Vattenfall-Cyclassics 2015:
  Wieder dabei - auf der 100 km-Runde

Ein Erlebnisbericht über das Jedermann-Radrennen in Hamburg im August 2015, mit 18 Bildern




Cyclassics 2015

Sonntag, 23. August 2015, das Jedermann-Radrennen Vattenfall Cyclassics. Ihr da vorne - wir hier hinten. Oder: Wir im Licht, ihr im Schatten. Weiter hinten in dem rund 13.000-Personen Starterfeld der Mittel- und Langstrecke der Cyclassics kann man nicht stehen: Das Starterfeld ganz am Ende des Rennens, Sekunden vor dem Start.

Die Hamburg-Cyclassics 2015 - ein besonderes Erlebnis! Wieder mal...

Es sind vor allen Dingen die Umstände, meine persönlichen Umstände, die diese Cyclassics 2015 zu einem ganz besonderen Erlebnis für mich haben werden lassen.

So ist es zum Beispiel am Tag des Rennens fast auf den Tag genau ein Dreivierteljahr her, dass ich eine Krebsdiagnose erhalten habe. Man entdeckte in meiner Kieferhöhle ein "Plasmozytom", Krebs des blutbildenden Systems des Knochenmarks. Und während ich damals zunächst einige Wochen noch gar nicht wissen konnte, ob ich zum Zeitpunkt der Vattenfall-Cyclassics 2015 überhaupt noch leben würde, habe ich jetzt an diesem von mir so geliebten Jedermannradrennen sogar teilnehmen können. Schon allein die Teilnahme an sich ist dadurch ein wunderbares Erlebnis, ein großartiges Gefühl!

Mehr über meinen Krankheitsverlauf will ich hier nicht ausbreiten. Wen es interessiert, der kann gerne in meinem Krebs-Blog lesen, was meinem persönlichen Erlebnis Cyclassics 2015 vorausging - dort habe ich mir vieles schlicht von der Seele geschrieben, wenn zuweilen auch etwas unsystematisch.

Und dann stehen plötzlich die Cyclassics an. Nach einigen Monaten eher geringem und wenig intensivem Training geht es am Sonntag, den 23. August 2015, an das Rennen. Auf der "Mittelstrecke" über 100 km bin ich gemeldet - eigentlich umfasst die Strecke in diesem Jahr 106 km. In früheren Jahren (oder soll ich besser sagen: In einem früheren Leben?) bin ich gerne auch mal auf der Langstrecke der Cyclassics über 155 km unterwegs gewesen. Das geht dieses Jahr für mich definitiv nicht - mangels Training, mangels Fitness, mangels Ehrgeiz. 100 km genügen da einfach mal.

Mein Ziel bei den diesjährigen Cyclassics ist ebenso simpel, wie klar: Mit meiner gesundheitlichen Vorgeschichte will ich schlicht Spaß haben, keinen Sturz erleben - und, wenn es irgendwie geht, ins Ziel kommen! Letzteres ist keine Selbstverständlichkeit: Schließlich wird das Fahrerfeld vom Besenwagen verfolgt, der einen aus dem Rennen nimmt, wenn man irgendwelche Pannen oder Defekte hat oder gar zu langsam wird. D.h., wenn man die vorausgesetzte Durchschnittsgeschwindigkeit von 26 km/h nicht halten kann, ist für einen vorzeitig Schluss mit dem Rennen.

All diese Voraussetzungen machen diesen Tag, dieses Rennen für mich zu etwas Außergewöhnlichem. Kaum irgendwo anders spüre ich mich selber so intensiv, wie bei einem Radrennen - und dieses "mich spüren" ist genau das, was ich nach einem überaus dramatischen Jahr und dem damit sogar kurzzeitig verbundenen Blick in den Abgrund, erleben will.

Aber jetzt, hier, heute will ich einen spürbaren Schlussstrich unter mein Seuchenjahr (das auch noch eine schwere Augenoperation mit reduziertem räumlichen Sehen beinhaltete - weswegen ich im Jahr 2014 nicht an den Cyclassics teilnehmen konnte) ziehen.

Der Ablauf des 23. August 2015, dem Renntag, im Einzelnen:

6:00 Uhr, Zuhause: Der Wecker weckt. Ich bleibe noch eine Weile liegen, höre etwas Radio. Zeit habe ich dafür, mein Start findet erst um 9:30 Uhr statt.

6:15-7:30 Uhr, Zuhause: Die üblichen Vorbereitungen: Duschen, Fahrrad-Klamotten anziehen, ausgiebig frühstücken ("Energie laden"), viel trinken, die Technik noch mal kurz checken (mein Rennrad hatte ich aber eigentlich schon am Tag zuvor ausgiebig rennfertig gemacht).

7:30 Uhr: Rauf aufs Rad! In aller Gemütsruhe will ich erstmal ein wenig Cyclassics-Feeling schnuppern und die startenden Fahrer der 55 km-Strecke anschauen. Kaum stehe ich am Ende der Grindelallee an der Edmund-Siemers-Allee, fährt schon ein Arbeitskollege vorbei. Gerade kann ich ihm noch hinterher rufen, er solle sich doch mal etwas beeilen...

Cyclassics 2015, Starter 55 km

Auch für diese 55 km-Renner geht es auf dem Alsterglacis jetzt hinein in ihr Rennen.

Cyclassics 2015, Start Alsterglacis

Und noch ein Startblock des 55 km-Rennens rollt von der Kennedybrücke auf den Alsterglacis in Richtung Startbogen.

7:35 - 8:10 Uhr: Zwischen den einzelnen Startblocks der 55 km-Strecke rolle ich immer ein Stückchen weiter gen Alster. Die gesamte Atmosphäre kann ich so prima aufsaugen - ich mag das einfach. Bis zu den allerletzten Startern der Kurzdistanz schaue ich mir die Startenden an. Erstmalig überhaupt gibt es hier auch einen Startblock mit Fahrern ganz ohne Zeitmessung. Sozusagen zum Kennenlernen der Cyclassics-Runde und zum Kennenlernen der Atmosphäre. In den letzten Jahren nahm die Zahl der Teilnehmer an den Cyclassics beständig ab, und da ist es vom Veranstalter sicherlich eine gute Idee, neue Interessenten an das Rennen heranzuführen.

Cyclassics 2015, 100 km Startblock B

Dies ist also mein eigenes Rennen, das ich hier vorbeifahren sehe. Das hier sind Fahrer des Startblock B - da habe ich noch lange Zeit bis zu meinem Start.

 

 

 

8:25 Uhr: In früheren Jahren war es anders als jetzt, da begannen die Starts der Kurz-, Mittel- und Langstrecken alle gleichzeitig. Da das Rennen der Profis in diesem Jahr jedoch komplett anders geführt wird und in Kiel startet, hat man in diesem Jahr deutlich mehr zeitlichen Spielraum für die Jedermänner und -frauen. Die Mittel- und Langstrecken gehen in diesem Jahr später auf die Strecke. Und auch an anderer Stelle, als bisher: In der Hafencity. In aller Ruhe radele ich dorthin und schaue mit den Start der ersten paar Startblocks an. Irgendwie schon sehr komisch: Da betrachte ich in aller Seelenruhe den Start meines eigenen Radrennens. Aber insgesamt zieht sich das Startprozedere sämtlicher Startblocks der Mittel- und Langstrecke über fast eineinhalb Stunden hin. Und ich will ganz, ganz hinten starten. Auch, wenn man mich eigentlich ein paar Startblocks weiter vorne eingeteilt hat.

8:45 Uhr: Nach dem Betrachten einiger Startblocks der 100/155-Distanzen habe ich immer noch viel Zeit - und fahre zur Mönckebergstraße. Dort kann ich mir dann die Zielankunft der schnellsten 55-km-Fahrer anschauen. Irgendwie irrsinnig, wie schnell die Kollegen Hobbyfahrer da angebraust kommen! Aber insgesamt bringt mich dieses ganze Zuschauen des Rennens in eine gute Rennstimmung. Immer wieder allerdings schweifen meine Gedanken an dem heutigen Morgen aber auch ab in meine eigene, jüngste Vergangenheit. Und dann bin ich einfach glücklich, hier zu sein. Mit meiner eigentlich völlig untauglichen, alten und winzigen Kamera, die ich bei solchen Gelegenheiten immer in die Trikottasche stecke, mache ich ein paar Fotos.

Cyclassics 2015, Zieleinfahrt 55 km

Diese Jungs sind fit: Nach fast exakt einer Stunde und 20 Minuten kommen die ersten Gruppen des 55 km-Rennens ins Ziel. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 43 km/h. Alle Achtung!

 

 

 

9:00 Uhr: Nachdem ich eine ganze Weile den ins Ziel kommenden Fahrern der 55 km-Strecke zugeschaut habe, orientiere ich mich langsam zu meinem Start. Eigentlich bin ich ja in den Startblock N eingeteilt und würde dort um 9:10 Uhr starten. Will ich aber nicht - und das auch aus guten Gründen: Nach der fetten Augen-OP vor gut einem Jahr in meinem rechten Auge habe ich eine etwas eingeschränkte räumliche Sicht, bewege ich mich zwar in meinem üblichen Umfeld völlig sicher. Bei den Cyclassics allerdings will und muss ich mich absolut sicher bewegen, für meine eigene Sicherheit - und auch die Sicherheit meiner Mitfahrer. Enge Gruppenfahrten will ich eben drum vermeiden. Meine Überlegung daher, ganz simpel: Ich starte hinten, ganz, ganz hinten! Möglichst als aller-allerletzter von all den rund 20.000 Startern. Dann habe ich es komplett selber in der Hand, wie und wo ich fahre. Ich starte als Letzter, basta! Das hat ja auch eine gewisse Symbolkraft: Schließlich war ich nach der Krebsdiagnose vor einem Dreivierteljahr in der Tat ganz, ganz weit hinten.

9:05 Uhr: Da bin ich also: Im hintersten Starterfeld. Dieses schlängelt sich in seiner gesamten Länge entlang der Straßen Shanghaiallee, Brooktorkai, Deichtorplatz, Klosterwall, Steinstraße, Speersort, Domplatz und Domstraße. Und dort stehe ich jetzt: Ganz hinten in der Domstraße. Mein Rennrad habe ich an die Absperrung der Strecke nach hinten, zur Willy-Brandt-Straße, abgestellt. Weiter hinten geht nicht. Ein Problem gibt es jedoch mit den Toiletten: Es stehen nur wenige Dixi-Klos hier bereit, mit einer langen, langen Schlange an Wartenden davor. Und soo lange möchte ich mein geliebtes Rennrad hier nicht alleine stehen lassen, da bin ich immer etwas hysterisch. Was also tun? Ein unbestrittener Vorteil meines Standortes hier hinten: Ich kann in der prallen Sonne stehen und auf den Start warten. In den eng bebauten Straßenzügen vor mir warten die meisten meiner Mitradler (ich sehe sie keinesfalls als Konkurrenten!) im kühlen, frischen Schatten.

Cyclassics 2015, Besenwagen

DAS ist mein einziger Gegner heute: Der "Jedermann-Besenwagen". Ein wenig erschreckt bin ich über die enorme Anzahl, als ich in einer Nebenstraße auf eine ganze Schlange von Besenwagen treffe. Sooo viele? In die Lieferwagen werden die Räder verstaut, die eingesammelten Fahrer dürfen glücklicherweise in einen Bus.

 

 

 

9:10 Uhr: Ich aber stehe hier, und bin einfach nur froh! Glücklich, dass ich hier an den Cyclassics überhaupt teilnehmen kann. Ein letztlich unfassbarer Glücksfall für mich. Ich bin so dankbar dafür!

9:15 Uhr: Der letzte Startblock P, etwa 100 Meter vor mir offiziell endend, füllt sich mittlerweile zügig. Zu meiner Überraschung bleibe ich hier ganz hinten aber auch nicht völlig alleine. Nach und nach gesellen sich etwa 15-20 Fahrer auch ganz nach hinten und wollen offenkundig auch als letzte starten. Etwas gelangweilt steht oder sitzt man so in der Gegend herum, genießt immer die Sonne. Ich plaudere ein wenig mit den beiden routinierten Ordnern. Offenbar bin ich aber auch etwas abgelenkt: Ich vergesse, mein normales Tacho zu nullen. Und mein GPS-gesteuertes Gerät will ich eigentlich nullen und zurücksetzen - statt dessen habe ich wohl versehentlich auf "Start/Stop" gedrückt und es angestellt.

 

 

 

9:35 Uhr: Da vorne, die ersten Radler aus dem Block P setzen sich in Bewegung! Ganz langsam zunächst. Mit nur wenigen Minuten Verspätung, die Organisation der Cyclassics klappt, wie immer. Ich kenne einen solchen Start ja aus früheren Jahren. Für mich ist das jetzt die Chance, mich noch schnell zu erleichtern in den jetzt freien Dixi-Klos...

9:37 Uhr, -1,7 km: Und wieder: Rauf aufs Rad! Rechten Fuß in die Pedale einklinken - und noch ein wenig warten. Nur wenige der jetzt etwa 30 Leute hier hinten schließen auf zu dem startenden Block P. Die meisten bleiben hier hinten noch etwas in der Sonne stehen.

9:38 Uhr, -1,6 km, Domstraße: Unglaublich! Was für ein völlig absurder Start eines Radrennens hier ganz am Ende! Allenfalls in Fußgängergeschwindigkeit mit 4 bis 6 km/h schleichen hier rund 15 Leute in aller Seelenruhe in Richtung Start. Keine Spur von dem Adrenalin-gesteuerten Hufescharren, das ich sonst erlebt habe. Das ist eigentlich urkomisch! Ich komme in ein lebhaftes Gespräch mit einem anderen Fahrer, der in einem FC St. Pauli-Shirt fährt und mir erzählt, dies sei sein erstes "Rennen auf Asphalt".

9:39 Uhr -1,5 km, Domstraße: Die hintersten Fahrer aus dem geschlossenen Startblock P geraten langsam schon außer Sichtweite, aber ich bin prompt in einer Gruppe aus Fahrern gelandet. Und diese Gruppe fährt weiterhin extrem langsam - langsamer als 10 km/h. Ist das hier wirklich ein Radrennen?? Oder ein Sonntags-Ausflug? Die Zeitmessung startet ja erst am Startbogen in der Hafencity. Zugegeben - ich will das hier und heute ja genießen, meinen Spaß haben. Aber diese Fußgänger-Geschwindigkeit macht mich gerade etwas kribbelig - ich klemme jedoch fest zwischen den anderen Trödlern.

9:40 Uhr -1,4 km, Domplatz: Einem Ordner wird es entschieden zu bunt mit uns, ziemlich pampig und genervt ruft er uns laut und kräftig zu: "So, nun seht mal endlich zu!!" Er will erkennbar anfangen, die Absperrungen mit anderen Helfern zusammen abzubauen. Und sein Ruf zeigt unmittelbare Wirkung: Mein "Schleicher-Trupp" erhöht prompt die Geschwindigkeit auf 15 km/h, kurz danach in der Steinstraße gar auf 20 km/h. Unsere kleine Gruppe zieht sich etwas auseinander. Wenn ich die Steinstraße ganz entlang schaue, dann kann ich noch ein paar Fahrer des Startblock P in 200-300 Meter Entfernung vor uns sehen. Wir hängen schon richtig weit zurück. Aber ich will ja auch als Letzter starten. Und ein Blick nach hinten zeigt: Da liege ich richtig gut im Rennen!

9:42 Uhr -0,3 km, Brooktorkai: Das Schneckenrennen ist vorbei, alle rollen seit der abschüssigen Kirchenallee flotter. Das ist gut für mich, denn es kostet mich nun keine Mühe mehr, mich nach hinten zu drängeln - ich muss einfach nur rechts fahren und ein wenig bremsen. Der St. Paulianer weicht mir allerdings nicht von der Seite. Nach vorne sehe ich kaum noch andere Fahrer vor der scharfen Kurve in die Shanghaiallee. Aber jetzt, im Brooktorkai, drehe ich mich mal um, um die Lage zu peilen. Und es trifft mich fast der Schlag: Da hinten, etwa 200 Meter hinter uns, fährt noch ein einsamer einzelner Fahrer! Direkt hinter ihm ein PKW, wohl der Besenwagen. Sonst ist da keiner mehr. Ich müsste hier jetzt stehen bleiben und eine Weile warten, um tatsächlich hinter ihn zu kommen. DAS ist mir nun aber doch einfach zu blöde!

9:43 Uhr, 0,0 km, Schanghaiallee: Gemeinsam mit dem St. Paulianer fahre ich durch den Startbogen - jetzt eben als Vorletzter von all den insgesamt rund 20.000 Fahrern der Vattenfall-Cyclassics. Na gut, es soll mir recht sein, dass sich da jemand noch vehement noch weiter nach hinten drängt. Vor lauter Plaudern vergesse ich, mein Tacho zu nullen. Immerhin aber denke ich daran, bei meinem GPS-Gerät auf "Start/Stop" zu drücken. Ohne es zu bemerken, stoppe ich das Gerät dadurch jedoch - und bemerke dies einstweilen nicht. Ab jetzt will ich meinen Spaß haben - aber auch zeigen, dass mein Weg ab jetzt nur noch nach vorne führt. Allerdings: Die Leute, die "ordentlich mit dem Startblock" gefahren sind, sind schon mehrere hundert Meter weg.

Cyclassics 2015, Dirk Matzen

Die Vattenfall Cyclassics 2015 - und ich bin dabei :-) Lange Zeit war das nicht zu erwarten. Und das ist schon Grund genug, um fröhlich zu winken.

 

 

 

9:45 Uhr, 0,9 km, Baakenhafen-brücke: Zunächst mal pendele ich mich auf meine vorgesehene "Reisegeschwin-digkeit" ein, so um die 30 km/h. Bei dem Rennen über die 100 Kilometern wird man ja aus dem Rennen genommen, wenn man deutlich langsamer, als 26 km/h im Schnitt ist. Noch nie saß mir der Besenwagen so nahe im Nacken, wie jetzt. Mit den 30 km/h sollte sich der Abstand zu ihm allerdings kontinuierlich vergrößern. Den einen oder anderen Fahrer aus unserer "Start-Schleicher-Gruppe" überhole ich damit jetzt schon. Von dem St. Paulianer verabschiede ich mich, wünsche ihm viel Spaß. Er ist ehrgeiziger und fitter und fährt nach vorne davon. Kurz hinter der Baakenhafenbrücke lauern die ersten Fotografen, die auf der Strecke Fotos machen (und diese nach dem Rennen an die Fahrer via Internet verkaufen). Ich winke fröhlich in die Kamera. Selbst mit meiner verspiegelten Sonnenbrille sieht man mir meine gute Laune an - wie ich auf dem geschossenen Foto später sehe. Kein Wunder: Ich übe ja gerade eines meiner liebsten Hobbies aus. Komisch eigentlich, dass viele andere Hobbyfahrer bei Ausübung dieses Hobbies immer so verbissen gucken.

09:53 Uhr, 5,4 km, Veddeler Damm: Das kenne ich ja schon - es geht die ersten Kilometer erstmal durch den Hafen. Zuschauer - die ich durchaus als das "Salz in der Cyclassics-Suppe" wahrnehme - gibt es hier nicht. Aber viele, die die Strecke absichern und ein Auge auf das Geschehen haben. Da ich eher alleine fahre, fällt mir auf, dass ich die Schienenquerungen hier auf dem Veddeler Damm noch nie so ungefährlich fand. Bei früheren Rennen war es häufiger so, dass andere Fahrer bei den Schienen sonderbare Schlenker fahren oder abrupt bremsen. Das ist nicht nur unnötig, sondern auch gefährlich in einer Radgruppe. Jetzt, hier, bei den paar Einzelfahrern kann jeder fahren, wie er will. Alles kein Problem! Und genau so wollte ich das ja.

09:59 Uhr, 8,3 km, Auffahrt zur Köhlbrandbrücke: Nicht gerade einsam, aber doch recht allein gehe ich die Auffahrt für die 53 m hohe Köhlbrandbrücke an. Sportlich so gar keine Herausforderung, bei rund 3 Prozent Steigung. Plötzlich und unerwartet jedoch piept mich mein GPS-Gerät vom Lenker aus an. Und es fragt mich kurz und knapp, ob es sich jetzt ausschalten soll - womit es natürlich nicht messen würde. MIST! Schlagartig wird mir klar, dass ich mich beim Start doch irgendwie vertan habe, und das Gerät gestoppt anstatt gestartet habe. Die Sonne scheint voll auf das Display des Gerätes und ich habe es ziemlich dunkel eingestellt. Also vertue ich mich wieder in meiner Hektik - anstatt auf "an lassen" zu drücken, erwische ich den Schalter "ausschalten". Irgendwie bin ich heute wohl, ja, doch, etwas deppert... Schwupps, ist mein GPS-Gerät aus. Ich schalte es wieder ein, warte ab, bis es endlich gebootet hat, und starte dann endlich die Zeitmessung und damit auch das mitloggen meiner Fahrt. Über diesen ganzen Fummelkram "verpasse" ich fast die schöne Auffahrt auf die Brücke (die ich eher nebenbei mit anfangs 28 - zum Schluss 19 km/h fahre) - und ich versäume auch fast den tollen und nur selten zu genießenden Blick von dort oben.

 

 

 

10:02 Uhr, 9,7 km, Köhlbrand-brücke oben: Über meine Hektik mit der GPS-Messung habe ich auch fast auch die traditionelle, diesjährige Aktion der Umwelt-organisation "Robin Wood" verpasst, die sich mit einem riesigen Transparent hoch oben auf den ersten Pfeiler der Brücke begeben haben. Traditionell richtet sich der Protest gegen den Hauptsponsor der Cyclassics, die Firma Vattenfall. Ich freue mich jedes Jahr über die Proteste, mag selber auch nicht gerne Werbung für einen Atom- und Kohle-Stromkonzern fahren! Was aber wird im nächsten Jahr sein? Vattenfall hat seinen Rückzug aus dem Sponsoring der Cyclassics nach der diesjährigen, 20. Auflage des Rennens angekündigt. Ob man dann als Teilnehmer Werbung etwa für Autos fahren muss - die ja zumindest in einer Stadt wie Hamburg oftmals direkte und manchmal sogar erklärte Feinde von Radfahrern sind? Dann hätte Robin Wood ja weiterhin Grund für Proteste...

10:04 Uhr, 10,7 km, Abfahrt Köhlbrandbrücke: Bei früheren Rennen war mir hier oftmals nicht wohl. Das Fahrerfeld lag meist eng beisammen und es sind hier, bei der Abfahrt von der Köhlbrandbrücke immer welche dabei gewesen, die schlicht halsbrecherisch fahren. Alle erreichen hier leicht hohe Geschwindigkeiten - und wildes Überholen in Schlangenlinien oder Zentimeter-nahes Windschattenfahren sind hier einfach mal Unfug! Trotzdem habe ich sowas hier immer erlebt. Umso mehr genieße ich es heute: Durch meinen geschickten Schachzug, ganz hinten zu starten, fahre ich hier weitgehend alleine. Zwar habe ich schon ein paar Fahrer überholt, aber von einem engen Fahrerfeld kann hier trotzdem nicht die Rede sein. Kurz: Noch nie hat es mir soviel Spaß gemacht, die Köhlbrandbrücke so frei und völlig unbedrängt herunterzufahren. Trotz der gut 52 km/h fühle ich mich heute völlig sicher bei der Abfahrt.

10:11 Uhr, 15,2 km, Waltershofer Strasse: Es klingt etwas albern. Oder auch etwas pathetisch. Aber, nun gut, jedenfalls habe ich mir heute vorgenommen, diesen Hamburger Fahrrad-Feiertag für mich selber nicht nur zu dem jährlichen Fahrrad-Feiertag zu erklären, sondern auch zu meinem persönlichen "Feiertag für das Leben" zu machen. Und um dem Ausdruck zu verleihen, habe ich mir vorgenommen, den Zuschauern, die sich irgendwie an diesem Spektakel beteiligen, Handküsse zuzuwerfen. Einfach so - ein Handkuss aus Liebe zum Leben. Und auch, weil ich es einfach toll finde, dass sie wildfremden Menschen wie mir hier Unterstützung zukommen lassen. Zugegeben: Ein wenig komisch ist mir ja schon bei diesem Gedanken mit den Handküssen - zumal ja niemand hier am Straßenrand von meinen Gedanken und den Zusammenhängen, aus denen diese stammen, eine Ahnung haben kann. Aber, wie auch immer: Nach dem zuschauerfreien Hafen tauchen hier jetzt die ersten Zuschauer an der Strecke auf. Zwei Frauen, etwas jünger wohl als ich, stehen rechts am Wegesrand und feuern auch uns hintersten Fahrer an - und endlich kann ich meinen ersten Handkuss ins Publikum werfen. Weil ich ja flott vorbeigerollt bin, sehe ich zwar keine unmittelbare Reaktion - höre aber im Rücken ein Juchzen, das zwischen fröhlich und belustigt klingt. Also beschließe ich, hiermit weiter zu machen. Unterwegs bin ich hier auf der ebenen Strecke mittlerweile mit einer Geschwindigkeit von 33-35 km/h.

10:18 Uhr, 19,0 km, Einfahrt zum Ehestorfer Heuweg: Die Steigung in die Harburger Berge, nach Ehestorf beginnt. Hier in der Abbiegung der Straße stehen immer noch viele Leute zum zuschauen und anfeuern. Die müssen schon über ein ziemliches Durchhaltevermögen verfügen, um bis zu uns letzten hier zu bleiben. Grund für einen Handkuss! Auf die anstehenden vier Kilometer Strecke mit der leichten Steigung, die zum Schluss noch etwas Biss kriegt, freue ich mich richtig! Als ich im Jahr 2011 zum ersten Mal die 100 km-Strecke der Cyclassics in Angriff genommen hatte, war ich zunächst etwas erschreckt über diese Steigung. Inzwischen kenne ich sie in- und auswendig und spätestens seit einer Alpenüberquerung mit dem Rennrad vor einigen Jahren, mag ich diesen rund 100 Meter hohen Hügel nach Ehestorf hinauf einfach gerne fahren - so etwas gibt es im Hamburger Umfeld ja nicht so richtig oft.

10:27 Uhr, 22,5 km, Emmetal kurz vor Ehestorf: Nun zwickt es doch etwas in den Beinen und ich werde mit 17 km/h doch ziemlich langsam - aber das ist bei den 7-9 Prozent Steigung hier zum Ende der Auffahrt nach Ehestorf schon okay. Da vorne hinter der Kurve höre ich schon die anfeuernden Zuschauer in Ehestorf - dort treffen sich immer recht viele Leute, um den Fahrern die letzten Meter "hinaufzurufen". Mir gefällt das! Die meiste Zeit bin ich diese Steigung recht flott hinauf gefahren, so mit rund 26 km/h. Dabei hat sich ergeben, dass ich viel auf der eher linken Spur unterwegs bin: Ich bin schneller, als die meisten anderen um mich herum und hole immer mehr Fahrer ein, die weiter vorne gestartet sind. Es wird so langsam etwas "enger" um mich herum mit anderen Fahrern. Eigentlich hatte ich nicht vermutet, dass ich so flott in richtige Fahrerfelder und -gruppen gerate. Aber auf der anderen Seite ist das auch kein wirkliches Problem, es ist Platz genug für alle da. Nur gerade "hier oben" (in sagenhaften 100 m Höhe) sind es doch ziemlich viele, die mühsam hier "hinauftrudeln" - und vor lauter Konzentration und Ausweichen schaffe ich es gar nicht, der Zuschauermenge einen Handkuss zuzuwerfen.. Tut mir echt leid - Sorry!

10:43 Uhr, 30,0 km, Langenrehm: Auch hinter Ehestorf geht es noch ein wenig mit kleinen Steigungen weiter. Macht aber nix, ich bin allerbester Dinge: Alles fühlt sich perfekt an heute, von den absolut perfekten äußeren Rahmenbedingungen bis hin zu meiner eigenen Verfassung. Letzteres ist etwas überraschend. Ich merke immer wieder selber, dass ich hier lächelnd durch die Gegend fahre. Auch der höchste Punkt der Strecke hier in Langenrehm mit fast schon schwindelerregenden 137 Metern über NN kann mich nicht schrecken. Früher gab es vor Langenrehm mal eine "Bergwertung". Gibt es diese in diesem Jahr nicht - oder ist die heute schon abgebaut worden??

11:01 Uhr, 40,6 km, Buchholz: Es fällt mir auf, dass in Buchholz deutlich mehr Zuschauer unterwegs sind, als in früheren Jahren. Liegt es womöglich daran, dass heute alles von der Uhrzeit her etwas später ist? Der Start des Rennens der Jedermänner war ja eine Stunde später, als in den Jahren zuvor? Und zudem fahre ich ja ganz hinten - bin also fast zwei Stunden später in Buchholz, als bei früheren Rennen. Vielleicht stehen ja mittlerweile auch die längsten Langschläfer an der Strecke? Die ich sonst verpasst habe, weil ich hier kurz nach 9 Uhr vorbeihuschte? Wie auch immer, eines wird mir irgendwo hier auch noch bewusst: Ganz hinten bei den Cyclassics starten, heißt auch: Man wird einfach nicht von so vielen anderen Fahrern überholt. Auch ein gutes Gefühl!

11:02:54 Uhr: Die ersten Fahrer meiner 100 km-Strecke kommen genau jetzt ins Ziel. Ich habe derweil noch genau 65 km vor mir...

11:04 Uhr, 41,8 km, Buchholz: Es gibt eine erhebliche Streckenänderung in diesem Jahr. Kurz nach der Brücke über die Bahngleise in Buchholz geht es links ab in Richtung Reindorf. In früheren Jahren fuhr man schlicht geradeaus und kam dann nach Seppensen und Holm-Seppensen. Dieser Streckenabschnitt in Seppensen war immer sehr üppig von anfeuernden Zuschauern besucht. Und ich bedaure ein wenig, dass diese Orte diesmal nicht passiert werden. Ob die Bewohner in den neu zu durchfahrenden Ortschaften wohl Lust haben, uns Fahrer anzuschauen und anzufeuern?

11:13 Uhr, 47,0 km, Lüllau: Die letzte Frage kann ich eindeutig mit "ja" beantworten. Gefühlt ist es sogar so, dass man in den "neuen" Ortschaften Reindorf und Lüllau, später auch Asendorf und Marxen besonders begeistert ist und lustvoll anfeuert. Toll, dies macht die Cyclassics eigentlich erst zu dem, was sie sind. Fleißig bin ich dabei, Kusshände in die klatschenden Mengen zu werfen. Tatsächlich ist alles ein großer Spaß heute!

11:16 Uhr, 48,7 km, Jesteburg, Ortsrand: Auch auf der "alten Streckenführung" kam man immer durch Jesteburg, durchfuhr den Ort in den letzten Jahren von Süden nach Norden der Länge nach. Als besonders "zuschauerträchtig" habe ich Jesteburg in den letzten Jahren nicht wahrgenommen. Heute allerdings ist das anders. Heute wird der Ort auf anderer, viel kürzerer Strecke von West nach Ost durchfahren. Als das Ortschild noch ein Stück vor dem Ort selber in Sicht kommt, bin ich etwas überrascht: Was - jetzt schon Jesteburg?? Ich fahre gerade hinter einem ziemlich chaotischen Knäuel von anderen Fahrern hinterher ("Gruppe" kann ich das nicht nennen, es ist eigentlich völlig chaotisches Fahren), wie es sich auf den Kilometern immer mal wieder ergeben hat. Blitzschnell schalte ich um, es geht mir durch den Kopf, dass in Jesteburg gleich zwei Gefahrenstellen ausgewiesen sind - eine irgendwie abschüssige Rechtskurve und ein etwas tückischer Kreisverkehr, der auch schon in früheren Jahren zu durchfahren war, wenn auch in anderer Richtung. Nee, denke ich mir, mit dieser Gruppe an eher unsicheren Fahrern, die ganz offenkundig nicht gelernt haben, in einer Gruppe zu fahren, willste gar nicht durch diese beiden Gefahrenstellen durch!

11:19 Uhr, 50,6 km, Jesteburg: Also hole ich ein-, zweimal tief Luft, nehme richtig Schwung auf - und fahre dem Knäuel anderer Fahrer schnell und locker nach vorne davon. Sofort bemerke ich: Niemand folgt mir, ziemlich schnell ist dieses "Radler-Knäuel" richtig weit hinter mir. Vor mir ist auch kein anderer Fahrer in Sicht: Ganz allein auf weiter Flur fahre ich also durch Jesteburg. Die Gefahrstellen sind auf diese Weise überhaupt kein Problem. Aber dann, völlig überraschend: Was für ein Erlebnis! Dadurch, dass es "quer" durch Jesteburg geht, ist die Strecke durch den Ort nur kurz, und offenkundig haben sich alle, alle auf diesem kurzem Stück versammelt, um die Fahrer anzufeuern - und tun dies mit Begeisterung und Hingabe auch für uns hinteren Fahrer. Einen Moment lang habe ich das Gefühl, hier ganz allein durch ein dichtes Spalier von applaudierenden Menschen zu fahren - wenn auch ziemlich flott (mit rund 37 km/h). Einfach großartig! Eine Kusshand nach links - ich höre Anfeuern, Lachen, Rufe. Noch eine Kusshand, nach rechts. Wieder branden Reaktionen auf, es wird von hunderten Händen geklatscht und aus vielen Mündern gerufen - für mich ganz allein. Ich drehe mich nochmal um: In der Tat: Das gilt alles mir, ich bin hier allein! Noch etwas winken. Sicherlich strahle ich über das ganze Gesicht: Was für ein toller, toller Moment! Ich ganz allein zwischen hunderten klatschenden Zuschauern. Wie ein Gewinner fühle ich mich durch die tollen Reaktionen der Jesteburger. In früheren Jahren wäre mir deren Begeisterung eher etwas peinlich gewesen: Schließlich fahre ich hier doch nur ein wenig Fahrrad - sonst nichts. Aber in diesem Jahr trifft mich dieser Moment mitten ins Herz. Und es schießen mir blitzschnell tausend Gedanken und Bilder durch den Sinn: Was für ein beschissenes Jahr hatte ich bloß gehabt - ein Auge zerfallen, Herzallerliebste weg, Krebsdiagnose und -therapie, Reha. Mühsam wieder ins normale Leben zurück. Dass ich hier jetzt überhaupt mitfahren kann, kommt mir selber wie ein mittelgroßes Wunder vor. In sekundenschnelle steigen mir Tränen in die Augen bei diesem gedanklichen "Flashback"; Tränen der Rührung, der Ergriffenheit. Und das mitten bei einem Radrennen. Fast ein wenig kitschig, oder? Aber, egal, irgendwie fühle ich mich ja selber heute vom Start weg wie ein Gewinner - und da dürfen die Leute mich hier gerne auch beklatschen. Auch, wenn sie von meiner eigenen Dramatik gar nichts ahnen können - das ist heute völlig in Ordnung so! Vielen Dank, Ihr Jesteburgerinnen und Jesteburger! Das war wirklich toll!

11:32 Uhr, 56,9 km, Marxen: Der Ort ist "neu im Programm" aufgrund der veränderten Streckenführung. Und hier ist der Verpflegungspunkt für das heutige Rennen. Mir ist es ja immer lieber, meine eigene, private Verpflegungsstation zu haben - aber die ist in diesem Jahr leider komplett ausgefallen. Auch eine Freundin in Fleestedt hat mir absagen müssen, so, dass ich es eingeplant habe, hier in Marxen einen Stopp einzulegen. Ich weiß ja: Wenn man in einem Rennen so weit hinten unterwegs ist, dann kann es schon mal sein, dass ein solcher Verpflegungspunkt komplett "leergeräumt" ist und die gierigen Münder weiter vorne alles weggefuttert haben. Doch als hier jetzt der Verpflegungspunkt in Sicht kommt, trifft mich fast der Schlag: Es scheint hier geradezu überzuquellen vor Fahrern. Binnen einer Zehntelsekunde beschließe ich: Nein, hier machst Du keinen Stopp! Da würdest Du ja minutenlang anstehen, um ein wenig Wasser zu erhaschen. Oder vielleicht ein Stückchen Banane. Und wohin nur mit dem Rad? Alles ist voll! Und ich würde richtig auskühlen, nee, nee! Binnen weniger Sekunden bin ich vorbei am Verpflegungspunkt - und habe damit gleich auch ein paar hundert Fahrer überholt: Die, die hier gerade stehen. Auf eine Weise blöd ist das aber auch: Einen kurzen Stopp hatte ich durchaus eingeplant. Nicht, dass ich momentan schon konditionelle Probleme wahrnehme, aber mal kurz die Beine lockern, kurz Luft holen, in Ruhe etwas trinken, sich etwas strecken - das tut eigentlich alles gut! Und ich bin ja auch gar nicht auf der Jagd nach Sekunden. Wie soll das jetzt geschehen? Mechanisch greife ich in meine Trikottasche, ziehe einen Energieriegel hervor (hatte ich "für alle Fälle" mitgenommen) und kaue lange darauf herum. Was das Atmen bei dem flotten Tempo nicht eben einfacher macht. Also gut, rolle ich eben derweil etwas langsamer vor mich hin...

11:45 Uhr, 64,0 km, kurz vor Helmstorf: Nur ganz selten bin ich heute bisher von anderen Fahrern überholt worden (klar - wie auch, wenn man ganz hinten startet...). Da bleibt mir fast die Luft weg, als ein Zug von fünf oder sechs Fahrern fast im ICE-Tempo an mir vorbei donnert - alle fein im gleichen Trikot und schön im Windschatten fahrend. Huch, wo kommen die denn her? Ob die noch gewinnen wollen?? Was für ein Tempo! Vielleicht sind die ja an der Spitze gefahren - und dann am Verpflegungspunkt so richtig versackt? Oder hatten ne größere Panne?

11:58 Uhr, 70,9 km, Fleestedt: Während ich noch immer Bissen von meinem Energieriegel mühsam kauend nach Fleestedt komme, lasse ich den Blick schweifen, ob nicht doch mein persönlicher Support hier auf mich wartet. Es stehen gefühlt zwar mehr Leute in Fleestedt am Straßenrand, als in früheren Jahren. Aber, nein - meine Bekannte nicht. Also keine persönliche Unterstützung für mich in diesem Jahr bei den Cyclassics. Muss ich mich halt so durchbeißen.

12:05 Uhr, 74,8 km, Harburg, Winsener Straße: Nach der Schleife ins nördliche Niedersachsen bin ich wieder zurück in Hamburg. Die Anfeuerung, der Support hier entlang der breiten Straße ist wieder phänomenal, wie eigentlich jedes Jahr. Nach dem kleinen Anstieg nach Langenbek genieße ich es, meine Beine in der "Abfahrt" auf der Winsener Straße in Harburger Zentrum ein wenig "hängen zu lassen" - also das Rad einfach mal rollen zu lassen. In meinem Rücken "zieht" es schon eine Weile lang etwas - inzwischen merke ich aber auch die Anstrengung in meinen Beinen. Das ist nach 74 km aber auch okay. Aber wenn nichts komisches mehr passiert, werde ich es wohl ins Ziel schaffen. Und das ist doch toll!

12:08 Uhr, 76,7 km, Harburg: Ha! Jetzt hier abbiegen, eine Pause einlegen, und bei einer Freundin in ihrer wunderschönen Praxis zum Beispiel eine Klangmassage genießen - das wär's doch! Oder? Nein, nicht wirklich kommen mir gerade diese Gedanken - eigentlich soll dies hier nur kurz erwähnt werden...

12:11 Uhr, 78,0 km, Harburg, Seehafenbrücke: Auch hier: Ein neuer Streckenverlauf. Ging es in den vergangenen Jahren auf der Seehafenbrücke ab nach rechts. um das Fahrerfeld dann über die Brücke des 17. Juni auf die Elbinsel Wilhelmsburg zu leiten, so geht es dieses Mal auf der Seehafenbrücke nach links ab. Der Grund: Zum diesjährigen 20. Jubiläum der Cyclassics geht es für das Fahrerfeld ein zweites Mal über die Köhlbrandbrücke im Hafen.

12:20 Uhr, 83,5 km, Moorburg: Auch in Moorburg weiß man, was sich gehört: Viele Leute stehen noch am Straßenrand und feuern uns hinteren Fahrer an. Wie schön, dass Moorburg auch mal in den Genuss der Cyclassics kommen - nach Planungen der 80er Jahre hätte dieser wunderschöne und sehr dörfliche Stadtteil Hamburgs schon längst vollständig einer Hafenerweiterung zum Opfer fallen sollen - was Moorburg womöglich immer noch droht. Unvorstellbar! Ich selber allerdings spüre inzwischen deutlich meine Beine. Das geht aber offenbar vielen um mich herum so: Alle schleichen mehr oder minder vor sich hin. Alles kein echtes Problem. Immerhin spüre ich auch gerade hier deutlich, dass der Wind inzwischen deutlich zugenommen hat. Hier schiebt er mal ein wenig, insgesamt wird er aber später dann mehr von vorne kommen.

12:33 Uhr, 89,9 km, Auffahrt Köhlbrandbrücke: Mittlerweile bin ich in ein dichtes Fahrerfeld geraten, leider. Gefällt mir nicht so, lässt sich aber auch nicht mehr wirklich vermeiden. Richtig blöde wird dies nun plötzlich bei der Auffahrt auf die Köhlbrandbrücke. Kaum geht es leicht bergauf, ächzt und stöhnt es um mich herum, dass es mich geradezu erschreckt! Die Geschwindigkeit um mich herum sinkt auf knapp über Fußgänger ab: Mit 13/14 km/h geht es mühsam voran, hinauf auf die Köhlbrandbrücke. Das ist mir aber doch ein wenig zu lahm! Gerne möchte ich etwas zügiger hier hinauf fahren, bin aber geradezu eingeklemmt - was mich zugegebenerweise nervt! Macht doch bitte mal ein wenig Platz für etwas flottere Fahrer! Nach und nach hangele ich mich auf die linke Fahrseite durch - als ich fast schon ganz oben auf der Brücke eine Fahrerin fast über den Haufen fahre: Sie steht auf der linken Spur und wartet, dass ihr Begleiter sie mit seinem Smartphone fotografiert. Ja - meine Güte! Geht's denn noch? Da es ein dichtes Gewusel auf der Brücke ist, habe ich es wirklich erst in letzter Sekunde gesehen, dass die beiden hier mitten im dichten Fahrerfeld auf der linken Fahrtspur STEHEN beinahe. Was für ein Unfug! Aber bei der nötigen Konzentration in dem Durcheinander hier ist mein Ärger schnell verraucht. Denn jetzt geht's ja an die Abfahrt.

Cyclassics 2015, Köhlbrandbrücke

Was für ein Panorama! Das zweite Mal oben auf der Köhlbrandbrücke. Was man nicht sieht: Den hier strammen Gegenwind.

 

 

 

12:37 Uhr, 91,1 km, Abfahrt Köhlbrand-brücke: Aber, was ist denn das? Da hatte ich mich schon lange auf die schnurgerade Abfahrt von der Köhlbrandbrücke gefreut, schön rollen lassen, schön ein bisschen erholen - und jetzt geht es gefühlt kaum voran! Wenn ich einfach so rollen lasse, dann komme ich kaum über 25 km/h hinaus! Der Gegenwind ist hier oben auf der freistehenden Brücke dermaßen heftig, das hatte ich so nicht erwartet. Etwas lustlos trete ich in die Pedalen: So ein Mist! Nach einem Moment rast ein in Gegensatz zu den meisten anderen hier sehr ruhig und kontrolliert fahrender und zügig pedalierender "Safer Cycling-Guide" an mir vorbei - und ich begreife: Dieser Fahrer ist meine Chance! Der kann, im Gegensatz zu etlichen andern hier, mit dem Rad gut umgehen. Also schließe ich mit einem kleinen Kraftakt zu ihm auf und hänge mich an ihn dran. Mit immerhin 36-38 km/h rauschen wir dann mit verblüffend großem Kraftaufwand die Brücke runter.

12:46 Uhr, 95,6 km, Veddeler Damm: Mit ziemlich schlechtem Gewissen lutsche ich hier immer noch im Windschatten des Safer Cycling-Guides. Schon auf der Brücke wurde mir klar: Bei diesem Gegenwind wird auch der Veddeler Damm hart, da er auch direkt gegen den Wind geht. Fast jedes Jahr gibt's hier Gegenwind und die breite, schnurgerade Straße zieht sich dann unheimlich in die Länge. Der Safer Cycling-Guide ist eigentlich zu schnell für meine Kraftreserven, aber ich gebe mir Mühe, dranzubleiben, weil er einfach souverän fährt. Aber ich komme hier an meine Grenze und vermag es nicht, auch mal Führungsarbeit zu übernehmen. Andere Fahrer versuchen zuweilen, mit uns mitzufahren - aber das schafft auch keiner.

12:51 Uhr, 98,2 km, Freihafenbrücke: Längere Zeit an der Grenze der eigenen Kräfte zu fahren ist aber auch keine Lösung! Bis über die Freihafenbrücke folge ich noch dem Safer Cycling-Guide. Als es dort dann in einem Fahrerknäuel ziemlich eng wird, verliere ich ihn. Und das ist schade! Denn eigentlich wollte ich noch mal zu ihm aufschließen und mich für seinen Support, ob nun gewollt oder ungewollt, herzlich bedanken und kurz erklären, dass diese Cyclassics in diesem Jahr für mich ganz besonders sind. Sehr bedauerlich, dass ich dies nicht geschafft habe! Drum an dieser Stelle, und ganz allgemein: Einen Großdank an die Gruppe der Safer Cycling-Guides, die seit einigen Jahren im Feld eingesetzt werden und die ich ganz allgemein als ruhiges und ausgeglichenes Element bei den Cyclassics.

12:55 Uhr, 100,4 km, Shanghaiallee: So, nun bin ich durch! Kräftemäßig jedenfalls. Die paar Kilometer zu schnelles Fahren, wenn auch im Windschatten, war nicht wirklich schlau. Ziemlich geschafft eiere ich jetzt hier durch die Hafencity und muss mich erstmal ein wenig erholen. Macht nix - ist ja nicht mehr weit bis ins Ziel. Und das würde ich mittlerweile selbst schiebend noch innerhalb der gesetzten Zeit erreichen. Ist das nicht toll?

13:00 Uhr, 102,6 km, Ballindamm, Ecke Jungfernstieg: Ganz schön viele Zuschauer stehen hier noch in der übersichtlichen Kurve. Zeit für noch ein paar Handküsse. Die gehen hier, in der Masse der Fahrer, allerdings eher unter. Macht nix.

13:01 Uhr, 103,2 km, Gänsemarkt: Jeglicher Schwung und Ehrgeiz ist verbraucht, ich will jetzt nur noch ins Ziel, gerne auch gemütlich. Ich bin einfach geschafft. Weiß aber auch, dass es nur noch wenige Momente bis zu dem Rausch der Zielgerade ist.

13:02 Uhr, 104,0 km, Kaiser-Wilhelm-Straße: Glücklicherweise ist es um mich herum gerade wieder relativ leer mit nur einzelnen anderen Fahrern. Die Felderzusammenführung mit den Fahrern der 155 km-Strecke ist völlig unkompliziert. Die ersten Zuschauer an den Banden tauchen links und rechts auf und feuern die Zielankömmlinge an. Vor mir fährt eine Frau in einem etwas flatterigen T-Shirt mit der (Werbe-)Aufschrift "Von Grund auf frisch". Stimmt für mich gerade nicht so richtig. Ich rolle neben sie und meine zu ihr, dass nun ja der genussvolle Teil des Rennens käme. Sie reagiert so charmant, dass ich prompt bedaure, sie nicht ein paar Kilometer vorher eingeholt zu haben...

 

 

 

13:05 Uhr, 105,4 km, Mönckeberg-straße: Es ist tatsächlich so, wie schon geschrieben: Es ist einfach ein gewaltiger Genuss, hier über die Mönckeberg-straße in das Ziel der Cyclassics zu fahren. Ein fast rauschhaftes Erlebnis. Jegliche Anstrengung ist vergessen. Kein Muskel tut mehr weh - alles ist plötzlich wieder geschmeidig. Von den Zuschauern geht eine Energie aus, die einen geradezu in das Ziel trägt. Glückshormone durchrauschen den Körper. Alles ist toll. Glücklich und zufrieden bin ich. Und um mehr von diesem Gefühl zu haben, gebe ich auf der Zielgerade immer gerade NICHT noch mal richtig Gas, sondern sauge in langsamer Fahrt mit rund 25 km/h alles auf.

Cyclassics 2015, Zieleinfahrt

Zieleinfahrt nach 3:23:02 Stunden.

13:06:02 Uhr, 105,6 km, Zieldurchfahrt: Cyclassics 2015, 106 km: Geschafft! Erster Gedanke: Fuck you, cancer! Du hast doch einen ziemlich starken Gegner! Mit drei anderen Fahrern rolle ich parallel über die Ziellinie.

13:06:14 Uhr, Ziel + 30 m: Irgendein Vollidiot reißt mich aus meinem etwas verträumten, glückseligen Gefühl: Ein Fahrer hatte offenkundig direkt nach der Zieldurchfahrt angehalten und sich auf der linken Fahrtseite mit irgendjemanden unterhalten. Als wir vier gerade durchs Ziel fahren, rollt er ganz langsam und ohne weiter zu gucken quer über die Straße auf die rechte Seite - und räumt dabei uns vier fast alle ab. Wie kann man denn eigentlich so doof sein? Dank unserer Aufmerksamkeit und schneller Reaktionen geht alles gut - aber dies war die mit Abstand gefährlichste Situation bei dem ganzen Rennen. 30 Meter nach dem Ziel. Sachen gibt's... Schade nur, dass dieser Dödel mein Hochgefühl im Ziel so schnell , nun ja: unterbrochen hat.

13:08 Uhr, Ziel + 800 m, Burchardplatz: Dann gibt's nach dem Ausrollen in Richtung Burchardplatz erstmal das übliche Schlangestehen für die Abgabe des Transponders für die Zeitmessung. Irgendwie ist der Burchardplatz immer noch viel zu klein für diese Funktion bei diesem Event - aber das hatte ich ja schon vor vier Jahren bemerkt, als ich die 100 km-Strecke ja schon einmal gefahren war. Man drängelt sich mit seinem Rad im Schlepptau halt mühsam durch. Aber ich bin ja nicht auf der Flucht und habe alle Ruhe der Welt... Immerhin: Ich bekomme die Sonder-Ausgabe der Medaille zum 20. Jubiläum. Fast hatte ich damit gerechnet, dass die bereits vergriffen sind.

Aber natürlich gibt es keinen Kuchen mehr für mich. In einer großen Werbeaktion hatte einer der Sponsoren angekündigt, dass es für alle im Ziel "Kuchen satt" gäbe. Aber dafür bin ich eben doch zu spät hier, ein Nachteil als "Spätstarter". Aber damit kann ich auch leben. Nur bin ich vom ganzen Wesen her eben kein Freund von leeren Versprechungen...

Meinem Bedürfnis, mich ein wenig hinzusetzen, kann ich hier am Burchardplatz nicht nachgehen: Es ist alles zu voll. Erst an einer Bushaltestelle an der Mönckebergstraße finde ich ein Plätzchen zum sitzen. Und komme prompt mit einem paar Zuschauer ins Gespräch, der sich dafür interessiert, "wie das denn so ist", eine solche Runde zu fahren. Da kann ich nur dazu raten, dies einfach mal auszuprobieren. Derweil betrachte ich noch eine ganze Weile lang die wenigen noch eintreffenden Fahrer der Jedermannrennen.

 

 

 

Auch schaue ich mir die erste Durchfahrt der Profis auf der Mönckeberg-straße noch an. Das habe ich sonst eigentlich nie gemacht, aber heute habe ich einfach die Ruhe dafür weg, glücklich und zufrieden, wie ich bin. So richtig toll finde ich die Profis aber gar nicht. Okay: Die Geschwindigkeit, mit der die dadurch donnern, ist schon beeindruckend. Aber letztlich sieht und erkennt man gar nichts. Ein, zwei Fahrer kann ich im Feld ausfindig machen, aber binnen weniger Sekunden sind die rund 200 Fahrer an mir vorbeigerauscht und es bleibt nur ein beeindruckender Fahrtwind...

Ein viel besserer Ort zum Gucken der Profis wäre da sicherlich der Waseberg in Blankenese, wo auch die besten Profis auf übersichtliche Geschwindigkeiten absacken. Aber dort wollte ich jetzt nicht extra hinradeln. Aber irgendwie finde ich es viel schöner, die Jedermänner und -frauen zu gucken. Man hat stundenlang etwas davon. Und es ist schöner, unschuldiger, echter Sport.

Da fahre ich dann lieber gemütlich nach Hause. Und die rund sechs Kilometer bis dahin gemütlich zu radeln, tut gut. Ein Profi würde sagen, er müsse ja noch das Laktat aus der Muskulatur heraustreten - für mich ist es einfach "noch einmal die Beine ein wenig lockern".

 

CYCLASSICS 2015 - EIN FAZIT:

Nun, es ist schon so: Die Hamburg-Cyclassics sind keine sonntägliche Spazierfahrt - auch, wenn ich hier in diesem Bericht vielleicht den Eindruck erwecke. Wenn man keine Freude daran hat, sich zumindest ein wenig mit anderen zu messen, zumindest ein wenig den Wettkampfcharakter dieses Jedermannrennens anzunehmen, dann wird man nicht allzu viel Spaß daran haben.

Ein wenig Ehrgeiz ist dabei ganz schön. Übertriebener Ehrgeiz bei den Cyclassics ist allerdings völliger Blödsinn: Es geht um nichts, man kann nichts gewinnen bei den Cyclassics. Für die Jedermänner und -frauen gibt es nicht mal eine Siegerehrung. Glücklicherweise! Denn diejenigen, die da ganz vorne bei den Jedermännern fahren, sind trotz allem bis in die Haarspitzen voller Adrenalin - das muss durch Verlockungen durch den Veranstalter nicht noch befeuert werden.

Besonderen Spaß hat mir dieses Jahr der Start ganz, ganz, ganz hinten im Fahrerfeld gemacht! Das war toll! Das hatte ja aufgrund meiner eingeschränkten Sicht seinen ganz konkreten Zweck, aber machte auch an sich einfach Spaß - und führte dazu, dass ich etwa die Hälfte der Strecke weitgehend unbehelligt zurücklegen kann. Einfach großartig sind in dem Zusammenhang die völlig unbedrängte erste Abfahrt von der Köhlbrandbrücke oder das ebenso gemütlich unbedrängte Auffahrt nach Ehestorf. Insgesamt bin ich dadurch zwar fast nie (Ausnahme der Safer Cycling-Guide) in den Genuss von Windschatten gekommen - aber wenn man nicht auf der Jagd nach Sekunden und einzelnen Plätzen ist, dann ist das auch völlig egal.

Eng wurde es nur bei der zweiten Auffahrt auf die Köhlbrandbrücke - und dabei auch irritierend achtlos um mich herum. Dort war höchste Umsicht nötig. Na, und dann auch bei dem Träumer 30 m nach dem Ziel...

Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass neben meinem Gefühl der Freude auch eine große Dankbarkeit vorhanden ist. Dankbar bin ich dem Veranstalter, den vielen, vielen Helfern an der Strecke entlang (alles lief perfekt), den vielen Zuschauern an der Strecke (mit dem für mich absoluten Höhepunkt in Jesteburg) und meinen Mitfahrern (die weitaus meisten sehr, sehr achtsam und vorsichtig, wenn z.T. spürbar auch etwas unerfahren - aber letzteres war vor ein paar Jahren ja auch noch ich). Nicht vergessen will ich in diesem Jahr besonders jedoch mein persönliches Umfeld: Freunde, Bekannte, Kollegen, Familie, die mich auf dem Weg der Gesundung unterstützten. Und vor allem auch: Ärzte, Schwestern, Assistenten, die mich mit hohem und freundlichem Engagement in meinem Leben festhielten - und auf der tollen Reha in St. Peter Ording wieder in Schwung brachten! Tausend Dank an alle!

 

Und die Zahlen zu meinen Cyclassics 2015?

Nun, sie sind für mich dieses Mal noch weniger wichtig, als früher. Zwickte mich sonst früher manchmal doch der Ehrgeiz ein wenig, so war das diesmal nahe null. Und meinen Spaß hatte ich, ohne wenn und aber, gehabt mit den folgenden Fakten:

- Offizieller Streckenlänge: 106 km
- Offizielle Fahrtzeit: 3:23:02 Stunden
- Offizielle Durchschnittsgeschwindigkeit: 31,33 km/h
- Offizielle Ankunftszeit: 13:06:02 Uhr
- Offizielle Platzierung: 5978 (von 7876 gewerteten männlichen
   Teilnehmern im Ziel)
- Platzierung in meiner Alterklasse Senioren 3: 1540 (von 2087
   gewerteten Teilnehmern)
- Eigene Messungen: Wegen eigener Dusseligkeit beim Start verpasst...
   Bleibt nur: Maximale Geschwindigkeit: 52,7 km/h (auf der Abfahrt der
   Köhlbrandbrücke)


Und das alles bedeutet schlicht:

- ich bin ins Ziel gekommen!! YES!
- 5977 männliche Fahrer waren schneller als ich - und das um bis zu 52
   Minuten! WOW!
- ich habe auf den 106 Kilometern 918 Fahrer und Fahrerinnen tatsächlich
   überholt. ÄTSCH!
- 1131 männliche Fahrer habe "virtuell" überholt: Sie sind zwar vor mir
   im Ziel gewesen, aber so deutlich vor mir gestartet, dass ich halt
   schneller war. DOPPELT ÄTSCH!

Und was besagt das alles nun? Eigentlich nichts! Wichtig ist nur: Alles ging gut - und der Hamburger Fahrrad-Feiertag Cyclassics war wieder großartig... Wer weiß schon, was die Zeit so bringt: Vielleicht ja auf ein Neues bei den Cyclassics 2016? Aber wenn - dann wieder nur mit dem Start ganz, ganz hinten.

 

 

 

 

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Dirk Matzen

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