Škoda Velotour/Rund um den Finanzplatz
  Eschborn-Frankfurt 2013:

  Gemischte Gefühle zwischen Steuerparadies
  und Taunus

Ein Erlebnisbericht zum Jedermann-Radrennen in Eschborn / Frankfurt
  Mai 2013, mit 5 Bildern




Frankfurt Skyline Finanzplatz

Da man bei einem Radrennen keinen Blick hierfür hat, sollte man sich als Tourist ein wenig von der Umgebung anschauen. Hier die Skyline der Banken von Frankfurt. Immerhin hört das Jedermann-Radrennen ja auch auf den selten schönen Namen "Škoda Velotour / Rund um den Finanzplatz".

Es ist der Erste Mai 2013 - und es steht für mich bereits das zweite Jedermannradrennen des Jahres an. Nach der Tour d'Energie in Göttingen am Wochenende zuvor geht es an diesem Mittwoch in Eschborn bei Frankfurt auf die nächste Strecke. Das Rennen mit dem unfassbaren Titel "Škoda Velotour - Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" lockt. Früher einmal war es als "Rund um den Henninger Turm" zumindest bundesweit bekannt. Aus Gründen des Sponsoring hat man es dann vor ein paar Jahren umbenannt. Es gibt für die Jedermänner auf zwei Rädern (es kommen noch andere Disziplinen wie Skaten hinzu) drei Streckenlängen: 42, 70 und 104 km.

Zu einem Zeitpunkt, an dem ich noch nicht ahnen konnte, dass ich aus dem langen Winter mit einem enormen Trainingsrückstand heraus kommen werde, habe ich mich optimistisch für die 104 km lange Strecke angemeldet. Das besondere auf dieser Route: Im Gegensatz zu den beiden anderen Streckenlängen enthält die 104 km-Runde die Fahrt über den Großen Feldberg im Taunus, südlich von Frankfurt. Eine rund 15 km lange Steigung auf letztlich 860 Meter Höhe lockt mich norddeutschen Flachländer doch sehr.

Beim Rennen in Göttingen am Wochenende zuvor gab es auch schon ein paar schöne Anstiege - denen ich mit meiner schlechten Vorbereitung Tribut zollen musste. Irgendwo weit, weit hinten im Klassement rollte ich ins Ziel. Und doch hat dieses Rennen mir einfach nur Spaß gemacht: Super Organisation, eine tolle Strecke in schöner Landschaft, achtsame Mitfahrer, schöne Atmosphäre an der Strecke und im Ziel in der Innenstadt bei angenehmen Wetter.

Jetzt also Frankfurt, bzw. Eschborn. Eine Unterkunft finde ich bei einem alten Freund in Frankfurt, dem ich ein paar Tage auf die Pelle rücke. Der 1. Mai ist in diesem Jahr ein Mittwoch. Vielleicht ist ja das Rennen in Göttingen eine gute Vorbereitung gewesen, so, dass ich in Frankfurt nicht ganz so desolat abschneide?

 

In Eschborn - Am Tag vor dem Rennen

Am Dienstag Nachmittag fahre ich nach Eschborn, mit der S-Bahn, um mir die Startunterlangen abzuholen. Nur wenige Leute steigen an diesem Nachmittag dort aus der S-Bahn, alle sind ruckzuck in sämtliche Himmelsrichtungen verstreut. Bevor ich mich recht versehe, stehe ich dort, und weiß gar nicht, wohin denn nun. Ist ja aber kein Problem, denke ich - immerhin habe ich mein mobiles Navi dabei. Dass dies mich allerdings in eine völlig falsche Richtung schickt und ich so zu einem insgesamt über einstündigen Fußmarsch durch Eschborn komme, dafür kann Eschborn nichts. Da hat wohl eher die Karte aus Openstreetmap ein Problem, wie so oft.

Mit anderen Worten: Ich bin schon ziemlich genervt, als ich endlich an dem Tisch der Ausgabe der Startbeutelausgabe stehe. Diese funktioniert jedoch völlig problemlos, nach zwei Minuten halte ich einen Starterbeutel mit allem Wichtigen in Händen - und mit zusätzlich viel Papier- und sonstigem Werbekrams. Zu meiner großen Überraschung finde ich im Starterbeutel allerdings nichts, aber auch nicht den kleinsten Hinweis auf die morgen bevorstehende Veranstaltung. Keinen Plan von Start- und Zielbereich, keine Hinweise auf Gefahrstellen auf der Strecke, keinen Zeitplan, keine Hinweise auf das Verhalten während des Rennens - nichts! So etwas finde ich in Hinblick auf die Sicherheit bei Jedermannrennen eigentlich absolut unentbehrlich! Hier, in Eschborn/Frankfurt kann man sich dann halt im nicht gerade übersichtlich gestalteten Internetangebot selbst ein paar Hinweise zusammenklauben. Schwach!

Der Fußmarsch zurück raubt mir dann weitere Nerven: Um mich herum stehen sämtliche Straßen voller Autos. Eschborn erstickt gerade in einem Mega-Feierabends-Stau - und ich, der ich kilometerlang neben den brummelnden Auto daherlaufe, ersticke beinahe gleich mit. Wie grauenhaft! Auch die Umgebung gefällt mir nicht, das riesige Möbelhaus, von dessen Parkplatz morgen der Start erfolgen wird und auf dessen Zufahrtstraße dann auch das Ziel sein wird, lockt mich in dieser reinen Autowelt wirklich nicht! Die Betonwüste in der Eschborner Steueroase, durch die ich zurück zur S-Bahn gehe, mit den riesigen Firmensitzen von Deutsche Telekom, Deutsche Börse, Deutsche Bank, Vodafone, Siemens, IBM, Randstad und und und, finde ich auch entsetzlich. In einer SMS fasse ich meine Eindrücke dieser Aktion zusammen in den dürren, aber treffenden Worten "schlimmer geht's nimmer" - und meine damit die abweisende Umgebung der Veranstaltung.

 

Škoda Velotour / Rund um den Finanzplatz - Vor dem Start

An dem Morgen des Rennens ist es dann zunächst mal saukalt! Früh bin ich schon aufgebrochen, um es irgendwie rechtzeitig aus Frankfurt nach Eschborn zu schaffen. Schnell wirde mir schon bei der Planung klar: Dieses Rennen ist einfach nix für Leute, die NICHT mit Autos zu Radrennen anreisen! Nicht nur, dass der Start so weit außerhalb des Frankfurter Stadtzentrums liegt. Nein, man hat auch kaum eine Möglichkeit, an diesem Feiertag morgens mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin zu fahren! Alle 30 Minuten fährt eine S-Bahn aus Frankfurt nach Eschborn. Ich habe bei meiner Anreise pures Glück, dass ich bei meinem Umstieg in Frankfurt West noch einen Platz in der S-Bahn bekomme. Die gesamte S-Bahn ist bis zum Rand voll mit Rennrädern, es sind einige hundert, die hier mit Rennrädern aller Couleur anreisen - die wenigen Mitfahrenden ohne Räder schauen genervt aus der Wäsche. Aber: Bereits eine Bahn später würde zeitlich alles schon extrem knapp werden!

 

 

 

Das Bild in Eschborn dann, wie diese hunderte von Rennradfahrern aus dem Zug strömen, ist allerdings auch ein besonderes und amüsantes. In dem großen Strom der Radler schwimme ich mit zum Parkplatz des Möbelhauses. Weil es so saukalt ist, hatte ich mir noch eine Jacke übergezogen, und auch ein paar Klamotten für "hinterher" mitgenommen, die ich nun alle im Starterbeutel an der Gepäckaufbewahrung abgebe. Dummes Missgeschick hierbei: Ich gebe dabei auch gleich meine kleine Kamera mit ab, die ich normalerweise nutze, um ein paar Stimmungsfotos vor und nach dem Rennen zu machen. Und bei langer Weile und geringem Tempo auch mal während des Rennens. Diesen Fehler bemerke ich zwar recht bald, nachdem ich in meinem Startblock stehe, aber ich habe auch einfach keine Lust, jetzt noch mal zur Gepäckaufbewahrung zu gehen und mir die Kamera heraus zu suchen. Dann gibt eben keine eigenen Fotos von der "Velotour". Schade!

Velotour 2013, Anfahrt zum Start

Quer durch den "Finanzplatz Eschborn" geht's zum Startbereich.

 

 

 

Wie immer wird das Warten auf den Start ziemlich lang, wie eigentlich immer habe ich mich ziemlich weit hinten in meinen Startblock einsortiert, denn es gilt: Wer hinten startet wird weniger überholt! Andere sehen das wohl irgendwie ähnlich, jedenfalls komme ich in ein nettes Gespräch mit zwei Nebenmännern. Einer kommt auch aus Hamburg, auch er beklagt seine mangelnde Saisonvorbereitung aufgrund des ewig langen Winters - ich kann ihm da nur beipflichten. Nein, die Cyclassics in Hamburg würde er schon seit Jahren nicht mehr fahren, das wäre ihm viel zu gefährlich, die Leute dort würden ja wie die Verrückten fahren. Das sei hier in Frankfurt alles viel, viel besser, eben drum fährt er dieses Rennen seit ein paar Jahren mit. Das nehme ich erfreut zur Kenntnis - und bin gespannt.

Als es dann endlich losgeht, fühle ich mich schon fast steifgefroren. Die Armlinge behalte ich dran, auf eine kurze Hose bin ich schon von Anfang an festgelegt. Gestartet bin ich aus Startblock D - dem vorletzten der fünf Startblocks für die 104 km-Strecke. Es braucht so einige Kilometer, bis ich mich einigermaßen warm und locker fühle.

Der erste Eindruck, ganz im Gegensatz zu dem, was der andere Hamburger Fahrer gesagt hat: Es geht hier in Frankfurt völlig chaotisch und durcheinander zu, viele fahren so, wie sie gerade lustig sind. Ich fühle nicht sonderlich wohl, halte die Augen offen - und mich selber zurück. Meine beiden Gesprächspartner sehe ich flugs nach vorne entschwinden. Rechtzeitig haben wir uns noch eine "Gute Fahrt" gewünscht.

Es geht zunächst in Richtung Frankfurter Innenstadt. Nach anfänglich großen, breiten Straßen findet man sich dann in einem Zick-Zack-Kurs in der Frankfurter Innenstadt wieder. Mir gefällt das nur mäßig gut, es geht nach wie vor recht hektisch in dem engen Feld zu. Ich achte eigentlich nur auf meine direkte Umgebung und auf mich selber - von der Stadt Frankfurt sehe ich hierbei nichts. Außer bei einem Sekundenblick auf die Alte Oper, bei der später, beim Rennen der Profis, deren Zielbereich sein wird.

Unterstützung bekomme ich heute wieder, wie auch schon in Göttingen und einigen früheren Rennen (Velothon in Berlin, Cyclassics in Hamburg), von meiner Herzallerliebsten. Hatte ich ihr schlicht untersagt, in aller Herrgottsfrühe mit ins trostlose Eschborn zu kommen, so wartet sie zum Winken hier im Zentrum von Frankfurt, an dem kleinen Park der Bockenheimer Anlage in der Nähe vom Eschenheimer Tor. Von dort plant sie dann, direkt nach Oberursel zu fahren, wo ich nach ca. 32 km entlang komme und einen kurzen Stopp bei ihr eingeplant habe. Weder hier in Frankfurt, noch in Oberursel kennen wir beide jedoch die örtliche Umgebung. Aber hier klappt es vorzüglich, wir sehen uns beide frühzeitig und wir winken und rufen uns fröhlich zu. Das ist immer ein Extra-Schub an Motivation.

Aber der Kuddelmuddel um mich herum hat noch kaum nachgelassen, das Feld ist noch keineswegs entzerrt, und es geht noch eine Weile weiter durch Frankfurt. Konzentration also!

 

Frankfurter Flaschenpost

Viel bekomme ich also nach wie vor nicht mit von der Strecke, zumal ich die Umgebung nicht wirklich kenne. Ich staune, dass ich schon auf diesem ersten Viertel der Strecke Dutzende Trinkflaschen am Wegesrand liegen sehe - Zeugen von Konzentrationsmängeln oder Achtlosigkeit. Irgendwann, auf einer breiten Ausfallstraße sehe ich auf dem Asphalt einen sich bewegenden rosa Flecke direkt vor mir - ach, der direkt vor mir fahrende hat nun auch seine Trinkflasche verloren mit irgendeiner rosafarbenen Iso-Flüssigkeit. Ja, ja, dieses Iso-Zeugs ergibt leicht sehr glitschige Flaschen, wenn man mit dem Getränk ein wenig herumkleckert. Die Flasche - vielleicht ja eine moderne Flaschenpost? - rollt zur Seite weg und gefährdet mich nicht unmittelbar. Als ich den hinter mir fahrenden ein Handzeichen gebe, fällt mir auf, dass ich selbst bisher kaum Handzeichen wahrgenommen habe.

Nach einiger Zeit geht es durch einen sonderbaren, recht schmalen, asphaltierten Feldweg ein wenig bergauf, als Abschluss dieses Stückes gibt es unvermutet einen groben Absatz - hinter dem dann gleich ein paar Dutzend Trinkflaschen herumliegen.

Einige Weile weiter geht es dann ein paar hundert Meter durch eine Wohnstraße, die wohl eher eine Baustelle ist: Der Asphalt ist teilweise abgeschliffen, einige Gullys ragen etwas heraus, zudem stehen ein paar geparkte Autos ohne besondere Sicherung in der Straße. Das Feld ist noch ziemlich eng - sehr erschwerte Bedingungen, die weiterhin volle Konzentration erfordern. Die paar still dastehenden Zuschauer nimmt man da nur im Bruchteil einer Sekunde wahr.

Ja, meine Güte, denke ich mir, was ist denn hier bloß los? Klar, man muss bei einem solchen Rennen schon selber auf sich aufpassen und vorausschauend fahren - aber, wie kann es eigentlich sein, dass es vom Veranstalter keinerlei Informationen oder Warnungen hierfür gibt? Langsam bin ich über die Aussage meines Gesprächspartners vom Startblock doch ernstlich irritiert. Das hier ist von der Sicherheit her weit, weit unter dem Niveau von den Cyclassics in Hamburg! Oder auch unter dem Rennen Tour d'Energie in Göttingen drei Tage zuvor. Fast bin ich überrascht, dass ich noch keine Sturzopfer gesehen habe. Mich beschleicht das Gefühl, dass der Veranstalter dieses Jedermannrennen bzw. seine Fahrer nicht sehr ernst nimmt.

28 Kilometer des Rennens sind so bis jetzt absolviert, und das Fahrerfeld bleibt eng. Aus dem hinter meinem Block gestarteten Block E haben mich einige ehrgeizige Fahrer schon längst überholt, aber aus dem vorangegangenen Block C habe ich kaum einen Fahrer bisher gesehen - und das wird sogar bis zum Ende des Rennens so bleiben. Die Startblockeinteilung bei diesem Rennen scheint gut zu funktionieren. Man hatte dort für die Einteilung als Referenz Ergebnisse aus anderen Jedermannrennen verlangt, diese überprüft und, je nach Schwierigkeit der Rennen, klassiert - und, so habe ich es wahrgenommen, die Fahrer dadurch wirklich gut sortiert! Gut gemacht! Man hat sich also doch Mühe gegeben!

Es geht nach Bad Homburg, wie ich höre ist der Ort nach vielen Jahren wieder Teil der Strecke. Für die später fahrenden Profis gibt es hier einen Zielbogen für einen Zwischensprint - und von dem kleinen Stadtfest schauen nicht wenige Zuschauer schweigend auf die vielen Radler. Immerhin: die Prachtstraße, durch die wir den Ort durchfahren, ist mir in Erinnerung geblieben.

Hinter Bad Homburg geht es dann nach Oberursel - wo ja meine Liebste zum Anfeuern wieder auf mich warten wird. Allein: Ich merke gar nicht, dass wir nach Oberursel kommen, zu sehr bin ich noch mit dem engen Feld beschäftigt. Schließlich wirken selbst zwei Meter Abstand zum Vorausfahrenden bei 35-38 km/h noch ziemlich nah!

Also höre ich plötzlich von links meinen Namen - ganz unvermutet. Sie hat mich in dem Feld der Radler erkannt. Erst im letzten Moment sehe auch ich sie jetzt, an einen kurzen Stopp ist jetzt überhaupt nicht mehr zu denken. So bleibt, wieder nur, zu rufen und zu winken. Trotzdem wieder eine prima Motivation. Unsere nächste Abmachung: Ich werde sie vom Scheitelpunkt des Großen Feldberges aus anrufen - dann weiß sie, dass ich genau die Hälfte des Rennens absolviert habe, und kann abschätzen, wann ich denn so etwa ins Ziel eintrudeln werde.

 

Rauf auf den Grossen Feldberg

Und die Auffahrt auf den Großen Feldberg beginnt hier in Oberursel so langsam. Ein paar Steigungsprozente kündigen an, dass es auf den nächsten rund 15 km nichts anderes gibt, als eine Steigung. Wie ich gelesen habe, soll die Auffahrt insgesamt nicht sehr steil sein und auch kaum steile Rampen enthalten - sie ist halt mit 15 km "nur" ziemlich langgezogen.

Diese bevorstehende Steigung scheint bei vielen einen verblüffenden Effekt zu haben: Der Morgen-Kaffee scheint schlagartig zu drängen. Eine ganze Reihe von Fahrern sucht plötzlich einen Standplatz im Gebüsch auf der rechten Seite. Während ich das zunächst amüsant finde, merke auch ich plötzlich eine sonderbar ansteckende Wirkung. Und nachdem ich nur wenige Augenblicke aus dem Fahrerfeld ausgestiegen bin, scheine ich plötzlich in einem völlig anderen Rennen zu landen. Plötzlich wird um mich herum sehr ruhig und rücksichtsvoll gefahren. Dies war bis eben doch ganz anders gewesen - es wurde eher ruppig gefahren, als würde der Platz 1.500 in dem Rennen eine harte Fahrweise erfordern.

Nicht so recht wissend, was mir bevorsteht, rufe ich den einstweilig letzten Zuschauern noch einen freundlichen Scherz zu, als ich sie mit dem Schild "Nicht denken, nur treten" am Straßenrand stehen sehe. Doch von nun an geht's berauf.

Mit einer ziemlich konstanten Steigung zwischen fünf bis sechs Prozent quält man sich Stück für Stück nach oben. Für richtige Serpentinen reicht die Steigung nicht, meist geht es in eher milden Kurven hinauf. Und: Man fährt die gesamte Zeit, bis zum Scheitelpunkt des Großen Feldbergs, im Wald. Nie hat man mal ein wenig Ausblick in die Landschaft im Taunus. Anfeuernde Zuschauer gibt es hier keine mehr. Ab und zu werfen ein paar Wanderer irritierte Blicke auf die lange Kolonne der schwer schnaufenden Rennradfahrer. Kurz: Es ist eigentlich stock-langweilig, hier hinauf zu fahren.

So ein Anstieg bedeutet für einen selber immer mal wieder eine kleine Krise, mal etwas Euphorie, Mal verlässt einen die Lust, beständig Druck auf die Pedalen auszuüben, mal scheint es wie von allein zu laufen und man hat Freude am Radfahren. Da mein Trainingzustand eher mäßig ist und ein paar Kilos zuviel auf den Hüften lasten, fällt es mir nicht unbedingt leicht, mich hier hinaufzuwuchten - aber das "Trainingsrennen" in Göttingen vor drei Tagen zeigt durchaus Wirkung und ich habe nie das Bedürfnis, mal einen Stopp zu machen.

Die Straße hinauf auf den Großen Feldberg ist zwar für das Radrennen locker breit genug - ein wenig verblüfft und verärgert bin ich dann aber doch, als sich, schon ziemlich weit oben, ein Linienbus an den Fahrern vorbei hinauf schraubt. Der Fahrer ist zwar sehr umsichtig und langsam, die fünf oder sechs Fahrgäste schauen eher gelangweilt und genervt ob des lahmen Tempos - aber es ist schon etwas irritierend, in einem Radrennen plötzlich direkt neben einem dicken Linienbus zu fahren und ich frage mich, ob das wirklich so sein muss.

Die Höhenanzeige meines GPS zeigt mir, dass es mittlerweile nicht mehr weit ist zum Gipfel, dem "Feldberg-Pass", wenn ich das mal so nennen darf. Bei einem etwa 50 m vor mir Fahrenden sehe ich dann plötzlich zu meiner Verblüffung, dass er sich offensichtlich eine Zigarette angesteckt hat?!? Doch, Moment - der hinter ihm fahrende auch...? Kurz danach qualmen auch die kurz vor mir strampelnden Radler kräftig, einen Moment später auch ich. Nein, das waren also keine Zigaretten, ab einer bestimmten Stelle waren die Umgebungsbedingungen genau so, dass der "heiße Atem" der Fahrer sofort kondensierte, die Temperaturanzeige meines Tachos zeigt vier Grad Celsius an. Es sah sehr lustig aus! Wie schade, dass ich meine Kamera versehentlich im Wäschebeutel abgegeben habe! Das hätte lustige Fotos gegeben. Kalt wird einem übrigens nicht, so lange man hinauf fährt jedenfalls - man ist ja genügend durchgewärmt vom Fahren.

Kurz danach fahren wir im Nebel, der zum Scheitelpunkt hin immer dichter wird. Nach langer Zeit höre ich vor mir mal wieder aufmunternde Anfeuerungsrufe: Eine karitative Organisation hat sich dort platziert, bietet auf einem Tisch Kuchen an und feuert die Fahrer an. Bevor ich durch den Nebel noch recht sehe und begreife, bin ich an ihnen auch schon vorbei gefahren. Es wäre allerdings auch nicht sehr schön, dort anzuhalten, denn direkt anschließend folgt das steilste Stück bei der Auffahrt.

Und dann bin ich oben auf dem Großen Feldberg, mache - mitten im Nebel - den geplanten Stopp, um meine Liebste anzurufen. Und, Tatsache: es gibt ein gutes Handy-Netz. Noch während ich das Handy aus meiner Trikot-Tasche herausfummle, muss ich von der Nebenstraße, die noch ein paar Meter weiter hinauf zum tatsächlichen Gipfel des Großen Feldberg geht (Aussichtsturm und Gipfelkreuz kann man in dem Nebel nicht sehen), schnell herunter springen: Es kommt ein Krankenwagen hektisch mit Blaulicht angefahren und fährt direkt in die Abfahrt.

Ich beschließe, diese eher vorsichtig anzugehen: Die Straße ist hier oben noch feucht und möglicherweise etwas rutschig, es ist zudem noch neblig und ich kenne die Strecke überhaupt nicht. Gründe genug, vorsichtig zu fahren! Kurz danach meldet meine Liebste sich am Handy und freut sich für mich, dass ich ohne große Sorgen hier hinauf gekommen bin. Sie wird sich dann gemütlich aufmachen nach Eschborn. Nach einem Stopp von einer Minuten 40 Sekunden geht es für mich weiter.

Die Abfahrt beginnt hier an dem Scheitelpunkt des Straße sehr abrupt und mit 11 Prozent Gefälle ziemlich steil. Der Nebel steht hier - aber wie schon beschlossen, lasse ich es ruhig angehen und greife hin und wieder mal in die Bremsen. Im Gegensatz zu einigen anderen, die rasant an mir vorbei schießen. Ob die das Rennen noch gewinnen wollen? Schon nach ein paar Minuten sind wir jedoch aus den "nebligen Zone" (also eigentlich aus den Wolken) schon wieder heraus gefahren, die Straße wird zusehends trockener - da lasse ich es auch öfters mal rollen. Aber: Die Konzentration MUSS hier auf jeden Fall bei 100 Prozent bleiben!

Zuweilen hat man einen weiten Blick nach vorne auf die Straße, und der Asphalt ist gut. Zumindest, so lange man auf der Landesstraße fährt. Dies ändert sich zuweilen jedoch stark, wenn man in die Ortschaften kommt. Es ist nicht unbedingt schön, wenn man auf seinem Rennrad mit über sechzig Sachen in eine Ortschaft hinein fährt, deren Straßen dann plötzlich vor allem aus Schlaglöchern und hoppeligen Asphalt-Flickstellen besteht. Autofahrer, die trotz ihrer Stoßdämpfer ja oft gerne über schlechten Asphalt in Ortschaften schimpfen, ahnen wahrscheinlich nicht viel von der Situation eines Rennradfahrers. Auch die anfeuernden Zuschauer nimmt man vor lauter Konzentration nur am Rande wahr und kann sie gar nicht recht würdigen.

Jedenfalls ist die mindere Qualität der Asphaltdecken in einigen Ortschaften ein Minuspunkt für dieses Rennen - wofür der Veranstalter nicht direkt verantwortlich ist (er hätte jedoch warnen können!). Da war ich eher froh, meine heutige Höchstgeschwindigkeit von 74 km/h auf einem guten Asphaltstück zwischen den Orten Glashütten und Schloßhorn gefahren zu sein - also schon eine Weile hinter dem Großen Feldberg. So schnell war ich im Übrigen in meinem Leben noch nie auf zwei Rädern unterwegs, nicht mal in den Alpen.

Immerhin hat sich bei der Auffahrt zum Großen Feldberg das Feld erheblich entzerrt. Es sind zwar immer noch viele Fahrer um mich herum, aber es geht lange nicht mehr so eng und kämpferisch-ruppig zu, wie auf den ersten gut 35 km. Das ist mir nur Recht!

 

Berg- und Talbahn im Taunus

Sollte ich jedoch mit dem Bewältigen des Großen Feldbergs das Gefühl gehabt haben, die meisten Höhenmeter am heutigen Tag bewältigt zu haben, so sollte ich mich diesbezüglich doch gehörig getäuscht haben! Okay, ich erinnerte aus der knappen Streckendarstellung im Internet noch zwei weitere ernstzunehmende Steigungen. Dass ich mit dem Feldberg jedoch erst rund die Hälfte der zu fahrenden Höhenmeter bewältigt hatte und die Fahrt auf den nächsten rund 25 Kilometern eine beständige Berg- und Talbahn bleibt, das war mir nicht wirklich klar gewesen. Aber genau so war es.

Nach einiger Zeit steht die Verpflegung an, und diese ist bei dem Eschborn-Frankfurter Rennen etwas anders geregelt, als ich es von anderen Jedermannrennen her kenne. Werden anderswo die Fahrer, die etwas Verpflegung wollen, sauber von der Strecke herunter geleitet, so stehen hier bei diesem Rennen viele Helfer in der Ortschaft Glashütte am Straßenrand und halten Wasserflaschen (mit Schraubverschluss) bzw. Bananen griffbereit für die Fahrer. Ein wenig so, wie dies auch bei den Profis gehandhabt wird. Ich schnappe mit eine Banane, schnell ist sie geöffnet und schnell gegessen - als ich erneut bedaure, meine Kamera nicht dabei zu haben. Denn: Die vielen Hunderte von Bananenschalen, die hier im Ort von den Fahrern kreuz und quer auf den angrenzenden Gehweg geworfen worden sind, sind ein Bild für die Götter! Ganz sicher wären mir ein paar schöne Fotos hiervon einen kurzen Stopp wert gewesen!

Aber, wie schon angedeutet: Nach der rasanten Abfahrt hinter Glashütten mit meinem persönlichen Geschwindigkeitsrekord steht noch eine spürbare Steigung im Streckenverlauf bevor. Natürlich nicht so lang, wie der Feldberg, aber mit bissiger Steigung! Soll sagen: steil! Die Steigung bei Ruppertshain hat es in sich, obwohl es nur gut 100 Meter in die Höhe geht. Das jedoch mit deutlich über zehn Steigungsprozenten, z.T. fast 20 Prozenten über eine Wegstrecke von über 400 m. Das Feld zieht sich hier komischerweise wieder zusammen, ich sehe ein paar Fahrer, die ihr Rad schieben. An den steilsten Stücken bin ich mit meinen sieben bis acht km/h kaum schneller, als die Schiebenden - aber ich habe auch Spaß an der bis zum Schluss giftigen Steigung. Einen gehörigen Anteil an dem Spaß haben auch die vielen Zuschauer, die hier massiv und leidenschaftlich anfeuern und mich so dazu bringen, die letzten Meter geradezu beflügelt unter Einsatz aller verfügbaren Kräfte hinauf zu fliegen. Ein durchaus anstrengendes, kraftraubendes Stück (mein Pulsschlag geht bis auf 180 Schläge/min hoch) auf der Strecke - aber es hat mich auch begeistert!

 

Rüpel auf der Strecke - Im Kampf um Platz 1763 oder so...

Kurz danach bin ich schon wieder mit fast 70 km/h unterwegs und kann etwas verschnaufen, bis wir durch die Ortschaften Fischbach, Eppstein und Lorsbach nach Hofheim gekommen sind. Die Gegend gefällt mir hier wunderbar! Mittlerweile bin ich in einer größeren Gruppe gelandet. Eigentlich wird hier recht diszipliniert gefahren. In einer etwas lockeren Zweierreihe sind etwa 30 Leute unterwegs, ich selber fahre auf der rechten Seite. Plötzlich, völlig unvermittelt und ohne Vorwarnung, werde ich von links kräftig angerempelt, am Körper, kurz danach zusätzlich auch am Lenker: irgendein Vollidiot meint, er müsse sich in der Mitte dieser Zweierreihe durch das Feld nach vorne arbeiten, ohne Rücksicht auf Verluste. Und wenn es denn zu eng wird, dann rempelt man die störenden Leute eben beiseite. Wenn diese in dem Moment etwas unkonzentriert, leicht schreckhaft oder auch schlicht unerfahren sind, dann landen sie mit den dahinter fahrenden halt im Straßengraben. Das ist der erbitterte Kampf um Platz 1763 in einem Jedermannrennen doch wohl wert! Oder?

Nun, es geht bei diesem Rüpel alles gut, ich konnte einen Sturz problemlos abfangen. Aber mal wieder ein Musterbeispiel dafür, wie undiszipliniert und dumm hier etliche fahren. Sicherlich hat er auch meine Beschimpfung gehört, die ich ihm hinterher gerufen habe - die aber auch bei weitem nicht so böse war, wie es angemessen gewesen wäre. Nein, hinter solchen Idioten will ich nicht weiter hinterher fahren, da muss ich ja jede Sekunde damit rechnen, dass mir ein anderer Fahrer vor das Rad fällt. Also verlasse ich diese Gruppe - nach vorne, natürlich. Mit drei anderen Fahrern fahre ich zügig den anderen davon. Unsere kleine Gruppe funktioniert ohne jede Absprache ganz großartig mit den Wechseln im Windschatten-Fahren.

Aber dann erlebe ich, ebenfalls im erbitterten Kampf um Platz 1763, immer wieder auch ein Phänomen, dass ich in der Form auch noch nicht wirklich kannte. Ich nenne es mal den "Windschattenklau": Man überholt mit dieser kleinen Gruppe andere, etwas langsamere Fahrer - und diese schieben unmittelbar nach dem ersten Fahrer der Gruppe den zweiten der Gruppe einfach beiseite (zuweilen tatsächlich mit Körperkontakt), um in den Windschatten direkt hinter dem Führenden der Gruppe zu kommen. Sehr rüpelig! Ganz abgesehen davon, dass solche Aktionen gefährlich sind: Der bis dahin Zweite fährt dann plötzlich in der zweiten Spur direkt im Wind. Hätte ich das so ein- oder zweimal erlebt, dann hätte ich gedacht, dass einigen von den Fahrern noch solchen Anstrengungen schon das Hirn vernebelt ist. Aber ich erlebe genau solches Verhalten wohl sieben-, acht- oder zehnmal, gerade in dieser Phase des Rennens. Üblich ist eigentlich, dass man sich hinten an eine Gruppe heran hängt. Über dieses blöde, rücksichtslose und gefährliche Verhalten etlicher Fahrer bei diesem Rennen kann ich nur den Kopf schütteln.

Nach und nach merke ich meine nachlassenden Kräfte und nach und nach wächst unsere schöne Vier-Mann-Gruppe durch die Überholvorgänge wieder an, auf mittlerweile wohl rund 25-30 Leute. Nur wenige fahren umsichtig, offenbar sind viele schon ziemlich erledigt, es gibt einige unbedachte Aktionen. Das gefällt mir wieder mal ganz und gar nicht, und ich beschließe, wieder zu probieren, dem Haufen davon zu fahren, arbeite mich also wieder nach vorne. Fahre bei einem kleinen, flachen, aber längeren Anstieg davon, wieder mit drei, vier anderen Fahrern.

 

Velotour 2013 - Und ab ins Ziel

Danach sind meine Körner fast ganz weg, also meine Kräfte weitgehend verbraucht - und doch folgen noch fiese rund 15 Kilometer: Es geht nach Nordosten, direkt gegen den strammen Wind. Zwei Fahrer rackern sich tapfer gegen den Wind ab, mir gelingt das nur noch in winzigen, symbolischen Momenten. Eigentlich "lutsche" ich nur noch an deren Hinterrad. Mit schlechtem Gewissen, aber in der Hoffnung, es so irgendwie ins Ziel zu schaffen. Hin und wieder holen wir Leute ein, die Gruppe wächst wieder heran, diesmal fehlen mir Kraft und Wille, dies noch irgendwie zu ändern. Ein Fahrer fragt mich mit Verzweiflung und völliger Erschöpfung im Blick, wie weit es denn wohl noch sei. Drei oder vier Kilometer ist meine Antwort. Obwohl ich die Strecke gar nicht kenne, zeigt mein Tacho so etwas an.

Da ich es liebe, allein und in Ruhe in das Ziel zu fahren, lasse ich, als das Ziel so langsam wirklich naht, die Gruppe davon fahren. Ein paar hundert Meter vor dem Ziel hat es sich meine Liebste gemütlich gemacht und wieder entdeckt sie mich, bevor ich sie sehe. Ach, wie glücklich ich über Ihre Begleitungen bin und wie sehr ich mich über sie freue!

Kurz danach bin ich im Ziel - und auch sehr froh darüber! Je nach Sichtweise habe ich meine eigenen Kräfte etwas überschätzt, bzw. die anspruchsvolle Strecke unterschätzt. Mit Sicherheit die anspruchsvollste Strecke, die ich in einem Jedermannrennen bisher gefahren habe. Sehr gut hat mir die Zielverpflegung gefallen, selten habe ich das so gut organisiert und auch in solch ausreichender Menge erlebt. Der besondere Hammer sind natürlich die Massen an "übrig gebliebenen" Osterhasen in goldener Folie mit Glöckchen um den Hals, die dort freigiebig verteilt werden. Da Sportler in der Regel ja keine fette Schokolade essen, stehen viele, viele Goldhasen einsam dort herum - ich bin da aber hemmungslos und für meine Liebste bleibt auch noch ein Hase übrig. Insgesamt die Zielverpflegung ein "dicker" Pluspunkt für die Veranstalter :-)

Meine Daten: Die Fahrzeit von offiziell 3 Stunden 43 Minuten 6 Sekunden (das ist ein Schnitt von gerade mal 27,8 km/h, 25 km/h wurde vorausgesetzt) reichte für den 1540. Gesamtplatz unter 2060 ins Ziel gekommenen Fahrern (zudem kamen 133 Frauen ins Ziel, aber 42 gestartete Fahrer kamen, aus welchen Gründen auch immer, nicht im Ziel an). Für mich unvorstellbar: Die schnellsten waren um etwas über eine Stunde schneller. Eine irre Leistung für "Jedermann-Fahrer"! In meiner Altersgruppe belege ich den Platz 217 unter 326 Fahrern. Das ist für meinen Trainingszustand letztlich in Ordnung - mehr nicht, aber auch nicht weniger.

Interessant fand ich, dass bei diesem Rennen Zwischenzeiten der Fahrer genommen wurden - das habe ich bei anderen Rennen so noch nicht erlebt. Ein gutes Gefühl macht mir, dass ich mich da Stückchen für Stückchen nach vorne gefahren habe: Nach 12 km an der Bockenheimer Anlage in Frankfurt auf Platz 1765 unter allen Fahrern, auf dem Großen Feldberg (52 km) Platz 1623, nach der Steigung Ruppertshain (72 km) Platz 1595 und nach 104 km im Ziel dann Platz 1540. Das ist doch besser, als umgekehrt nach hinten zu rutschen...

 

Meine erste Skoda Velotour in Eschborn/Frankfurt - Ein Fazit

Ob ich das Rennen noch einmal fahren werde? Nun, eigentlich denke ich: eher nicht! Ich kann das Rennen "Rund um den Finanzplatz" nicht guten Gewissens empfehlen! Es ist in mancherlei Hinsicht ein gefährliches Rennen: Undisziplinierte Fahrweisen, rasende Abfahrten in schlechte Wegstrecken in Ortschaften, überraschende Gefahrstellen. Insgesamt nicht mein Ding!

Die Strecke selber ist anspruchsvoll und hat ihre Reize, die Steigungen hatten es zuweilen in sich und man konnte an seine "Qualgrenze" fahren, das machte auch viel Spaß! Von der Streckenführung selber spricht eigentlich nicht viel gegen dieses Rennen.

Aber: Auch deutlich nach dem Rennen wundert es mich immer noch, dass man dort auf Sicherheitshinweise offenbar keinerlei Wert legt. Entsprechend ruppig und zuweilen rücksichtslos wird im Fahrerfeld gefahren - so, wie ich es noch nie in einem anderen Rennen erlebt habe. Über die Worte meines Gesprächspartners vor dem Rennen, das Hamburger Rennen Cyclassics sei ihm zu unsicher, dieses hier jedoch weitaus besser, kann ich mich nur rundum wundern. Bei den Cyclassics gibt man sich sehr viel Mühe, auf der Sicherheit aller Fahrer hin einzuwirken - hier in Eschborn/Frankfurt habe ich nichts davon bemerkt.

Es hätte zu den Sicherheitshinweisen auch gehört, auf einige der Gefahrstellen der Strecke hinzuweisen. Im Idealfall macht man dies bereits per Papier im Starterbeutel, aber spätestens auf der Strecke gehören deutlich sichtbare Hinweisschilder aufgestellt! Auf beides hat man weitgehend verzichtet - auch ein Grund, warum ich kein sicheres Gefühl bei diesem Rennen entwickelte. Ich habe insgesamt das Gefühl, dass man sich von Veranstalterseite keine großen Gedanken um die Sicherheit der Jedermann-Fahrer macht.

Skoda Velotour 2013, Veanstaltungsfläche

Das Veranstaltungsgelände auf dem Parkplatz eines riesigen Möbelhauses.

 

 

 

Darüber hinaus hat mir die Lokalität der ganzen Veranstaltung in Eschborn einfach nicht sonderlich gefallen: Es gibt dort, mitten im Gewerbegebiet, wenig Einladendes! Der Spaziergang zur Abholung der Startunterlagen war fast ein Schock.

Ein anderer negativer Punkt an dem Rennen: Der entsetzlich schlechte Anschluss an den öffentlichen Personen Nahverkehr! Dass ich es schaffte, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln - also mit der S-Bahn - rechtzeitig zum Start zu kommen, war trotz penibler Planung purer Zufall. Die Bahn hätte genauso gut auch schon komplett voll sein können und keinerlei Platz mehr für Räder haben können, dann hätte ich da irgendwo in Frankfurt dumm rumgestanden mit meinem Rad, ohne jegliche Ortskenntnisse. Auch die Abreise aus Eschborn gestaltete sich übrigens extrem sonderbar: Als ich gemeinsam mit meiner Liebsten zur S-Bahn-Station Eschborn gehe, kommen uns insgesamt einige Dutzend total genervter Radrennfahrer entgegen. In der Station steht seit längerem eine Bahn, schnell finden wir heraus: Der Zugführer weigert sich seit einer Viertelstunde beharrlich, in seiner Bahn mehr als acht Räder mitzunehmen. Etwa 50 stehen jedoch noch auf dem Bahnsteig und wollen mit. Der aufgeregt Zugführer ruft die Bundespolizei, bleibt mit seinem Zug einfach stehen und wartet auf das Eintreffen der Bundespolizei, damit sie womöglich eine Handvoll überzähliger Radfahrer aus seinem Zug holt. Das machen die Bundespolizisten dann, als sie endlich, peinlich berührt, da sind, zwar nicht und sagen dem Zugführer, er solle mal endlich losfahren, verdammt! Was der dann ohne weiter auf die Transport-Regeln zu beharren nach einer halben Stunde auch macht. Eine insgesamt skurrile Szene, die sich erst nach langer Zeit auflöst - und die zeigt: Der Veranstalter hat zwar auf der Internetseite irgendwo empfohlen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen, allerdings hat er sich mit den Verkehrsbetrieben in keinster Weise darüber abgestimmt. War offensichtlich völlig egal. Kaum vorstellbar, was für ein Chaos und was für Aggressionen entstanden wären, wenn sich der Zugführer am Morgen auch so penibel korrekt, aber auch dumm verhalten hätte und keine Radler mitgenommen hätte zum Start!

Dem Internet konnte ich entnehmen, dass es bei den lange, lange vor mir ins Ziel gekommenen 70 Kilometer-Fahrern ein riesiges Durcheinander und Ärger bei der Wertung gab, da man offenbar die schnellsten Fahrer als langsame 42 km-Fahrer einsortierte und dann überhaupt nicht wusste, wer wann wo Sieger/Siegerin geworden ist. Dieses Chaos wurde dadurch komplettiert, dass die Führungsgruppe "meines" Rennen vom Führungsfahrzeug irgendwo falsch geleitet wurde - man verfuhr sich einfach eine Weile. Unglaubliche Organisationspannen für die schnellen unter den Fahrern, finde ich! Aber ich selber habe von diesem Ganzen direkt nichts mitbekommen.

In der öffentlichen Wahrnehmung in Frankfurt war das Jedermannrennen (auf den kürzeren Strecken kam man sich zum Teil auch noch mit Skatern ins Gehege) eher ein kleines Anhängsel des später startenden Profirennens. Vielleicht braucht man die Jedermänner schlicht zur Finanzierung der Profis? Vielleicht sollten die Veranstalter auch mal ihr Konzept des Rennens mit insgesamt 16 Einzelrennen überdenken? Auch, wenn ich meinen Frankfurter Freund gerne wieder besuchen würde: Einstweilen wird das Rennen "Rund um den Finanzplatz" wohl ohne mich stattfinden.

Steigungs-Profil Skoda Velotour

Das selbsterstellte Profil, also der Höhenverlauf, der "Škoda Velotour - Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt". Zeitweilig eine Berg- und Talbahn mit zuweilen giftigen Steigungen.

Natürlich hatte ich auch bei diesem Rennen wieder meinen GPS-Empfänger bei mir. Das bedeutet, dass Sie sich hier die kml-Datei meines Rennens herunterladen können - und damit den exakten Weg direkt z.B. in Google Earth betrachten. Zu sehen ist die Runde auch unten in der (zoombaren) Karte. Bitte beachten Sie: In der Nähe von höheren Gebäuden und in Waldgebieten treten immer wieder kleine Störungen beim Satelliten-Empfang auf, was zu Abweichungen in der Strecken-Darstellung führt.

 

 

 

 

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Dirk Matzen

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