen in den Hutongs die Hoffnung, dass sich die Ursprünglichkeit dieser Gebiete noch erhalten kann. Nirgendwo sonst hatte ich das Gefühl, dem ursprünglich "Chinesischen" so nahe zu sein - auch, wenn das "moderne China" ganz offenkundig anders ist.

 

 

 

Diese Hutongs sind im Übrigen nicht in jedem Fall unbedingt als "ärmlich" anzusehen. In einigen Stadtgebieten sind die Gebäude ansehnlich restauriert und renoviert worden. Merke: Denkmalschutz ist mittlerweile auch in Teilen von Beijing bekannt. Verblüffend oft sieht man dann auch moderne, große Autos vor den Türen einfacher Häuser stehen. Oft sind die Lebensverhältnisse aber doch noch einfach bis sehr einfach (so haben die Gebäude meist keinen eigenen Anschluss an die Kanalisation - statt dessen gibt es überall öffentliche Toilettenhäuser. Und ich merkte sehr schnell: diese vielen Toilettenhäuschen zu besuchen kann dem Touristen auch einen ganz, ganz speziellen Eindruck vom Leben in China geben). Und doch wollen die Leute nicht weg aus ihrer gewohnten Umgebung und womöglich in eines der vielen Wohnsilos ziehen, die in den neuen, nicht so zentralen Stadtgebieten wie Pilze aus dem Boden schießen. Nein, man möchte in aller Regel in den relativ zentrumsnahen, übersichtlichen Altstadtgebieten bleiben!

Für den Besucher ist es verblüffend, dass man in wenigen hundert Metern Entfernung vom Zentrum der Macht einer der bedeutenden Supermächte der Erde in jeder zweiten Nebenstraße auf solche einfachen, ursprünglichen Lebensverhältnisse trifft! Was für schroffe Kontraste! Aber das macht eben viel von dem besonderen Charme dieser Weltstadt aus. Eine Weltstadt, die sich ungeheuer viel provinzielles bewahrt hat. Mich hat das sehr fasziniert! Mehr, als so manche der ohne Zweifel fantastischen historischen Sehenswürdigkeiten.

 

Eine kleine Radtour durch Beijing

Aber noch etwas hat mich fasziniert: am letzten der knapp fünf Tage in der Stadt bietet sich mir die Möglichkeit, einen kompletten Nachmittag selber zu gestalten. Als seit jeher passioniertem Fahrradfahrer ist es naheliegend, eine kleine Radtour durch die Stadt zu machen. Beijing und Fahrräder - gehört das nicht doch zwingend zusammen? Trotz der relativ wenigen Radfahrer, die ich bisher so sah, habe ich diese Bilder immer noch wie festgebrannt im Kopf.

Nun, der Gedanke an eine Radtour lässt mich also einfach nicht los. Und da mein Hotel mir ohne allzu große Probleme ein Fahrrad beschaffen kann, setze ich den Gedanken tatsächlich in die Tat um, radel an einem Freitagnachmittag knapp 50 Kilometer ziellos kreuz und quer durch die 20-Millionen-Stadt. Ein ganz besonderes und für begeisterte Radfahrer ohne Zweifel unvergessliches Erlebnis, das ich in einem kleinen Extra Fahrrad-Reisebericht "Peking auf dem Fahrrad" ausführlicher beschreibe.

Peking, Stauwarnung

Stauanzeige über großen Straßen in der Innenstadt. Viel hilft es offenbar nicht: Beijing ist oft "zugestaut". Mit einem Fahrrad rollt man da auf komfortablen Radwegen bequem vorbei.

 

 

 

Und dann ist der Aufenthalt in Beijing auch schon zu Ende. Eine Stadt, die ich spontan mag, von der ich versuchte, so viel wie möglich in mich aufzusaugen. Eigentlich reicht die Dauer des Aufenthaltes längst nicht aus und ich hätte auch den doppelten Zeitraum gut auch allein füllen können - zumal es aufgrund der englischen Beschriftungen an den wichtigen Orten der Stadt und auch der Straßenbeschilderungen gar kein Problem ist, sich hier zurecht zu finden.

Die Erfahrungen mit der Organisation der Reise durch die Reiseagentur waren gut - ja, großartig! Man hatte ein prima Programm auf die Beine gestellt - und doch noch genügend Raum für eigene Erkundungen gelassen. Darüber hinaus werden über den Reiseleiter eine Fülle an Informationen geboten (von Details zur Ein-Kind-Politik in China bis zu aktuellen, unfassbar hohen Wohnungspreisen in Beijing), die man ansonsten nicht erfahren hätte. Mir hat diese Form des Reisens insgesamt richtig gut gefallen - und, zugegeben, ich bin etwas verblüfft darüber!

 

Eine super-moderne Eisenbahn: Fahrt im Hochgeschwindigkeitszug nach Shanghai

Peking, Südbahnhof

Supermodern: Blick auf die Bahnsteige des Südbahnhofs von Beijing. Ein Hochgeschwindigkeitszug CRH steht dort neben dem anderen.

Peking, Schnaps für 20000 Euro

Eine Flasche Schnaps für umgerechnet gut 20.000 Euro - im "Bahnhofskiosk" im Südbahnhof in Beijing.

 

 

 

Auch der Schlusspunkt des Aufenthaltes in Beijing hatte seine eigene Faszination, diesmal wieder mit dem modernen China: Es geht mit der Gruppenreise weiter nach Shanghai - mit einem super-modernen Hoch- geschwindig- keits-Zug. Der Südbahnhof in Beijing wirkt eher wie ein moderner Flughafen, einschließlich Security-Check und Gates vor dem Bahngleis.

Und hier gab es dann auch tatsächlich noch etwas, was auch unseren erfahrenen Reiseführer in helle Aufregung versetzte: Im "Bahnhofskiosk" entdeckt er aus etwas Entfernung plötzlich einige Flaschen mit chinesischem Schnaps, die seine Aufmerksamkeit erregten und ihn förmlich zu dem Laden sprinten lassen. Als er zurückkommt, meint er, das sollten wir uns unbedingt noch anschauen - und besonders die Preise beachten. Unfassbar: In Beijing im "Bahnhofskiosk" wird tatsächlich Schnaps verkauft, der 165800 Yuan kostet (wobei zum Zeitpunkt unserer Reise ein Euro im Tausch ziemlich genau acht Yuan waren - also eine Flasche Schnaps für rund 20.000 Euro. Na, denn mal prost!)! Unvorstellbar hierzulande in einem Bahnhofskiosk: Eine schlichte Glasvitrine mit diversen Alkoholika im Wert von insgesamt wohl über 100.000 Euro!

Zugfahrt Shanghai, Stopp Nanjing

Der einzige Stopp auf der 1318 km langen Strecke von Beijing nach Shanghai: Die 4-Millionen-Stadt Nanjing.

 

 

 

Die 1318 Kilometer lange Strecke nach Shanghai (die zweitlängste Hochgeschwin-digkeitsstrecke der Welt) wird von dem Hochgeschwin-digkeitszug dann bei sehr konstanten 303 km/h bei nur einem kurzen Zwischenstopp in Nanjing in insgesamt ca. 4 3/4 Stunden zurückgelegt. Eigentlich sind sowohl die Strecke, als auch der Zug auf eine Geschwindigkeit von 400 km/h ausgelegt. Aber bei der Geschwindigkeit ist der Energieverbrauch offenbar so hoch, dass die zuletzt teuren und weiter steigenden Fahrpreise zu massiven Protesten (!) führten. Mit der Folge von geringeren Geschwindigkeiten und somit wieder niedrigeren Preisen. Protestieren funktioniert also offenbar zuweilen doch in China! Wussten Sie, dass es in dem "totalitären Staat" China derzeit pro Jahr im Schnitt 100.000 Demonstrationen mit mindestens 500 Teilnehmern gibt?

Aber noch einmal zurück zur Zugfahrt: Etwas ärgerlich auf der Fahrt für den neugierigen Touristen: man hat in China offenbar auch einen Bereich des Umweltschutzes entdeckt. Sobald es Interessantes an der Strecke zu sehen gibt, eine Stadt durchquert wird, oder auch nur irgendwelche Bauernsiedlungen, wird die Sicht massiv eingeschränkt - durch zahlreiche Lärmschutzwände. Nicht viel war zu sehen von dem Leben in China, irgendwie ja auch schade.

Richtig viele Lärmschutzwände in China! Irgendwie ja auch ein wenig überraschend, oder? Wie so vieles auf dieser Reise...

 

Und wo sind die Menschenrechte?

... Fragte ich mich hin und wieder in China. Aber auch: Wo sind die Menschenrechtsverletzungen?

Nun - schon allein mit der immer noch praktizierten Ein-Kind-Politik werden die Menschenrechte nach unserem Verständnis mit Füßen getreten. Eine Folge dieser Politik ist sicherlich, dass es eben "nur" diese 1,3 Milliarden Chinesen gibt, und nicht zwei, drei oder vier fünf Milliarden - wie es ohne Zweifel der Fall wäre, wenn es diese Regelung 1979/80 nicht gegeben hätte. Und vier Milliarden Chinesen - das wäre dann nicht nur eine chinesische Angelegenheit, das wäre eine weltweite Angelegenheit! Es stellt sich durchaus die Frage: Wie wäre die Erde heute, wenn es vier Milliarden Chinesen gäbe? Ist diese Menschenrechtsverletzung der Ein-Kind-Politik, die wir gerne und locker mal eben so eben anprangern, nicht auch stark in unserem Sinne? Profitieren nicht auch wir schon längst von dieser Menschenrechtsverletzung?

Aber wenn man ins Detail schaut, dann ist die Ein-Kind-Regel schlimm! Eine Folge der Ein-Kind-Politik ist z.B. der Kinderhandel: Kinder werden entführt und an Eltern, die sich dies leisten können und wollen, verkauft - großes Leid ist die Folge bei vielen Menschen. Dies vermag ich mir kaum vorzustellen. Zahlen über diese Praxis fehlen mir jedoch völlig.

Unser Reiseführer wusste zu erzählen, dass er als zweites Kind der Familie geboren wurde. Er sparte nicht mit Details darüber, was dies für seine Eltern bedeutete. Uns gefror das Blut in den Adern... (Anmerkung Januar 2014: Ab Dezember 2013 kommt es zu einer spürbaren Lockerung dieser Ein-Kind-Politik: Ein Paar, bei dem ein Partner Einzelkind ist, darf wieder zwei Kinder bekommen)

Viele Menschen, die den durch die Kommunistische Partei gesteckten Rahmen verletzt haben, sieht man nicht. Prinzipielle Systemkritiker werden beobachtet und verfolgt, sind schnell eingesperrt oder unter Hausarrest gestellt worden. Zahlen hierüber sind weitgehend unbekannt.

Es gibt ohne Zweifel furchtbare Dinge in China! Und es stellt sich letztlich die Frage: Darf man darum überhaupt in solch ein Land reisen?

Ein Bekannter von mir sagte einmal mit einem kräftigen Anflug von Zynismus: "In totalitäre Staaten kann man als Tourist wunderbar reisen, meistens sind diese Staaten sicher und ordentlich! Und die Menschen besonders nett!"

Wieder mal ein Satz, den man eigentlich gar nicht denken darf, geschweige denn schreiben. Ja, aber irgendwo hat er Recht - aber ich glaube auch, dass gerade Reisen in solche Länder für die Menschen dort immer wieder neue Kontakte ergeben, die wichtig und anregend sind, neue Gedanken, Ideen, Impulse, Wünsche und vielleicht ein wenig Mut geben. In China habe ich einfach zu viele neugierige und erfreute Gesichter gesehen, um behaupten zu können, man solle nicht in diesen Staat reisen.

Vergessen sollte man die Probleme dieses Staates nicht und Fragen sollte man auch ruhig stellen - ohne an den Pranger zu stellen. Und vielleicht sollte man auch mal die Frage stellen, wie es denn um die Menschenrechte vor der eigenen Haustür so steht. Besser, natürlich! Viel besser - aber doch taucht auch Deutschland bei der turnusmäßigen Erhebung des UN-Menschenrechtsrats auf.

Beijing ist also in mancherlei Hinsicht inspirierend, bietet spannende Erfahrungen und regt zum nach-denken an. Manchmal sollte man dabei auch versuchen, undenkbares zu denken. Und noch etwas wird einem schnell klar: China und Beijing sind viel mehr, als allein die Verletzung von Menschenrechten. Die Darstellungen in unseren Medien sind wohl zutreffend, aber eben nicht das ganze Bild und viel zu oft auf allein diese Sichtweise beschränkt.

Nach-denken darüber lohnt sich. Eine Reise nach Beijing: Eine verdammt lohnende Reise!

 

Zu einer Bilderserie mit 69 großformatigen Fotos der Reise nach Beijing (Peking) geht es hier auf meiner externen Seite.

 

Aber diese Reise war damit ja noch nicht zu Ende, sondern führte mich noch weiter für ein paar Tage nach Shanghai. Ein völlig andere Stadt als Beijing, in vielerlei Hinsicht jedoch ebenso undurchsichtig, unbegreifbar, unfassbar. Meinen Reisebericht Shanghai finden Sie hier.

 

 

Beijing - Einige kunterbunt gemischte Bilder aus der Stadt mit 20 Millionen Einwohnern

 

Chinesische Kalligraphie

Kalligraphie als Hobby: Im Himmelstempel schrieben mehrere Personen mit Wasser künstlerische Schriftzeichen auf die Bodenplatten. Als dieser ältere Herr die Neugierde aus der Gruppe Langnasen bemerkte, stellte er sich mitten in die Gruppe und schrieb etwas auf den Boden, was leider nicht einmal der chinesische Reiseleiter lesen konnte. Schön war es aber!

Peking, Kohlehügel Tempel

Schöne Details an einem der Pavillons auf dem Kohlehügel.

Peking, Trommelturm

Etwas eingezwängt zwischen viel Straßenverkehr und angrenzenden Gebäuden: Der historische Trommelturm.

Peking, Dongzhimennei Dajie

Eine ausgesprochen beliebte und lebhafte Meile mit einem Restaurant neben dem anderen: Die Dongzhimennei Dajie. Wegen der hunderten Lampions ab Einbruch der Dunkelheit gerne auch "Geisterstraße" genannt - und einen Bummel allemal wert!

Peking, Viertel am See Houhai

Beliebt bei Einheimischen und wohl auch Touristen: Das Viertel am See Houhai.

Peking, Skorpione Imbiss

... in der es (nicht nur, aber auch!) solche Köstlichkeiten gibt, wie auf dem Foto zu sehen. Dann frisch geröstet, versteht sich. Mir packt hier das Grausen, denn was man auf dem Foto nicht sehen kann kann: Die aufgespießten Skorpione sind garantiert frisch - sie bewegten noch beständig ihre Beine.

Peking, Beihai-Park

Im Beihai-Park ist es gut zu erkennen: Der Frühling ist Ende März in Beijing noch nicht so richtig ausgebrochen. Der Park ist trotzdem toll!

Peking, Marktangebot

... und andere Ernährung! Bei der hier abgebildeten eiweißreichen Kost weiß ich nur bei wenigem, um was es sich überhaupt handelt.

Peking, Kartenspieler

Man kann es an vielen Orten in der Stadt sehen: Wenn man Pause hat, dann spielt man gerne mal eine Runde Karten. So, wie hier die gerade arbeitslosen Rikschafahrer. Nie störte es, wenn man bei dem Spiel mal über die Schulter der Spielenden schaute.

Peking, CCTV Tower

Krasser geht ein Gegensatz zum Hutong nicht: Der Hauptsitz der staatlichen Chinesischen Fernsehgesellschaft, der CCTV-Tower. Ein spektakulärer Bau! Im Volksmund gerne der "Ein-Milliarden-Dollar-Bau" genannt, wie unser Reiseleite berichtete. Wenige Wochen, nachdem dieses Foto entstand, wurde der 234 m hohe Bau fertig gestellt. Jahre später, als geplant, viel teurer, als geplant - als Hamburger lächle ich darüber milde.

Peking, Vier-Sterne-Toilette

Hier beginnt die kleine Rubrik "Skurriles": Z.B. Toiletten in Beijing. In unserer Reisegruppe schlich sich recht schnell die Formulierung ein, man suche die "Halle der Harmonie" auf. Eine öffentlich Vier-Sterne-Toilette (s. oben) hat etwa die Güte eines hierzulande etwas abschreckenden Kneipen-Klos. Da ich ja aber auch recht viel durch die Hutongs von Beijing streifte, kam ich immer wieder auch in die Verlegenheit, die dortigen öffentlichen Toiletten aufzusuchen. Wobei zu erwähnen ist, dass in den "alten" Hutongs die Häuser über keine eigenen Toiletten verfügen. Man findet an jeder Ecke öffentliche Bedürfnisanstalten, die Nachbarschaft trifft sich dort also offenbar zuweilen. Und, um ehrlich zu sein: Man kann dort so manche Überraschung erleben und ich war immer recht froh, wenn ich eine Räumlichkeit, wie unten abgebildet für mich hatte und nicht von drei bis vier dort weilenden Herren als "Langnase" besonders neugierig beobachtet wurde.

Peking, Klo im Hutong

Peking, Spielkarten

Kioske bieten oft auch kleine Mitbringsel für den Touristen an. Hier mischen sich unter einen Wust an Mao Spielkarten mit Motiven von Steve Jobs, Bin Laden oder Gaddafi. Hin und wieder mal gesellte sich auch US-Präsident Obama direkt zu Osama Bin Laden.

Peking im Morgenlicht

Huch! Da sind ja Berge hinter der Stadt!! ... Ist mein erster Gedanke nach dem Aufstehen am allerletzten Morgen beim Blick aus dem Hotelfenster in Beijing. Aufgrund des Smogs und des Dunstes an den anderen Tagen hatte ich davon zuvor gar keine Ahnung gehabt. Nun aber stand bei klarer Luft unmittelbar die Reise nach Shanghai bevor!

 

 

 

 

 

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Dirk Matzen

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